Forschungsreaktor Garching FRM II

Foto: Mario Schmalfuß

Anlage

Name:

FRM II – Forschungsreaktor München II

Bundesland:

Bayern

Betreiber:

TU München

Eigentümer:

Freistaat Bayern

Forschungsverbund:

Seit dem 1. Januar 2011 betreiben die TU München und die Helmholtz-Zentren Jülich, Geesthacht und Berlin die Experimentiereinrichtungen am FRM II zusammen mit weiteren 16 Partnern von deutschen Universitäten und der Max-Planck-Gesellschaft. [1]

Reaktortyp: Schwimmbad

Leistung, thermisch:

20 MW

Zweck:

Vor allem Grundlagenforschung in Physik, Chemie, Biologie und Materialwissenschaften

Baubeginn:

01.08.1996

Inbetriebnahme:

02.03.2004

Brennelemente:

1 Kompaktbrennelement mit 8,1 kg hoch angereichertem Uran (HEU), das nach einem Lebenszyklus von 60 Tagen gewechselt werden muss. Insgesamt kommen 4 Brennelemente im Jahr und damit 32,4 kg HEU zum Einsatz.

Die Brennelemente werden von der Fa. Compagnie pour l'Etude et la Réalisation de Combustibles Atomiques CERCA (AREVA-Gruppe) in Romans (F) hergestellt. Das HEU stammt aus den USA und Russland. [2]

März 2019 bis Mitte Januar 2020: Der FRM II steht still, weil die französischen Behörden die Fahrt eines deutschen Speziallasters zur Abholung des waffenfähigen Urans durch Frankreich untersagen. [3][4]

Im Dezember 2019 werden 4 Brennelemente geliefert, "grenznah" habe es eine "Umladung" von einem französischen in einen deutschen LKW gegeben. [5]

Genehmigungs- und Aufsichtsbehörde:

Bayerisches Staatsministerium für Umwelt und Verbraucherschutz (StMUV)

Umgebungs-
überwachung:

Bayerisches Landesamt für Umwelt (LfU)

Unabhängige Messstelle:

  • Helmholtz-Zentrum München - Deutsches Forschungszentrum für Gesundheit und Umwelt (HMGU) [6]

Kosten:

Bau 400 Mio. €, jährliche Betriebskosten 20 Mio. € (Freistaat Bayern) [7]

Die Gesamtkosten für die bis 2015 beschafften Brennelemente betrugen 39,5 Mio. €, für Entwicklung und Herstellung der Behälter wird mit ca. 23,7 Mio. € und für die Zwischenlagerung bis Ende 2036 mit ca. 5,6 Mio. € gerechnet. [8]

Besondere Gefahren:

Verwendung von waffenfähigem hoch angereichertem Uran:

Der Einsatz des hoch angereicherten, waffenfähigen Urans widerspricht dem bereits bei der Genehmigung des FRM II laufenden internationalen Programm zur Umstellung von Forschungsreaktoren auf nieder angereichertes Uran. Sowohl in der Genehmigung, als auch in einer Vereinbarung zwischen dem Bund und dem Land Bayern vom 30.05.2003 wurde die Umstellung auf eine Urananreicherung unter 50 % Uran235 bis 2010 festgelegt. Am 22.10.2010 wurde diese Frist bis zum 31.12.2018 verlängert. Auch diese Frist ist verstrichen. [2]

Anhaltende Korrosionsprobleme: Nach Auskunft der Bayerischen Aufsichtsbehörde handelt es sich "um Ablagerungen und keinen korrosiven Angriff". Diese seien nicht sicherheitsrelevant. [2]

Meldepflichtige Ereignisse:

21 (Stand 30.11.2019) [9]

Stilllegung

 

Befristung:

Keine Befristung, der Betrieb soll noch mehrere Jahrzehnte, mindestens bis 2045 weiter gehen. [5]

Abfälle

 

Brennelemente:

Eine Abreicherung des hochangereicherten Urans in den abgebrannten Brennelementen ist nicht vorgesehen. [8]

Im Normalfall fallen pro Jahr bis zu vier bestrahlte Brennelemente an. [10]

Absetzbecken:

Das Absetzbecken verfügt über 50 Lagerpositionen für abgebrannte Brennelemente. Abklingzeit mindestens 6,5 Jahre. Nach Prognosen in 2015 wäre das Becken im Jahr 2018 voll. [10]

Stand 31.12.2017: Im Absetzbecken des FRM II lagern 43 abgebrannte Brennelemente (299,3 kg hochangereichertes Uran). [11]

19 Brennelemente haben den Zielabbrand von 1.200 MWd/t Uran erreicht, 13 Brennelemente den Abbrand von 1.040 MWd/t Uran oder darüber. 17 Brennelemente haben die erforderliche Mindestabklingzeit, die einen Transport erlauben würde. (Stand 12.05.2015, von den restlichen 4 BE gibt es keine Zahlen). [8]

Betriebsabfälle:

V.a. aktivierter Metallschrott. Pro Jahr fallen im Durchschnitt ca. 300 kg Stahl und Schwermetalle und 340 kg Aluminium und Leichtmetalle an. Reststoffe, z. B. Regelstäbe, werden unter Wasser zerlegt sowie in einer Heißen Zelle zerkleinert. Ionenaustauscher-Harze aus der Reinigung von Leicht- und Schwerwasser werden im Austragbehälter, bzw. Mischbettfilter getrocknet und in Fässern verpackt. Das zu entsorgende Schwerwasser wird zur externen Aufbereitung abgegeben, die eine vollständige Wiederverwertung als Schwerwasser, bzw. Tritium für den Bedarf in der Forschung ermöglicht. [12]

Zwischenlager für Betriebsabfälle (Stand 31.12.2017):

Genehmigung nach §7 AtG, Volumen 100 m³ Lager 1 für unbehandelte Abfälle, Lager 2 für konditionierte Abfälle

Rohabfälle und vorbehandelte Abfälle [11]

  • Feste Abfälle, anorganisch: 20,6 t
  • Feste Abfälle, organisch: 5,9 t
  • Flüssige Abfälle, anorganisch: 4,3 t
  • Mischabfälle: 0,2 t

Konditionierte Abfälle

  • 200-l-Fässer: 4 (1 m³)

Verbringung der Abfälle:

  1. TBL Ahaus: Mit dem Betreiber des TBL Ahaus wurde ein Vertrag abgeschlossen, die FRM II-Brennelemente dort einzulagern. Die Aufbewahrung der Brennelemente soll in ca. 21 Behältern der neuen Behälterbauart CASTOR MTR3 im Lagerbereich II des TBL Ahaus erfolgen.
    30.09.2014: Wiederaufnahme des atomrechtlichen Genehmigungsverfahrens, Beantragung der Änderungsgenehmigung für die Einlagerung der FRM II-Brennelemente im TBL Ahaus. [13] Bis zum Ende der Genehmigung von Ahaus am 31.12.2036 können ca. 21 Transporte mit jeweils 5 Brennelementen pro Behälter nach Ahaus verbracht werden. [8]
    CASTOR MTR3-Behälter: Die Behälter der Gesellschaft für Nuklearservice (GNS) haben am 17.01.2019 ihr verkehrsrechtliche Zulassung erhalten. [14]
  2. Jülich: Betriebsabfälle zur Verbrennung

Transporte

 

  • nach Garching

Unbestrahlte Brennelemente, Schwerwasser in 200-l-Fässern, konditionierte Betriebsabfälle

  • von Garching

Bestrahlte Brennelemente, schwach- und mittelradioaktive Abfälle zur Konditionierung und externen Lagerung

Adressen

Betreiber: Technische Universität München ZWE FRM II, Lichtenbergstr. 1, 85747 Garching, Tel.: 089/289-14965, Fax: 089/289-14995, mlz(at)mlz-garchings.de, www.mlz-garching.de

Behörden:

Bayerisches Staatsministerium für Umwelt und Verbraucherschutz (StMUV), Rosenavalierplatz 2, 81925 München, Postanschrift: Postfach 810140, 81901 München, Tel.: 089 / 9124-00, Fax: 089 / 9124-2266, poststelle(at)stmuv.byern.de, www.stmuv.bayern.de

Bayerisches Landesamt für Umwelt (LfU), Bürgermeister-Ulrich-Straße 160, 86179 Augsburg, Postanschrift: 86177 Augsburg, Tel.: 0821 / 9071-0, Fax: 0821 / 9071-5556, poststelle(at)lfu.bayern.de, www.lfu.bayern.de

KritikerInnen:

Bürger gegen Atomreaktor Garching e. V., Danziger Straße 19, 85748 Garching, Tel. 089/3203021, Fax 089/3262344, buerger-gegen-atomreaktor(at)frm2.de, www.frm2.de

Umweltinstitut München e.V., Landwehrstr. 64 a, 80336 München, Tel.: 089/30 77 49-0, Fax: 089/30 77 49-20, info@umweltinstitut.org, www.umweltinstitut.org

Quellen

[1] Hans-Meier-Leibniz Zentrum: Beteiligte Institute

[2] Deutscher Bundestag: Antwort auf die Kleine Anfrage (Grüne): „Forschungsreaktor München II“ Drucksache 18/7133, 21.12.2015

[3] "Frankreich stellt sich bei Uran-Beschaffung quer", sueddeutsche.de, Michael Bauchmüller, 13.06.2019

[4] br.de: Kein Uran aus Frankreich: Reaktor Garching steht weiter still, 03.10.2019

[5] Süddeutsche: Forschungsreaktor läuft wieder: Brennelemente umgeladen, 15.01.2020

[6] Bayerisches Landesamt für Umwelt: Welche Anlagen werden überwacht?

[7] Deutscher Bundestag: Antwort auf die Kleine Anfrage (Grüne): „Forschungs- und Versuchsreaktoren in Deutschland“ Drucksache 17/2988, 17.09.2010

[8] Bayerischer Landtag, Antwort auf die schriftliche Anfrage (Freie Wähler): „Abgebrannte Brennelemente des Forschungsreaktors FRM II“ Drucksache 17/7172, 17.06.2015

[9] base.bund.de: Forschungsreaktoren in Deutschland: Meldepflichtige Ereignisse seit Inbetriebnahme

[10] "Bericht des BMUB zur Entsorgung bestrahlter Brennelemente aus Forschungs-, Versuchs- und Demonstrationsreaktoren", vorgelegt in der 9. Sitzung der Arbeitsgruppe 2 am 7. September 2015 der Kommission Lagerung hoch radioaktiver Abfallstoffe

[11] Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit: „Verzeichnis radioaktiver Abfälle – Bestand zum 31. Dezember 2017 und Prognose“, August 2018

[12] Empfehlungen der Reaktorsicherheitskommission (RSK): „Neuer Forschungsreaktor München II (FRM II) – 3. Teilgenehmigung“, 13.09.2001

[13] „Castoren sollen 2018 wieder rollen - Atommüll aus Forschungsreaktor soll nach Ahaus“, MünsterlandZeitung.de, 30.09.2014

[14] gns.de, 24.01.2019: CASTOR® MTR3 erhält verkehrsrechtliche Zulassung