AKW Rheinsberg

Foto: ewn-gmbh.de

Anlage

 

Name der Anlage:

KKR Kernkraftwerk Rheinsberg

Bundesland:

Brandenburg

Betreiber:

EWN Entsorgungswerk für Nuklearanlagen

Bis Februar 2017 hieß die EWN: Energiewerke Nord GmbH (EWN)

Vor 1990: VE Kombinat Kernkraftwerke Bruno Leuschner

Gesellschafter:

100% Bund (Bundesministerium für Finanzen)

MitarbeiterInnen:

ca. 120-140 + Mitarbeiter aus Fremdfirmen [1]

Reaktortyp:

Druckwasserreaktor, Typ WWER 210

Neben dem Leistungsbetrieb fanden im AKW Forschungsarbeiten sowie Aus- und Weiterbildungsmaßnahmen statt. [2]

Leistung, elektrisch:

70 MW brutto, 62 MW netto

Baubeginn:

01.01.1960

Netzsynchronisation:

06.05.1966

Inbetriebnahme:

Kommerzieller Leistungsbetrieb ab 10.10.1966

Genehmigungs- und Aufsichtsbehörde:

Ministerium für Umwelt, Gesundheit und Verbraucherschutz Brandenburg (MUGV)

Besondere Gefahren:

Der schwerste bekannt gegebene Zwischenfall in Rheinsberg war ein Rohrriss im Kühlkreislauf.

Während des Betriebes kam es zu erheblicher Kontamination von Boden und Grundwasser. [3]

Meldepflichtige Ereignisse:

Seit dem 03.10.1990: 37 (Stand 31.12.2021) [4]

Stilllegung

 

Außerbetriebnahme:

01.06.1990

Genehmigungen:

April 1995: 1. Genehmigung für die Stilllegung und den Teilabbau

Bis 2011 wurden im Rahmen des Rückbaus 37 Genehmigungen erteilt. [5]

Juni 2017: Errichtung und Betrieb einer externen Abluftanlage mit Fortluftüberwachung [6]

Rückbau:

Ursprünglich wollte EWN nur die am stärksten strahlenden Einbauten ausbauen, das Gebäude stehen lassen und erst nach 50 Jahren abbauen. Doch die radioaktive Kontaminiation der Leitungen und der Gebäudehülle ist viel stärker als angenommen, so dass das komplette Gebäude zurück gebaut werden muss. [7]

Ursprüngliche Zeitplanung: Rückbau bis 2009, 2011 hieß es, die wesentlichen Rückbau- und Stilllegungsarbeiten sollten bis 2014 beendet sein. [3] die Gebäudedekontamination bis 2018. Seitdem wurde mit einem Abschluss der Arbeiten 2025 gerechnet. Dann sollten nur noch die Bürogebäude übrig sein, das Verwaltungsgebäude ist denkmalgeschützt.

2017 stellte die EWN fest, dass der Rückbau  länger dauern werde, weil die Radioaktivität "höher ist als erwartet": Lange hätten Fachleute gehofft, sie müssten nur die am stärksten strahlenden Teile ausbauen und könnten das Drumherum dann stehen lassen, bis die radioaktive Strahlung nach 50 Jahren innen so weit nachgelassen hat, dass die Gebäude ohne großes Risiko abgerissen werden könne. Doch die Strahlung ist "viel weiter in Beton und Leitungen gedrungen als erwartet", berichtet Jörg Möller, EWN-Projektleiter für den Rückbau in Rheinsberg, im Juli 2017. "Als die stark strahlenden Anlagen entfernt waren, blieb noch viel Radioaktivität übrig."Ende 2019 hieß es, dass die Pläne für den Abriß bis 2025 nicht einzuhalten seien. [7] Das Ministerium für Soziales, Gesundheit, Integration und Verbraucherschutz des Landes Brandenburg (MSGIV) geht inzwischen von 2035 bis 2040 aus. [5]

Rückbauschritte:

Oktober 1998: Entleerung des Lagers für flüssige und feste radioaktive Abfälle (ALfR) mit dem Abtransport des Inventars in das Endlager Morsleben abgeschlossen. Das Gebäude ALfR war zu DDR-Zeiten als "Endlager" für radioaktive Betriebsabfälle genutzt worden. Ab 2001 konventioneller Abriss der Gebäude. [2]

09.05.2001: Abtransport der letzten Brennelemente ins Zwischenlager Nord.

06.01.2006: Abschluss des Rückbaus des Teil-Abfalllagers für feste radioaktive Abfälle (ALfR) [2]

30.10.2007: Abtransport des Reaktordruckbehälters als Großbauteil ins Zwischenlager Nord. [2]

Juli 2013: Fernbediente Zerlegung von aktivierten und kontaminierten Komponenten des Reaktors in der eigens hierzu errichteten Nasszerlegestation im ehemaligen innerbetrieblichen Brennelementelagerbecken 1 (Abklingbecken 1), sowie die Demontage der Nasszerlegestation abgeschlossen.

Ein neues Lüftungssystem für die Be- und Entlüftung wurde genehmigt, eine neue "Kommandozentrale" soll folgen, weil die alte Blockwarte ausgedient habe. [7]

Oft sei unklar, wo genau Rohre eigentlich verlaufen, heißt es 2018 im Magazin "Einblicke" der Bundesgesellschaft für Endlagerung (BGE). Denn es gebe zwar Konstruktionspläne – aber immer wieder hätten Bauarbeiter "improvisiert", als sie die Anlage vor mehr als 50 Jahren errichtet haben, "sodass Rohre und Leitungen in der Realität anders verlaufen als auf dem Papier eingezeichnet." Die Strahlung stecke "oft auch in den Wänden selbst oder ist mit belasteter Flüssigkeit unter Bodenwannen gesickert. So müssen die Arbeiter nun Quadratmeter für Quadratmeter messen." [8]

2019: Um die Freisetzung von belasteten Staub beim Rückbau zu verhindern, sei "durchaus denkbar, dass das Reaktorgebäude komplett von einer riesigen Halle umschlossen werden muss", hieß es Ende 2019 von Seiten der EWN. Der Zeitplan für den Rückbau wurde erneut korrigiert. [9]

2020: Letzten Arbeiten zur Beseitigung von Hot-Spots im Restbetriebssystem Spezial-Kanalisation. Mittels "Shaver" werden im Kontrollbereich Wandbeschichtungen abgetragen oder mittels Bagger kontaminierte Betonstrukturen entfernt. Ziel ist die Freimessung und der Gebäudeabbruch. [2]

2021: Abschluss des Abbaus der Heißen Zelle [2]

Der Abrißß des Teil-Abfalllagers für flüssige radioaktive Abfälle dauert an. [2] Unter einer extra errichteten Halle wird weiterhin das ehemalige ALfR "langsam abgerissen und seinerseits in Lagerbehälter verpackt". [8]

Kosten:

Die veranschlagten Kosten haben sich laut BGE mehr als verdoppelt: Inzwischen rechnet EWN mit circa einer Milliarde Euro Gesamtkosten, inklusive des Rückbaus des Endlagers auf dem Gelände. [9]

100% der Kosten stammen aus dem Bundeshaushalt.

Das Ministerium für Soziales, Gesundheit, Integration und Verbraucherschutz des Landes Brandenburg (MSGIV) nennt hingegen 400 Mio. Euro, die für die Stilllegung und den Rückbau des KKR bislang veranschlagt seien. [6]

Bis Ende 2010 sind bereits 479 Mio. € ausgegeben worden. [4]

Abfälle

 

Brennelemente:

Insgesamt sind 109 t SM angefallen [10]

Zum Zeitpunkt der Abschaltung befanden sich 29 t SM im Lager und 20 t SM im Zwischenlager für abgebrannte Brennelemente (ZAB) in Greifswald.

Rückbauabfälle:

Gesamtmasse: 342.000 t , davon sind 63.000 t mit radioaktiven Stoffen belastet. [11]

Unterirdisches Abfalllager:

In etwa 8 m Tiefe war ein unterirdisches Lager für feste und flüssige hochradioaktive Abfälle in Betonkammern und Abfallbehältern (ALfR). Die Dokumentation der Abfälle war sehr lückenhaft. Sie mussten untersucht und neu konditioniert werden.

Abfälle am Standort (Stand 31.12.2019): [12]

Genehmigung nach §7 AtG ausschließlich zur Pufferlagerung.

Rohabfälle und vorbehandelte Abfälle:

  • Feste Abfälle, anorganisch: 212,0 Mg
  • Flüssige Abfälle, organisch: 0,5 Mg
  • Mischabfälle: 65,0 Mg

Konditionierte Abfälle:

  • 570-l-Fässer: 1 (<1 m³)

Abfälle in Endlagergebinden:

  • Betonbehälter Typ I: 19 (23 m³)
  • Betonbehälter Typ II: 6 (8 m³)

Verbringung von Abfällen:

  1. UdSSR: 60 t SM bestrahlte Brennelemente, unbestrahlte Brennelemente [5]
  2. USA: 74 unbestrahlte Brennelemente verkauft [11]
  3. Morsleben:
  • Bis 1991: 1.352 m³ und 2 Strahlenquellen [13]
  • Ab 1994: 2.528 m³ [14]
  1. Zwischenlager Nord:
  • 6 Behälter mit Brennelementen CASTOR® 440/84
  • der unzerlegte Reaktordruckbehälter
  • 18,1 t  kontaminiertes Erdreich
  • Aktivierte Reaktoreinbauten als zerlegte Bauteile in 122 Mosaikbehältern (61 Straßentransporte).
  1. Bauschuttdeponie Deetz: Deponierung 687 t  [15]
  2. Deponie und Sonderabfallverbrennungsnalage Schöneiche: Deponierung 5.692 t, Verbennung 51 t [15]
  3. Sonderabfallverbrennungsanlage PCK Schwedt: Verbrennung 19 t [15]
  4. Siedlungsabfalldeponie Krangen (Lkr. Ostprignitz-Ruppin): Deponierung 165 t [15]
  5. Verfüllung von Baugruben am AKW Standort: 23.123 t [15]
  6. Weitere Entsorger: Lepkojus Berlin, Passon Neuruppin, AWU Neuruppin, Bunk Recycling Werder, GBAV Berlin: Deponierung zusammen 5.136 t [15]

Transporte

 

von der Anlage:

Radioaktive Rohabfälle, konditionierte radioaktive Abfälle

Gleisanschluss:

Vorhanden

Adressen:

 

Betreiber:

Entsorgungswerk für Nuklearanlagen (EWN)
Betriebsteil Rheinsberg
Am Nehmitzsee 1, 16831 Rheinsberg
Tel.: 033931 57-201, Fax: 033931 2367
info-kkr@ewn-gmbh.de, www.ewn-gmbh.de

Behörden:

Ministerium für Ländliche Entwicklung, Umwelt und Landwirtschaft
Postfach 60 11 50, 14411 Potsdam
www.mlul.brandenburg.de

Quellen

[1] "Rückbau von AKW Rheinsberg - Deutschlands ältester Reaktor", faz.de, 04.05.2016

[2] EWN Entworgungswerk für Nuklearanlagen: Kernkraftwerk Rheinsberg: Geschichte, Stilllegung und Rückbau, Stand 10-2021

[3] wikipedia.org: Kernkraftwerk_Rheinsberg (abgerufen am 09.06.2020)

[4] base.bund.de: Kernkraftwerke in Deutschland: Meldepflichtige Ereignisse seit Inbetriebnahme

[5] Deutscher Bundestag: Antwort der Bundesregierung auf die Kleine Anfrage der Abgeordneten Sylvia Kotting-Uhl, Cornelia Behn, Sven_Christian Kindler, weiterer Abgeordneter und der Fraktion Bündnis 90 / Die Grünen: „Atomkraftwerk Rheinsberg – Rückbau und atomare Abfälle“ Drucksache 17/7607, 03.11.2011

[6] Ministerium für Soziales, Gesundheit, Integration und Verbraucherschutz des Landes Brandenburg (MSGIV): Kernkraftwerk Rheinsberg

[7] Kernkraftwerk Rheinsberg ist ein Sonderfall, maz-online.de, 27.07.2017

[8] BGE-Einblicke: Vom Verschwinden des ersten Atomkraftwerks der DDR, 3.12.2018

[9] moz.de - Rückbau des Kernkraftwerkes dauert länger, 3.12.2019

[10] Deutscher Bundestag: Antwort der Bundesregierung auf die Große Anfrage der Abgeordneten Dr. Dagmar Enkelmann und der Gruppe PDS/Linke Liste: „Entsorgungssituation der bundesdeutschen Atomanlagen“ Drucksache 12/5900, 14.10.1993

[11] EWN: Rückbau des Kernkraftwerks Rheinsberg, abgerufen 22.06.2017

[12] Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit: „Verzeichnis radioaktiver Abfälle – Bestand zum 31. Dezember 2019 und Prognose“, Januar 2021

[13] Deutscher Bundestag: Antwort auf die Kleine Anfrage (Grüne): „Endlager Morsleben – bis 1991 eingelagerte Abfälle“ Drucksache 17/1387, 14.04.2010

[14] Deutscher Bundestag: Antwort auf die schriftliche Anfrage der Abgeordneten Lötzer, Drucksache 17/14270, 28.06.2013, S. 62 ff.

[15] BBU: Deponietabelle, Stand September 2018