VEK Karlsruhe

Quelle: www.nadir.org

Anlage

 

Name der Anlage:

VEK Verglasungseinrichtung Karlsruhe

Bundesland:

Baden-Württemberg

Betreiber:

Kerntechnische Entsorgung Karlsruhe GmbH (KTE) [1]

Gesellschafter:

Entsorgungswerk für Nuklearanlagen (EWN) GmbH

Die privatwirtschaftlich geführte EWN GmbH ist zu 100% im Besitz des Bundesministeriums für Finanzen.

Mitarbeiter*innen:

KTE gesamt 650 [1]

Zweck:

Verglasung von 60 m³ hochradioaktiver flüssiger Abfälle aus der Wiederaufarbeitungsanlage Karlsruhe. Diese seit der Inbetriebnahme 1971 angefallenen Flüssigabfälle wurden in zwei Lagerbehältern in der Lagereinrichtung für hochradioaktive Abfälle (LAVA) über Jahrzehnte auf 25°C gekühlt und in Zirkulation gehalten, um eine atomare Kettenreaktion zu vermeiden. [2]

Inbetriebnahme: 16.09.2009

Genehmigungen:

20.12.1996: Nachdem es erhebliche Proteste gegen den Transport des flüssigen hochradioaktiven Abfalls zur Verglasung nach Mol (Belgien) gab, stellten das Forschungszentrum Karlsruhe und die Wiederaufarbeitungsanlage Betriebsgesellschaft einen Antrag nach §7 AtG auf Errichtung und Betrieb einer Verglasungsanlage in Karlsruhe. [3]

24.02.2009: 2. Teilbetriebsgenehmigung (Inbetriebnahmegenehmigung) [4]

24.02.2009: Genehmigung zur Aufbewahrung der VEK-Glaskokillen im Zwischenlager Nord in Greifswald-Lubmin [5]

Genehmigungs- und Aufsichtsbehörde:

Ministerium für Umwelt, Klima und Energiewirtschaft Baden-Württemberg (UM)

Umgebungs-überwachung:

Landesanstalt für Umwelt, Messungen und Naturschutz Baden-Württemberg (LUBW)

Konditionierung:

Das stark saure hochradioaktive Abfallkonzentrat (HAWC) wurde in einer speziellen Glasmatrix eingebunden. Massenverhältnis von 16 Gewichtsprozent (max. 19 Gewichtsprozent) HAW-Oxide zu 84 Gewichtsprozent Glasfritte.

Es gibt keine verbindlichen Endlagerungsbedingungen für HAW-Glaskokillen. Vom Bundesamt für Strahlenschutz wurden 16 qualitative endlagerrelevante Anforderungen definiert, weitere vom Forschungszentrum Karlsruhe und der IAEO, nach denen die Abfälle verglast wurden. [6] 

Besondere Gefahren:

Es fehlte die Auslegung des Transferkanals für die Leitung der hochradioaktiven Abfälle in die Verglasungsanlage gegen einen Flugzeugabsturz. Lagerung der Kokillen in Karlsruhe in Castoren ohne Sekundärdeckel. [7]

(Insgesamt ist die Verglasung ein deutlicher Sicherheitsgewinn.)

Meldepflichtige Ereignisse:

>23 (diverse im Zusammenhang mit Komponenten der WAK) [8]

Stilllegung

 

Außerbetriebnahme:

Juni 2010

Es gelang laut baden-württembergischer Landesregierung, 99,9% der Spaltprodukte und 92,9% des Cäsiums zu verglasen. Dabei wurden 140 Kokillen (56 t) erzeugt, die in 5 CASTOR® HAW 20/28 verpackt wurden.

Die verbliebene Restlösung von 3 m³ wurde auf zwei Behälter in der VEK verteilt und trocknete dort bis zum Ende des Jahres 2012 vollständig ein. Nach ersten Abschätzungen befinden sich jetzt noch radioaktive Stoffe in der Größenordnung von 1×1016 Bq in der Anlage, wobei Cäsium der Hauptaktivitätsträger ist. [9]

Rückbau:

Die VEK befindet sich derzeit in der Nachbetriebsphase. Ein für 2013 erwarteter Antrag auf Abbau der VEK konnte nicht eingereicht werden, da die Entsorgung der anfallenden mittelradioaktiven Abfälle noch nicht geklärt werden konnte. [9] Weitere Verzögerungen sind durch die unerwarteten, deutlich höheren Restaktivitäten absehbar.

Juni 2017: 25. Stilllegungsgenehmigung: manuelle Demontagen der Medien- und Energieversorgung in der VEK und auf Rohrbrücken. [15]

Juli 2018: 26. Stilllegungsgenehmigung: Aufbau von Fernhantierungseinrichtungen sowie großteils fernhantierte Demontage teilweise hochkontaminierter Anlagenteile in den Prozesszellen und im Abgascaisson (Rohrleitungen, Schmelzofen, Einrichtungen der Abgasanlage).[16] Freigabe der Tätigkeiten im März 2019.[9]

Geplant ist ein Abschluss der Rückbauarbeiten in der VEK bis etwa 2023.[14] Die WAK soll laut Ausgabenplanung des Bundes bis 2032 in mehreren Schritten vollständig abgebaut werden (Stand: 2019)[20]. Der Betreiber plant hingegen nur "bis Ende der 2020er Jahre".[16]

Kosten:

Baukosten VEK: 400 Mio. Euro, die sich Bund und Länder teilten.[18]

2013 wurde von 2,278 Milliarden Euro Gesamtkosten für die Stilllegung und Rückbau der WAK Karlsruhe inklusive Bau, Betrieb und Rückbau der VEK ausgegangen.[10]

April 2015: Der Bundesrechnungshof veröffentlicht einen Bericht, wonach der Finanzbedarf für den Rückbau der WAK (inkl. VEK) auf inzwischen 4,2 Milliarden Euro angestiegen sei.[17]

2016: Gesamtausgaben des Bundes für die Stilllegung der WAK: 1,24 Milliarden Euro.[19]

2019: Gesamtausgaben des Bundes für die Stilllegung der WAK: 1,54 Milliarden Euro. [20]

Die Rücklagen der DWK und des Bundes von je 500 Mio. Euro waren Ende 2005 aufgebraucht. Mit der Stilllegungsvereinbarung von 1991 war die finanzielle Beteiligung der Industrie am Rückbau pauschal abgegolten worden. Darüber hinaus wurde eine weitere pauschalierte Kostenbeteiligung für die Konditionierung und Zwischenlagerung der Abfälle, die der Industrie zugeordnet werden können, sowie die Übernahme der dafür anfallenden Endlagerkosten vereinbart. Alle weiteren Kosten werden vom Bund und dem Land Baden-Württemberg getragen. [11]

(Zum Vergleich: Baukosten für die WAK: ca. 30 Mio. Euro, vom Bund getragen.)

Abfälle

 

Verbringung der Abfälle:

  1. Rückbauabfälle: Einschließlich Rückbau WAK mehr als 21.000 m³ (endkonditioniertes Vorkommen) an schwach- und mitelradioaktiven Abfällen [12]
  2. Zwischenlager Nord: 5 Behälter, 140 Kokillen, gesamt 56 t Abfallglas, CASTOR HAW 20/28 [9]
  1. KTE Betriebsteil Entsorgung: Die weiteren Betriebs- und Abrissabfälle der KTE werden im Betriebsteil Entsorgung ebenfalls auf dem Gelände des KIT Campus Nord gelagert. [13]

Transporte

 
  • zur Anlage

keine

  • von der Anlage

Rohabfälle zu KTE - Betriebsteil Entsorgung

  • Gleisanschluss:

vorhanden

Adressen

 

Betreiber:

Kerntechnische Entsorgung Karlsruhe GmbH (KTE), Hermann-von-Helmholtz-Platz 1, 76344 Eggenstein-Leopoldshafen, Postanschrift: Postfach 1263, 76339 Eggenstein-Leopoldshafen, Tel.: 07247 / 88-0, Fax: 7247 4755,  kontakt(at)kte-karlsruhe.de, www.kte-karlsruhe.de

Behörden:

Ministerium für Umwelt, Klima und Energiewirtschaft Baden-Württemberg, Kernerplatz 9, 70182 Stuttgart, Postfach 103439, 70029 Stuttgart, Tel.:0711 / 126-0, Fax: 0711 / 126-2881, poststelle(at)um.bwl.de, www.um.baden-wuerttemberg.de

LUBW Landesanstalt für Umwelt, Messungen und Naturschutz Baden-Württemberg, Postfach 10 01 63, 76231 Karlsruhe, Tel.: 0721 / 5600-0, Fax: 0721 / 5600-1456, poststelle(at)lubw.bwl.de, www.lubw.baden-wuerttemberg.de

Kritiker*innen:

Anti-Atom-Initiative Karlsruhe, info(at)anti-atom-ini-karlsruhe.de, www.philippsburg-abschalten.de/anti-atom-ini-karlsruhe

A.T.O.M. AG, www.antiatomkarlsruhe.blogsport.de

BUND OV Karlsruhe, Waldhornstraße 25, 76131 Karlsruhe, Tel.: 0721-358582, Fax: 0721-358587, bund.karlsruhe(at)bund.net, karlsruhe.bund.net

 

Quellen

 

[1] kte-karlsruhe.de: Über uns

[2] Deutscher Bundestag: Antwort auf die Kleine Anfrage (Grüne): „Verglasungseinrichtung Karlsruhe und Rückbau der Wiederaufarbeitungsanlage Karlsruhe“, Drucksache 16/12989, 13.05.2009

[3] Landtag Baden-Württemberg: Mitteilung der Landesregierung, Bericht der Landesregierung zu einem Beschluß des Landtags, hier: Errichtung einer Verglasungsanlage zur Entsorgung atomarer Abfälle der Wiederaufarbeitungsanlage Karlsruhe“, Drucksache 12/1697, 26.06.1997

[4] Umweltministerium Baden-Württemberg: „Genehmigung zur nuklearen Inbetriebnahme und zum Betrieb der Verglasungseinrichtung Karlsruhe (VEK) auf dem Gelände der Wiederaufarbeitungsanlage Karlsruhe (WAK) Gemarkung Linkenheim, Landkreis Karlsruhe (2. Teilbetriebsgenehmigung), 24.02.2009

[5] „Karlsruhe wird seinen Atommüll los: Grünes Licht für Verglasungsanlage“ ka-news.de, 25.02.2009

[6] ESK-Stellungnahme: „Verglasungseinrichtung Karlsruhe (VEK), 2. Teilbetriebsgenehmigung“, 17.09.2008

[7] Stellungnahme BUND: „Beim WAK-Rückbau keinen Sicherheitsrabatt geben“, 25.06.2009

[8] bfe.bund.de: Jahresberichte zu meldepflichtigen Ereignissen

[9] um.baden-württemberg: Verglasungseinrichtung

[10] KIT Universität des Landes Baden-Württemberg und nationales Forschungszentrum in der Helmholtz-Gemeinschaft - PTE-S Nr. 27: BMBF-Stilllegungsprojekte und BMBF geförderte FuE zu „Stilllegung/Rückbau kerntechnischer Anlagen“, Berichtszeitraum: 1. Juli - 31. Dezember 2013

[11] Deutscher Bundestag: Antwort auf die Kleine Anfrage (Grüne): „Atommüll – Wiederaufarbeitungsanlage Karlsruhe und Zwischenlager Nord“, Drucksache 17/4702, 07.02.2011

[12] Ministerium für Umwelt, Klima und Energiewirtschaft Baden-Württemberg: Bericht über die Entsorgung von radioaktiven Abfällen und abgebrannten Brennelementen auf Baden-Würtemberg, April 2017

[13] kte.karlsruhe.de: Verglasungseinrichtung Karlsruhe

[14] Stadtwiki Karlsruhe - Kerntechnische Entsorgung Karlsruhe GmbH

[15] Ministerium für Umwelt, Klima und Energiewirtschaft Baden-Württemberg: Tätigkeitsbericht zur Kernenergieüberwachung und zum Strahlenschutz 2017

[16] Ministerium für Umwelt, Klima und Energiewirtschaft Baden-Württemberg: Tätigkeitsbericht zur Kernenergieüberwachung und zum Strahlenschutz 2018

[17] Bericht an den Haushaltsausschuss des Deutschen Bundestages nach § 88 Abs. 2 BHO über die übergreifenden Aspekte der Planung, Steuerung und Kontrolle bei Stilllegung und Rückbau nuklearer Versuchsanlagen (April 2015)

[18] Atommüll bleibt in Karlsruhe FOCUS Magazin | Nr. 37 (1996)

[19] Bundeshaushalt 2016 - Einzelplan 30

[20] Bundeshaushalt 2019 - Einzelplan 30