Wismut GmbH - Königstein

Doppelschachtanlage Wismut Königstein

Von Norbert Kaiser - Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=20283026

Anlage

 

Name der Lagerstätte:

Lagerstätte Königstein

Bundesland:

Sachsen

Betreiber:

Wismut GmbH, vorher SDAG Wismut

Genehmigungs- und Aufsichtsbehörde:

Sächsisches Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie (LfULG)

Erkundung:

Seit 1961 [1]

Uranabbau:

1964: Beginn der Aufschlussarbeiten

1967: Beginn des planmäßigen Uranabbaus, zunächst durch konventionellen Abbau, ab 1984 durch Laugung

Abbau von ca. 9 Mio. m3 Gestein, davon ca. 5 Mio. m3 Erz

In-situ-Laugung mit Schwefelsäure versetztem Grundwasser:

  • die Laugung von Armerz auf der Schüsselgrundhalde
  • die Abtrennung des Urans aus dem Schachtwasser
  • Untertagelaugung (als wichtigstes Verfahren)

Bis 1990 kamen über 55 Mio. t Gestein mit der schwefelsauren Lösung (ca. 160.000 t Schwefelsäure) in Kontakt. Aus der uranhaltigen Lösung wurde in einer Ionenaustauschanlage flüssiges Urankonzentrat für die weitere Verarbeitung in Seelingstädt hergestellt. [1]

Förderung:

Bis 1990: 18.006 t Uran, darunter 12.251 t durch konventionellen Abbau und 5.755 t mittels Untertage- und Haufenlaugung. [2]
Seit 1991: Im Zuge der Sanierung von Königstein wurde von der Wismut GmbH noch Uran gefördert, bzw. in der Abwasserreinigungsanlage gewonnen, ca. 40 t/Jahr. [3] Von 1991 bis 1997 erfolgte der Verkauf an Interuran, NUKEM, ENUSA; Urangesellschaft, Uranerz E&M und Duqunesque, seit 1998 ausschließlich über die US-amerikanische Firma Nuclear Fuels Corporation an die tschechische Firma DIAMO. [4] Die Wismut GmbH nimmt an, dass der Verkauf von 32 t Uran im Jahr 2019 der letzte sein wird, da die Urankonzentration im Abwasser sinkt. [5]

Bergwerk/Fläche:

5 Tagesschächte, 7 Wetterbohrlöcher, Richtstrecken, Feldstrecken und Querstrecken auf 4 Sohlen, Grubenfeld: 6 km² im Bereich der Ortschaften Königstein, Bielatal, Langenhennersdorf und Struppen. [1]

Kosten:

Für die Sanierung allein von Königstein sind ca. 1 Mrd. € veranschlagt.

Abtransport des Uranerzes:

Per Seilbahn zum Verladestandort Rottwerndorf, von dort zur zentralen Uranaufbereitung nach Seelingstädt und Crossen. [6]

Stilllegung

 

 

Sanierungskonzept:

"Das 1991 entwickelte Konzept zur Flutung der Grube baute auf der Erkenntnis auf, dass die Sofortflutung [...] ein zu großes Umweltrisiko darstellt. [...] Beim Vergleich von Sanierungsvarianten erhielt daher die kontrollierte und gesteuerte Flutung mittels Kontrollstrecken und Aufbereitung des Flutungswassers in einer übertägigen Anlage den Vorzug. [Weiterhin sieht das Konzept vor] radioaktiv kontaminierte und für die weitere Nutzung nicht geeignete Anlagen und Gebäude zu demontieren sowie radioaktive Flächen durch Bodenabtrag zu bereinigen." [1]

Sanierung:

Grube Königstein:

  • Das Ausspülen der Säurereste in den Sandsteinschichten musste nach der Abbaueinstellung weitergeführt werden. Es wurden Drainagestrecken aufgefahren, Ableitungsstrecken angelegt und die aus der Grube entweichenden Flutungswässer in eine Wasserreinigungsanlage nach Übertage gefördert. 
  • 2001 wurde mit der Flutung der Grube begonnen. Durch gesteuerte Zugabe und natürlichen Zufluss von Grundwasser wurde der Wasserstand schrittweise angehoben. [1]
  • Januar 2013 Abschluss der Flutung des bisher genehmigten Teilbereichs I mit einem Flutungsniveau von 139,5 m NN. Damit ist bisher nur reichlich die Hälfte des gesamten Grubenvolumens geflutet. Die Steuerung des Flutungswasserspiegels erfolgt über die Ausförderung von Flutungswasser über zwei ca. 300 m tiefe Förderbohrlöcher. [7]
  • Die Wismut GmbH möchte auch den Flutungsbereich II fluten, da beim gegenwärtigen Zustand eine dauerhafte Wasserbehandlung notwendig wäre. Ein entsprechender Antrag wurde 2013 durch das sächsische Oberbergamt abgelehnt, da es unvermeidbar zu einem Eintrag von belasteten Flutungswässern über den 3. und 4. Grundwasserleiter in die Elbe kommen würde. Die Wismut hat Widerspruch eingelegt. Im März 2017 beantragte die Wismut die Durchführung eines hydraulischen Tests um die Umweltauswirkungen einer Flutung besser prognostizieren zu können. [8]

Wasserbehandlungsanlage AAF-Königstein:

  • Zur Reinigung der bei der Flutung anfallenden kontaminierten Wässer wurde für ca. 15 Mio. Euro eine Aufbereitungsanlage eingerichtet, die ihren Ursprung z.T. noch aus der zeit vor 1990 hatte. [1]
  • Inbetriebnahme 2001
  • Gesamtkapazität der Anlage: 650 m³/h.
  • Das Uran wird weitestgehend abgetrennt und dann die restlichen Schadstoffe, wie Radium, restliches Uran und Schwermetalle entfernt. Nach dem Absetzen der Feststoffe im Eindicker und der Klärung des behandelten Wassers in einem Klarwasserschönungsbecken wird dieses in die Elbe eingeleitet. Die entwässerten Rückstände werden in der Halde Schüsselgrund eingelagert. [9]
  • 2018 wurde mit der Errichtung neuer Anlagen begonnen. Künftig soll aufgrund rückläufiger Urankonzentrationen im Flutungswasser die Prozessstufe Uranentsorgung entfallen. [5]

Halde Schüsselgrund: 

  • Sondereinlagerungsbereich für gefährliche bergbauliche Abfälle sowie Abfälle mit einer spezifischen Aktivität von > 1 Bq/g. [5]
  • Die Halde Schüsselgrund wird weiterhin für die Verbringung aller bei der Sanierung am Standort Königstein anfallenden, radioaktiv kontaminierten Materialien genutzt. [1]
  • Zur Verringerung der Radonexhalationsrate, des Niederschlagswassereintrages wurde eine 1 m mächtige Mineralbodenschicht aufgetragen und die Böschung bepflanzt. 
  • Kontaminiertes Sickerwasser wird gefasst und zur AAF-Königstein gebracht, Nicht kontaminierte Wässer werden in den Vorfluter abgeleitet.
  • 2018: Fertigstellung des Bauabschnittes 1. [5]

Übertägige Sanierung:

  • "Die Übertägige Sanierung ist geprägt durch die Anforderung, das vom Bergbau betroffene Gebiet an das Landschaftsschutzgebiet „Sächsische Schweiz“ anzupassen und den Schadstoffaustrag von übertägigen Quellen zu beherrschen." [1]
  • Sanierung der kontaminierten Erzumschlagplätze, Haufenlaugungsanlagen, Gebäude und Betriebsflächen
  • Demontage der Anlagen
  • Abtragung kontaminierten Bodens

Ende der Sanierung:

Geplant 2026. Dem schließen sich Langzeitaufgaben wie die Wasserbehandlung und Umweltüberwachung an.

Halden in Größe von ca. 41 ha werden in ihrer Nutzung dauerhaft eingeschränkt sein. [9]

Besondere Gefahren:

  • Die Schwefelsäure wurde in eine Schicht eingespült, die nur wenig unterhalb der Grundwasserschicht liegt, aus der die Trinkwasserversorgung für die Stadt Dresden gespeist wird. [6]
  • Natürliche Schluchten der Umgebung wurden zur Lagerung des Abraums benutzt.
  • Behandelte Wässer aus der AAF Königstein werden in den Vorfluter Pehna eingeleitet. Im Mündungsbereich der Pehna in die Elbe findet man signifikant erhöhte Gamma-Ortsdosisleistungen. [6]
  • Am Standort Königstein ist noch kein langzeitstabiler Zustand erreicht. [5]
  • Bei der Umlagerung kontaminisetren Haldenmaterials kommt es zur Freisetzung von Radon, das auch noch in größerer Entfernung Auswirkungen auf Mensch und Umwelt haben kann. Auch an Schwebstaub gebundene radioaktive Partikel speielen immer wieder eine Rolle. [5]
  • Die Halde Schüsselgrund wird als Oberflächenendlager genutzt, ohne dass es einen Langzeitsicherheitsnachweis oder eine Öffentlichkeitsbeteiligung gegeben hätte. [10]

Abfälle

 

Lauge:

Ein Teil der schwefelsauren Lösung ist als Porenwasser im Sandstein verblieben.

Halde Schüsselgrund - Nutzung als Endlager:

Haldenschüttung seit 1967 als Auffüllung der Schüsselgründe in der Nähe der Ortschaft Leupoldishain, Haldenvolumen 3,7 Mio. m³

Die Halde wird als Oberflächen-Endlager benutzt:

Bis 1990: Rückstände aus dem Ionenaustauschprozess, sowie das gelaugte Haufwerk

Seit 1990:

  • Bei Abbruch- und Sanierungsarbeiten angefallene radioaktive Materialien
  • Kontaminierten Metallschrott
  • Rückstände aus der Wasserbehandlung am Standort Königstein
  • Rückstände aus der Beckenreinigung sowie Bohrspühlung am Standort Königstein
  • Material von Rückbauarbeiten und Flächensanierungen am Standort Gittersee
  • Abdeckmaterial
  • Schlämme aus der Wasserbehandlungsanlage am Standort Gittersee und aus den Schlammabsetzbecken des WISMUT-Stollns
  • Bergemasse aus der Auffahrung des WISMUT-Stollns vom Standort Gittersee
  • Schlämme aus den Absetzbecken des WISMUT-Stollns in Freital

Verbringung von Abfällen:

→ Elbe: Einleitung vorbehandelten Flutungswassers über den Vorfluter Pehna. Genehmigung 5,9 Mio. m³/Jahr

Adressen

 

Betreiber:

Wismut GmbH
Jagdschänkenstraße 29, 09117 Chemnitz
Tel.: 0371 8120-0, Fax: 0371 81 20-584
info(at)wismut.de, www.wismut.de

Kontakt vor Ort: Königsteiner Straße 45, OT Leupoldishain, 01824 Königstein

Behörden:

Sächsisches Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie
Postfach 540137, 01311 Dresden
Tel.: 0351 2612-5300, Fax: 0351 2612-5399
poststelle.lfulg(at)smul.sachsen.de, www.smul.sachsen.de/lfulg/

Quellen

[1] Bundesministerium für Wirtschaft und Energie: Wismut: Bergbausanierung - Landschaften gestalten und erhalten, Juli 2015 

[2] wikipedia.org: Wismut(Unternehmen) (abgerufen am 23.11.2020)

[3] Sächsiches Staatsministerium für Umwelt und Landwirtschaft: Antwort auf die Kleine Anfrage des Abgeordneten Volkmar Zschocke, Fraktion BÜNDNIS 90 / DIE GRÜNEN, Drucksache 6/10014: Verkauf und Export von Uran aus dem Wismut-Standort Königstein, 20.07.2017

[4] Deutscher Bundestag, Antwort auf die kleine Anfrage (Linke): Urangewinnung und -veräußerung bei den Sanierungsarbeiten der Wismut GmbH in Thüringen und Sachsen, Drucksache 18/5322, 24.06.2015

[5] Wismut GmbH: Umweltbericht 2019

[6] Bernd Laquai: Die Einleitestelle radioaktiver Gruben-Abwässer in die Elbe bei Thürmsdorf dem Wismut Uranabbaugebiet Königstein

[7] wismut.de: Sanierung und Flutung der Gruben Königstein und Dresden-Gittersee, abgerufen am 25.11.2020

[8] Ulf Jenk/Carsten Wedekind: Progress Report on the Wismut Decomissioning Project at the Flooded Königstein Uranium Mine, Mining Report No.3, Page 253

[9] wismut.de: Königstein - Wasserbehandlung, abgerufen am 25.11.2020

[10] Deutscher Bundestag, Antwort der Bundesregierung auf die kleine Anfrage der Abgeordneten Ralph Lenkert, Dr. Barbara Höll, Christine Buchholz, weiterer Abgeordneter und der Fraktion DIE LINKE: Stand der Sanierungsarbeiten bei der Wismut GmbH, Kosten, Einnahmen, Umweltbelastungen und sonstige Schäden, 17/6237, 21,06.2011

[11] Deutscher Bundestag, Antwort der Bundesregierung auf die kleine Anfrage der Abgeordneten Ralph Lenkert, Caren Lay, Eva Bulling-Schröter, weiterer Abgeordneter und der Fraktion DIE LINKE: Dauerhafte Lagerung radioaktiver Abfälle in den Halden und Absetzbecken der Wismut GmbH, 18/243, 27.12.2013