AKW Rheinsberg

Foto: ewn-gmbh.de

Anlage

 

Name der Anlage:

KKR Kernkraftwerk Rheinsberg

Bundesland:

Brandenburg

Betreiber:

Energiewerke Nord GmbH (EWN)

Vor 1990: VE Kombinat Kernkraftwerke Bruno Leuschner

Gesellschafter:

100% Bund

MitarbeiterInnen:

ca. 120-140 + Mitarbeiter aus Fremdfirmen [1]

Reaktortyp:

Druckwasserreaktor, Typ WWER 210

Leistung, elektrisch:

70 MW brutto, 62 MW netto

Baubeginn:

01.01.1960

Inbetriebnahme:

Kommerzieller Leistungsbetrieb ab 10.10.1966

Genehmigungs- und Aufsichtsbehörde:

Ministerium für Umwelt, Gesundheit und Verbraucherschutz Brandenburg (MUGV)

Umgebungs-
überwachung:

Landesamt für Umwelt, Gesundheit und Verbraucherschutz (LUGV)

Unabhängige Messstelle:
Landeslabor Berlin-Brandenburg (LLBB)

Besondere Gefahren:

Der schwerste bekannt gegebene Zwischenfall in Rheinsberg war ein Rohrriss im Kühlkreislauf.

Während des Betriebes kam es zu erheblicher Kontamination von Boden und Grundwasser. [2]

Meldepflichtige Ereignisse:

Seit dem 03.10.1990: 37 (Stand 30.04.2020) [3]

Stilllegung

 

Außerbetriebnahme:

01.06.1990

Genehmigungen:

April 1995: 1. Genehmigung für die Stilllegung und den Teilabbau

Bis 2011 wurden im Rahmen des Rückbaus 37 Genehmigungen erteilt. [4]

Juni 2017: Errichtung und Betrieb einer externen Abluftanlage mit Fortluftüberwachung [3a]

Rückbau:

Ursprünglich geplant bis 2009. 2011 hieß es, die wesentlichen Rückbau- und Stilllegungsarbeiten sollten bis 2014 beendet sein. [2] 2017 beliefen sich die Planungen auf die Demontage der nuklearen Teile bis 2014, Gebäudedekontamination bis 2018. Seitdem wurde mit einem Abschluss der Arbeiten 2025 gerechnet. Dann sollten nur noch die Bürogebäude übrig sein, das Verwaltungsgebäude ist denkmalgeschützt. [4a] Ende 2019 hieß es, dass die Pläne für den Abriß bis 2025 nicht einzuhalten seien. [4c]

Oktober 1998: Entleerung des Lagers für flüssige und feste radioaktive Abfälle (ALfR) mit dem Abtransport des Inventars in das Endlager Mordleben abgeschlossen. Das Gebäude ALfR war zu DDR-Zeiten als "Endlager" für radioaktive Betriebsabfälle genutzt worden. Ab 2001 konventioneller Abriss der Gebäude.  [6]

09.05.2001: Abtransport der letzten Brennelemente ins Zwischenlager Nord.

30.10.2007: Transport des Reaktordruckbehälters als Großbauteil ins Zwischenlager Nord.

Oktober 2011: Rückbau der Heißen Zelle, Rückbau des Lagers für feste radioaktive Rückstände (ALfR-fest) abgeschlossen. [4]

Juli 2013: Fernbediente Zerlegung von aktivierten und kontaminierten Komponenten des Reaktors in der eigens hierzu errichteten Nasszerlegestation im ehemaligen innerbetrieblichen Brennelementelagerbecken 1 (Abklingbecken 1), sowie die Demontage der Nasszerlegestation abgeschlossen.

2016: EWN plante, das Hauptgebäude 50 Jahre stehen zu lassen und danach aus dem Atomgesetz zu entlassen. [4] Nach damaligen Planungen sollte das Gebäude ab 2020 abgerissen sein. [1]

2017: Der Rückbau werde länger dauern, weil die Radioaktivität "höher ist als erwartet": Lange hätten Fachleute gehofft, sie müssten nur die am stärksten strahlenden Teile ausbauen und könnten das Drumherum dann stehen lassen, bis die radioaktive Strahlung nach 50 Jahren innen so weit nachgelassen hat, dass die Gebäude ohne großes Risiko abgerissen werden könne. Doch die Strahlung ist "viel weiter in Beton und Leitungen gedrungen als erwartet", berichtet Jörg Möller, EWN-Projektleiter für den Rückbau in Rheinsberg, im Juli 2017. "Als die stark strahlenden Anlagen entfernt waren, blieb noch viel Radioaktivität übrig."

Ein neues Lüftungssystem für die Be- und Entlüftung wurde genehmigt, eine neue "Kommandozentrale" soll folgen, weil die alte Blockwarte ausgedient habe. [4a]

Oft sei unklar, wo genau Rohre eigentlich verlaufen, heißt es 2018 im Magazin "Einblicke" der Bundesgesellschaft für Endlagerung (BGE). Denn es gebe zwar Konstruktionspläne – aber immer wieder hätten Bauarbeiter "improvisiert", als sie die Anlage vor mehr als 50 Jahren errichtet haben, "sodass Rohre und Leitungen in der Realität anders verlaufen als auf dem Papier eingezeichnet." Die Strahlung stecke "oft auch in den Wänden selbst oder ist mit belasteter Flüssigkeit unter Bodenwannen gesickert. So müssen die Arbeiter nun Quadratmeter für Quadratmeter messen." [4b]

Unter einer extra errichteten Halle wird weiterhin das ehemalige ALfR "langsam abgerissen und seinerseits in Lagerbehälter verpackt". [4b]

2019: Um die Freisetzung von belasteten Staub beim Rückbau zu verhindern, sei "durchaus denkbar, dass das Reaktorgebäude komplett von einer riesigen Halle umschlossen werden muss", hieß es Ende 2019 von Seiten der EWN. Der Zeitplan für den Rückbau wurde erneut korrigiert. [4c]

2020: Letzten Arbeiten zur Beseitigung von Hot-Spots im Restbetriebssystem Spezial-Kanalisation. Mittels "Shaver" werden im Kontrollbereich Wandbeschichtungen abgetragen oder mittels Bagger kontaminierte Betonstrukturen entfernt. Ziel ist die Freimessung und der Gebäudeabbruch. [6]

Kosten:

Die veranschlagten Kosten haben sich laut BGE mehr als verdoppelt: Inzwischen rechnet EWN mit circa einer Milliarde Euro Gesamtkosten, inklusive des Rückbaus des Endlagers auf dem Gelände. [4b]

100% der Kosten stammen aus dem Bundeshaushalt.

Das Ministerium für Soziales, Gesundheit, Integration und Verbraucherschutz des Landes Brandenburg (MSGIV) nennt hingegen 400 Mio. Euro, die für die Stilllegung und den Rückbau des KKR bislang veranschlagt seien. [3a]

Bis Ende 2010 sind bereits 479 Mio. € ausgegeben worden. [4]

Abfälle

 

Brennelemente:

Insgesamt sind 109 t SM angefallen [5]

Zum Zeitpunkt der Abschaltung befanden sich 29 t SM im Lager und 20 t SM im Zwischenlager für abgebrannte Brennelemente (ZAB) in Greifswald.

Prognostiziertes Abfallvolumen:

342.000 t Reststoffe, davon wird der größte Teil freigegeben. [6]

Unterirdisches Abfalllager:

In etwa 8 m Tiefe war ein unterirdisches Lager für feste und flüssige hochradioaktive Abfälle in Betonkammern und Abfallbehältern (ALfR). Die Dokumentation der Abfälle war sehr lückenhaft. Sie mussten untersucht und neu konditioniert werden.

Abfälle am Standort (Stand 31.12.2017): [7]

Genehmigung nach §7 AtG ausschließlich zur Pufferlagerung. Tatsächlich lagern große Mengen radioaktiver Abfälle vor Ort.

Rohabfälle und vorbehandelte Abfälle:

  • Feste Abfälle, anorganisch: 66,0 Mg
  • Flüssige Abfälle, organisch: 0,5 Mg
  • Mischabfälle: 50,0 Mg

Konditionierte Abfälle:

  • 570-l-Fässer: 1 (1 m³)
  • Gussbehälter Typ II: 1 (1 m³)

Abfälle in Endlagergebinden:

  • Betonbehälter Typ I: 19 (23 m³)
  • Betonbehälter Typ II: 6 (8 m³)

Verbringung von Abfällen:

  1. UdSSR: 60 t SM bestrahlte Brennelemente, unbestrahlte Brennelemente [5]
  2. USA: 74 unbestrahlte Brennelemente verkauft [6]
  3. Morsleben:
  • Bis 1991: 1.352 m³ und 2 Strahlenquellen [8]
  • Ab 1994: 2.528 m³ [9]

  1. Zwischenlager Nord:
  • 6 Behälter mit Brennelementen CASTOR® 440/84
  • der unzerlegte Reaktordruckbehälter
  • 18,1 t  kontaminiertes Erdreich [4]
  • Aktivierte Reaktoreinbauten als zerlegte Bauteile in 122 Mosaikbehältern (61 Straßentransporte). [6]

  1. Deponie Deetz: 247,5 t Erdmassen [4]
  2. Deponie Schöneiche: 400,7 t Erdmassen [4]

Transporte von der Anlage:

Radioaktive Rohabfälle, konditionierte radioaktive Abfälle

Gleisanschluss:

Vorhanden

Adressen:

Betreiber:

Entsorgungswerk für Nuklearanlagen (EWN), Betriebsteil Rheinsberg, Am Nehmitzsee 1, 16831 Rheinsberg, Tel.: 033931 / 57-201, F33931 / 2367, info-kkr@ewn-gmbh.de, www.ewn-gmbh.de

Behörden:

Ministerium für Ländliche Entwicklung, Umwelt und Landwirtschaft, Postfach 60 11 50, 14411 Potsdam, www.mlul.brandenburg.de

Quellen

[1] "Rückbau von AKW Rheinsberg - Deutschlands ältester Reaktor", faz.de, 04.05.2016

[2] wikipedia.org: Kernkraftwerk_Rheinsberg (abgerufen am 09.06.2020)

[3] base.bund.de: Kernkraftwerke in Deutschland: Meldepflichtige Ereignisse seit Inbetriebnahme

[3a] Ministerium für Soziales, Gesundheit, Integration und Verbraucherschutz des Landes Brandenburg (MSGIV): Kernkraftwerk Rheinsberg

[4] Deutscher Bundestag: Antwort auf die Kleine Anfrage (Grüne): „Atomkraftwerk Rheinsberg – Rückbau und atomare Abfälle“ Drucksache 17/7607, 03.11.2011

[4a] Kernkraftwerk Rheinsberg ist ein Sonderfall, maz-online.de, 27.07.2017

[4b] BGE-Einblicke: Vom Verschwinden des ersten Atomkraftwerks der DDR, 3.12.2018

[4c] moz.de - Rückbau des Kernkraftwerkes dauert länger, 3.12.2019

[5] Deutscher Bundestag: Antwort auf die Große Anfrage (PDS/Linke Liste): „Entsorgungssituation der bundesdeutschen Atomanlagen“ Drucksache 12/5900, 14.10.1993

[6] ewn-gmbh.de: Rückbau des Kernkraftwerkes Rheinsberg

[7] Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit: „Verzeichnis radioaktiver Abfälle – Bestand zum 31. Dezember 2017 und Prognose“, August 2018

[8] Deutscher Bundestag: Antwort auf die Kleine Anfrage (Grüne): „Endlager Morsleben – bis 1991 eingelagerte Abfälle“ Drucksache 17/1387, 14.04.2010

[9] Deutscher Bundestag: Antwort auf die schriftliche Anfrage der Abgeordneten Lötzer, Drucksache 17/14270, 28.06.2013, S. 62 ff.