Fachtagungen
SMR: Kleine Reaktoren, große Fragen
Fachtagung Atommüllreport 2026:
Kleine Reaktoren, große Fragen: Was steckt wirklich hinter SMR?
20. November 2026 | 11:00–16:30 Uhr | Hannover, Pavillon am Raschplatz
Politische, sicherheitstechnische und energiepolitische Folgen der SMR-Debatte zwischen Versprechen, Interessen und Risiken
Die Europäische Union hat im März 2026 eine eigene Strategie zu Small Modular Reactors (SMR) vorgelegt und markiert damit eine politische Verschiebung hin zu einer stärkeren Reaktivierung und industriepolitischen Absicherung der Atomenergie. Im Mittelpunkt stehen dabei drei Stränge: Leichtwasser-SMR, sogenannte Advanced Modular Reactors (AMR) mit unterschiedlichen Kühl- und Brennstoffkonzepten sowie Mikroreaktoren für sehr kleine Leistungsbereiche und potenziell dezentrale Anwendungen.
Auch in Deutschland gewinnt die Debatte über eine mögliche Renaissance der Atomenergie in Teilen der Politik wieder an Sichtbarkeit – insbesondere in Unionskreisen wird SMR zunehmend als politisches Argument gegen eine konsequent auf erneuerbare Energien ausgerichtete Energiepolitik genutzt und zur Offenhaltung atomarer Optionen herangezogen.
SMR werden häufig mit der Erwartung verbunden, durch Modularisierung, Standardisierung und mögliche Serienfertigung wirtschaftliche und sicherheitstechnische Vorteile zu erreichen. Fachlich ist jedoch seit langem klar, dass eine industrielle „Fließbandproduktion“ solcher Reaktoren mit Anforderungen an nukleare Sicherheit, Zulassung, Qualitätssicherung und internationale Kontrolle nicht vereinbar ist. SMR bleiben damit auch in modularer Bauweise komplexe Einzelanlagen ohne Standardisierung im Sinne industrieller Massenfertigung.
Vor diesem Hintergrund stellt sich weniger die Frage nach ihrer technischen Reife, sondern warum SMR dennoch politisch und industriepolitisch als Zukunftsoption etabliert werden – und welche energiepolitischen Interessen und strukturellen Dynamiken dahinterstehen.
Die Fachtagung Atommüllreport 2026 nimmt diese Entwicklungen in den Blick. Sie analysiert die SMR-Strategie der EU ebenso wie die energiepolitischen Debatten in Deutschland und ordnet die unterschiedlichen Reaktorkonzepte – von Leichtwasser-SMR über AMR bis hin zu Mikroreaktoren – technisch und regulatorisch ein.
Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf den Konsequenzen für Atommüll, Sicherheit und Kontrolle. Auch kleinere Reaktoren erzeugen hochradioaktive Abfälle; eine mögliche Ausweitung der Reaktoranzahl würde neue Abfallströme, zusätzliche Standorte und komplexere Transport- und Zwischenlagerketten erzeugen. Damit würden sich auch die Anforderungen an Endlagerung, Sicherung und internationale Kontrolle erheblich verschärfen.
Gleichzeitig wird die energiepolitische Dimension der SMR-Debatte in ihren politischen und strukturellen Zusammenhängen betrachtet: Welche Rolle spielt SMR in der EU-Strategie als industrie- und finanzpolitisches Förderfeld? Welche Akteure und Interessen prägen die Debatte – und welche Rolle spielen öffentliche Finanzierungsinstrumente, Garantien und industriepolitische Absicherungen? Welche Folgen hat dies für die Energiewende, Investitionsprioritäten sowie für Fragen realer Energieabhängigkeit und Energiesouveränität?
Die Fachtagung richtet sich an alle, die die aktuellen atompolitischen Entwicklungen einordnen und die dahinterliegenden energie- und industriepolitischen Dynamiken besser verstehen wollen – von Entscheidungs- und Finanzierungsstrukturen über industriepolitische Weichenstellungen bis hin zu langfristigen Folgen für Umwelt, Sicherheit und Atommüllpolitik.
Das Programm sowie die Referent*innen werden in den kommenden Monaten veröffentlicht.
Anmeldung per Mail an info@atommuellreport.de
NUKLEARER FALLOUT
Fachtagung: Ökologische, ökonomische und soziale Auswirkungen des zivil-militärischen Atomkomplexes
Deutschland hat vor 50 Jahren - wie fast alle Staaten - den Atomwaffensperrvertrag unterzeichnet. Eine Unterzeichnung des Atomwaffenverbotsvertrags, der im letzten Jahre in Kraft getreten ist, lehnt die Bundesregierung jedoch ab. Ziel des Atomwaffenverbotsvertrages, den bisher 90 Staaten unterzeichnet haben, ist eine gänzliche Abschaffung aller Atomwaffen. Stattdessen hält die Bundesregierung explizit an der „nuklearen Teilhabe“, der direkten Beteiligung Deutschlands bei einem Einsatz von Atomwaffen fest.
Die zivile und die militärische Nutzung der Atomenergie sind zwei Seiten derselben Medaille. Der französische Präsident Macron sagte bei seinem Besuch in der Atomschmiede Le Creusot im Jahr 2020: „Ohne zivile Atomenergie gibt es keine militärische Nutzung der Technologie – und ohne die militärische Nutzung gibt es auch keine zivile Atomenergie.“ Der Atommüllreport will mit dieser Fachtagung die Zusammenhänge vertiefend betrachten und die sozialen Auswirkungen v.a. auf den globalen Süden thematisieren. In einer postkolonialen Welt entzieht sich die Kontamination der natürlichen Lebensgrundlagen durch Uranförderung oder Atomwaffentests allzu oft unserer Wahrnehmung und wird als hinzunehmender Kollateralschaden ignoriert. Nicht zuletzt stellt sich die Frage nach dem Umgang mit dem bei der Abrüstung von Atomwaffen entstehenden Atommüll.
Am 25. Oktober 2024 führte der Atommüllreport dazu eine gut besuchte Fachtagung durch.
KEYNOTE – NUKLEARER FALLOUT: DER ATOMAUSSTIEG IST NUR MIT EINEM ATOMWAFFENVERBOT MÖGLICH
von Dr. med. Angelika Claussen, Co-Vorsitzende der IPPNW Deutschland und Präsidentin der IPPNW Europa
DIE DUALITÄT VON ZIVILER UND MILITÄRISCHER NUTZUNG DER ATOMKRAFT
von Dr. Christoph Pistner, Physiker, Öko-Institut
DIE DUALITÄT VON ZIVILER UND MILITÄRISCHER NUTZUNG DER ATOMKRAFT - ÖKONOMISCHE PERSPEKTIVE
von Prof. Dr. Wolfgang Irrek, Ökonom, Institut Energiesysteme und Energiewirtschaft Hochschule Ruhr West
ABRÜSTUNG UND ATOMMÜLL
von Dr. Sophie Kretzschmar, Physikerin RWTH Aachen, Nuclear Verification and Disarmament Group)
ONTOLOGIE DES NUKLEAREN – KONTAMINATION, MÜLL, WERTSTOFF
von Juliane Hauschulz, Politologin, Campaignerin für nukleare Abrüstung, IPPNW und ICAN und Patrick Schukalla, Geograph, Fachreferent für Atomausstieg, Energiewende und Klima, IPPNW