ORANO NCS Zwischenlager Hanau

Anlage

 

Name:

ORANO NCS Zwischenlager Hanau

Bundesland:

Hessen

Betreiber:

ORANO NCS GmbH

2021 verkaufte der Vorbesitzer, der französische Mischkonzern DAHER, seine nuklearen Aktivitäten in Deutschland und den USA an den französischen Staatskonzern ORANO.

Die ORANO Group ging 2017 aus der Zerschlagung des französischen Staatskonzerns AREVA infolge der finanziell desaströsen AKW-Neubauprojekte in Flamanville (F) und Olkiluoto (FIN) hervor. Die ORANO Group ist Betreiberin von Uranminen in Kanada, Kastachstan und Niger. In Frankreich betreibt sie die Uranaufbereitungsanlage in Malvési, der Urananreicherungsanlage in Tricastin, die MOX-Brennelementfertigung in Marcoule und die Wiederaufarbeitungsanlage in La Hague. Außerdem ist sie im Bereich nuklearer Transporte und Lagerung sowie dem Rückbau von Atomanlagen tätig. [1]

Geschäftsfeld:

Einzige noch in Betrieb befindliche Firma im „Atomdorf Hanau“ als Nachfolge der Transnuklear. Weltweite Logistik im gesamten Nuklear-Kreislauf für Brennstoffhersteller, Reaktorbetreiber und Entsorger mit eigenem Transport-Equipment und Zwischenlager, u.a. führt ORANO (DAHER) CASTOR®-Transporte durch. [2]

Vorgänger Transnuklear:

Transnuklear wurde 1966 von NUKEM (80%) und TNP-Transnucleaire Paris (20%) gegründet. Transnuklear war quasi Monopolist für den Transport radioaktiver Abfälle und bestrahlter Brennelemente.

1987 wurde bekannt, dass die Firma Transnuklear jahrelang auf illegale Weise Atommüll über die deutsch-belgische Grenze verschob und diesen Transfer mit Geldern in Millionenhöhe entlohnte. Anstatt den Abfall im belgischen Mol verbrennen zu lassen, wurden die Abfälle einfach zusammengekippt, umdeklariert und unbehandelt nach Deutschland zurück gebracht. Es gab Gerüchte, dass Abfälle auch ins Meer gekippt wurden. Die falsch deklarierten Gebinde wurden an die Kraftwerksstandorte, ins Fasslager Gorleben und in die ASSE II verbracht. 

Die Vorwürfe, dass Transnuklear atomwaffenfähiges Material nach Libyen und Pakistan geliefert hatte, konnten nicht bewiesen werden. Der Hauptverantwortliche Holtz soll nach Angaben der Staatsanwaltschaft in der U-Haft Selbstmord begangen haben. Zweifel an dieser Version bestehen noch heute. [3]

Inbetriebnahme:

1962

Genehmigungs- und Aufsichtsbehörde:

Hessisches Ministerium für Umwelt, Klimaschutz, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (HMUELV)

Genehmigung:

09.11.2009: Umgangsgenehmigung nach § 7 StrlSchV

Halle 6: Sonstige radioaktive Stoffe mit einer genehmigten Gesamtaktivität von 1 x 1014 Bq, von NUKEM (jetzt RD Hanau GmbH), AREVA NP, GNS und RWE Biblis, Lagerkapazität ca. 4.000 m³.

Halle 12: Radioaktive Abfälle aus dem Rückbau der ehemaligen Siemens-Brennelementwerke, Betriebsteile Uran und MOX mit einer genehmigten Gesamtaktivität von 2 x 1016 Bq und einer Lagerkapazität von ca. 9.000 m³. [4]

Lage / Bau:

Zwei Lagerhallen, 2 Freiläger in Hanau-Wolfgang [4]

Erweiterung:

DAHER hatte 2005 beantragt, Gebäude 15 als Zwischenlager umzubauen und umzunutzen. Ein Entwurf für eine Umgangsgenehmigung vom Hessischen Umweltministerium liegt vor. Die Stadt Hanau verweigerte die Baugenehmigung und bekam am 25.01.2022 höchstrichterlich Recht. [5]

Klagen:

Langjähriger Rechtsstreit zwischen dem Betreiber und der Stadt Hanau um die Errichtung des Zwischenlagers.

2005 bis 2009: Die Errichtung einer dritten Zwischenlagerhalle für Atommüll von anderen Standorten wurde vom hessischen Verwaltungsgerichtshof im Februar 2009 gestoppt, nachdem die Stadt Hanau die Baugenehmigung verweigert hatte. Die Revision vor dem Bundesverwaltungsgericht scheiterte. [5]

2011 erneuter Bauantrag, erneute Ablehnung durch die Stadt wegen der Unverträglichkeit der Pläne mit der städtebaulichen Ordnung und Entwicklungsperspektive.

Februar 2018: Das Verwaltungsgericht Frankfurt gibt der Klage des Unternehmens in erster Instanz statt, die Stadt legt Revision ein.

12.02.2020: Der Verwaltungsgerichtshof Kassel entscheidet zugunsten der Stadt Hanau, erlaubt jedoch Revision beim Bundesverwaltungsgericht (BVerwG). [6]

25.01.2022: Das BVerwG entscheidet ebenfalls zugunsten der Stadt Hanau: "Ein Zwischenlager für radioaktive Abfälle aus kerntechnischen Anlagen ist im Gewerbegebiet unzulässig. Es überschreitet bei typisierender Betrachtung wegen des Gefahrenpotentials der radioaktiven Abfälle den im Gewerbegebiet zulässigen Störgrad der nicht erheblichen Belästigung. [7]

Stilllegung

 

Befristung:

unbefristete Betriebsgenehmigung [8]

Abfälle

 

Inventar (Stand 31.12.2019: [8]

Rohabfälle und vorbehandelte Abfälle

  • Mischabfälle: 9 t

Konditionierte Abfälle

  • 200-l-Fässer: 201 (55 m³)
  • 280-l-Fässer: 5 (2 m³)
  • 400-l-Fässer: 41 (22 m³)
  • 570-l-Fässer: 7 (6 m³)

Abfälle in Endlagergebinden

  • Betonbehälter Typ I: 133 (160 m³)
  • Betonbehälter Typ II: 14 (18 m³)
  • Gussbehälter Typ II: 4 (5 m³)
  • Container Typ IV: 280 (2.000 m³)
  • Container Typ V: 43 (469 m³)
  • Container Typ VI: 954 (5.152 m³)

12 Gebinde mit radioaktiven Abfällen aus dem AKW Mülheim-Kärlich und 69 Gebinde mit radioaktiven Abfälle der Siemens Brennelementwerke Hanau sind bereits in die Verantwortung der BGZ übergegangen. [9]

Verbringung von Abfällen:

  1. ASSE II: 6.993 Gebinde von Transnuklear [10]

Adressen

 
Betreiber: DAHER Nuclear Technologies
Rodenbacher Chausee 6, 63457 Hanau
Tel: 06181 501-0, Fax: 06181 573692

Behörden:

Hessisches Ministerium für Umwelt, Klimaschutz, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (HMUKLV)
Mainzer Str. 80, 65189 Wiesbaden
Tel.: 0611 8150, Fax: 061 /8151941,
poststelle(at)umwelt.hessen.de, www.umweltministerium.hessen.de

KritikerInnen:

Arbeitskreis gegen Atomanlagen Frankfurt
c/o Dieter Kaufmann, Dritte-Welthaus
Große Seestraße 14, 60487 Frankfurt
akdieter(at)aol.com

atomkraftENDE.darmstadt
Oetinger Villa, Kranichsteiner Str. 81, 64289 Darmstadt
kontakt(at)atomkraftENDE.de, http://atomkraftendedarmstadt.blogsport.de/

AK.W.ende Bergstraße
c/o Volker Ahlers, Mozartstr. 70i, 64646 Heppenheim, akwende(at)googlemail.com,
http://akwende.blogsport.de/

Quellen

[1] www.orano.group, abgerufen am 10.02.2022

[2] orano-ncs: Über uns, abgerufen am 10.02.2022

[3] „Mit Atommüll Millionenaufträge ergattert“ FAZ.net, 25.01.2008, abgerufen am 28.10.2021

[4] Umweltministerium Hessen: Gesetzliche Basis - Kerntechnische Anlagen, abgerufen am 28.10.2021

[5] netzwerk-regenbogen.de: Kein Atommüll-Zwischenlager in Hanau, abgerufen am 28.10.2021

[6] VG Kassel: Klage auf Erteilung einer Baugenehmigung für Vorhaben in Hanau erfolglos, Pressemitteilung 12.02.2020, abgerufen am 28.10.2021

[7] BVerwG: Zwischenlager für radioaktive Abfälle im Gewerbegebiet unzulässig, BVerwG 4 C 2.20 - Urteil vom 25. Januar 2022 , Presssemitteilung Nr. 7/2022 vom 25.01.2022

[8] Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit: „Verzeichnis radioaktiver Abfälle – Bestand zum 31. Dezember 2019 und Prognose“, abgerufen am 28.10.2021

[9] Deutscher Bundestag: Antwort der Bundesregierung auf die Kleine Anfrage der Abgeordneten Hubertus Zdebel, Victor Perli, Lorenz Gösta Beutin, weiterer Abgeordneter und der Fraktion DIE LINKE: Kosten und Verteilung schwach- und mittelradioaktiver Abfälle in den Zwischenlager der Bundesgesellschaft für Zwischenlagerung mbH, Drucksache 19/32620, 29.09.2021, abgerufen am 28.10.2021

[10] Helmholtz Zentrum München, PG Jülich: AG Asse Inventar - Abschlussbericht, 31.08.2010