Wismut GmbH – Ronneburg

Bundesarchiv, Bild 183-1990-1109-004 / Jan Peter Kasper / CC-BY-SA 3.0

Anlage

 

Name der Anlage:

Lagerstätte Ronneburg

Bundesland:

Thüringen

Betreiber:

Wismut GmbH, vorher SAG/SDAG Wismut

Genehmigungs- und Aufsichtsbehörde:

Landesamt für Umwelt, Bergbau und Naturschutz Thüringen

Erkundung:

Seit 1949

Uranabbau:

Ab 1950, größte Uranressource Europas

Große Vielzahl verschiedener Abbaumethoden; v.a. das Bruchbauverfahren führte zu vielen Bränden unter Tage. Teilweise wurde auch Untertage- und Haufenlaugung durchgeführt. [1]

Förderung:

113.600 t Uran [2]

Bergwerk/Fläche:

Ausgangslage 1990: [2]

  • 4 Bergwerke, 38 Tagesschächte
  • 26,7 Mio. m³ Grubenhohlraum
  • 16 Halden mit rund 188 Mio. m³ Bergmaterial, 1 Tagebaurestloch (Lichtenberg)
  • 1.670 ha Gesamtfläche

Verbringung des Uranerzes:

Aufbereitungsanlage Seelingstädt

Stilllegung

 

Betriebsende:

1990

Sanierung:

01.01.1993: Die Bergbetriebe Schmirchau, Paitzdorf, Beerwalde und Drosen wurden zum Sanierungsgebiet Ronneburg zusammengefasst.

Grubengebäude:  [2]

  • 1991 - 2000: Verfüllung der 38 Tagesschächte und tagesnahen Grubenbaue, sowie von Grubenräumen in den Betriebsteilen Beerwalde und Drosen bis in eine Teufe von 100 m mit bindigem Versatz, insgesamt ca. 5.8 Mio. m³.
  • Errichtung von ca. 120 hydraulischen Absperrbauwerken in der Grube
  • 1998 Beginn der Flutung südlich der A 4
  • 2000: Beginn der Flutung nördlich der A 4

Halden: [2]

Umlagerung in den Tagebau Lichtenberg:

Objektname Halden-volumen Umlagerungs-zeitraum
Absetzerhalde 70.100.000 m³ 1993 - 2006
Nordhalde 31.300.000 m³ 1998 - 2003
Kegelhalden Paitzdorf 8.000.000 m³ 2006
Gessenhalde 7.600.000 m³ 1990 - 1995
Kegelhalden Reust 6.400.000 m³ 2004 - 2007
Halde 370 1.400.000 m³ 2003
Halde 4 1.100.000 m³ 2006 - 2007
Halde 377 400.000 m³ 2004
Diabashalde 200.000 m³ 2002
Schutzdamm Ronneburg 100.000 m³ 2007 - 2008

In-situ-Verwahrung

Objektname Volumen Umlagerungs-zeitraum
Halde Beerwalde inkl. der Halden Drosen + Korbußen 9.000.000 m³  
Halde Drosen   1997 - 1999
Halde Korbußen   2000 - 2001
Halde 381 800.000 m³  

2007 fand auf der neu modellierten Haldenlandschaft aus der Uranförderung die Bundesgartenschau statt. Laut Ökoinstitut war die Strahlenbelastung für die Besucher zu dem Zeitpunkt nicht höher als in anderen Teilen Deutschlands mit hohem natürlichen Urangehalt.

Tagebau Lichtenberg:  [2]

  • Verfüllung des Tagebaurestlochs mit Haldenmaterial s.o., teilweise enthielt das Material bis zu 5 % Schwefelkies, der bei der Reaktion mit Luftsauerstoff und Wassersäure bildet. Dieses Material wurde in das Tagebautiefste eingelagert. Nach Beendigung der Flutung wird der größte Teil davon unterhalb des Grundwasserspiegels liegen. Nach Verfüllung wurde weiteres Material über dem Tagebaurestloch zur "Schmirchauer Höhe" aufgeschüttet.
  • Lichtenberg wird als Endlager für radioaktiv kontaminierte Materialien aus dem Rückbau sowie angetrockneter Schlämme genutzt. [4]

Wasserbehandlungsanlage WBA Ronneburg: [2] [3]

  • Baukosten insgesamt 22 Mio. Euro
  • Inbetriebnahme 2006
  • Kalkfällverfahren
  • Behandlung der aufsteigenden Flutungswässer der Gruben südlich der Autobahn A4 (Gessental), lokale Grundwasseraustritte, Oberflächenwasser, kontaminiertes Oberflächenwasser ehemaliger Säure-generierender Halden
  • Gesamtkapazität der Anlage: 850 m³/h
  • Die behandelten Wässer werden über die Wipse in die Weiße Elster abgegeben
  • Es wird mit einer Betriebsdauer von 25 Jahren gerechnet

Übertägige Sanierung:

  • Vollständige Demontage und Abbruch der übertägigen Anlagen
  • Einlagerung radioaktiv kontaminierter Materialien in der Abfallentsorgungseinrichtung AEE Lichtenberg [4]
  • Ziel: Nutzbarmachung für Land- und Forstwirtschaft sowie für industrielle und gewerbliche Nachnutzung

Ende der Sanierung:

Die Sanierung der Betriebsflächen ist noch im Gange.

Dem schließen sich Langzeitaufgaben wie die Wasserbehandlung und Umweltüberwachung an.

Halden in einer Größe von ca. 35 ha sowie der Bereich des ehemaligen Tagebaus Lichtenberg mit 220 ha werden in ihrer Nutzung dauerhaft eingeschränkt sein. [5]

Besondere Gefahren: [5]

Grundwasseraustritte: Im November 2006 kam es zu Übertritten kontaminierten Grundwassers in den Gessenbach (und damit weiter in die Weiße Elster), etwa 20 – 40 m3/h, sowie zu Wasseraustritten an der Oberfläche an verschiedenen Stellen. Im Januar 2007 lag die Menge bei 130 m3/h, im Januar 2011 bei 680 m3/h. Das Gessental war als potentielles Austrittsgebiet prognostiziert worden. Deshalb war ein System zur Fassung der aufsteigenden Grundwässer installiert worden, allerdings zu klein. So wurden im Januar 2011 nur 540 m3/h gefasst und über eine 3,8 km lange Druckleitung zur Wasserbehandlung befördert. Ca. 120 m3/h wurden wegen mangelnder Förderkapazitäten unbehandelt in den Gessenbach abgegeben. Die Überschreitung der Gewässergüteziele wurde von den Behörden „toleriert“. Im Gegenzug wurde „bis auf Weiteres“ das Schöpfen von Wasser, Baden oder Tränken von Tieren untersagt.

Weitere Austrittsgebiete sind Bereiche entlang der Postersteiner und Beerwalder Sprotte, dem Lammsbachtal und dem Mennsdorfer Sprottetal, sowie dem Drosenbach.

Reaktive Handlungsweise: „Die Vorgehensweise der Wismut GmbH im Zusammenhang mit der Flutung der Grube Ronneburg basiert auf einer mit den Genehmigungsbehörden und deren Gutachtern abgestimmten „reaktiven“ Handlungsweise.“ Anstatt Vorsorge zu tragen, wird gehandelt, wenn ein Schadensereignis eingetreten ist.

Oktober 2017: Elf Jahre nach Beginn der Austritte kontaminierten Grundwassers im Gessental wurde die Erweiterung des Wassererfassungssystems abgeschlossen. Auf 10.000 m² wurde kontaminierter Boden ausgetauscht. Ziel ist die vollständige Fassung der im Gessental aufsteigenden Grundwässer. [6]

Abfälle

 

Halden:

Halde Beerwalde: 9 Mio. m³, Halde 381 800.000 m³, Schmirchauer Höhe ca. 48 Mi.o m³ auf 221 ha

Tagebaurestloch Lichtenberg - Nutzung als Endlager: [7] und [4]

Bis 1990: ca. 76 Mio. m³ radioaktiv kontaminiertes Material

Seit 1990: ca. 133 Mio. m³ radioaktiv kontaminiertes Material vom Standort Ronneburg sowie „vernachlässigbar geringe“ Mengen von anderen Standorten:

  • 29.000 m³ radioaktiv kontaminierter Schrott
  • 123.000 m³ Immobilisat aus der Wasserbehandlungsanlage
  • Rest: Radioaktive kontaminiertes Halden- und Bodenmaterial und Bauschutt

Verbringung von Abfällen:

  1. Wipse / Weiße Elster: kontaminierte, vorbehandelte Wässer
  2. Freigabe Abrissmaterial: Nicht kontaminierter, dekontaminierter oder freigemessener Schrott und Bauschutt aus dem Rückbau der übertägigen Anlagen wurden verkauft. [1]

Adressen

 

Betreiber:

Wismut GmbH
Jagdschänkenstraße 29, 09117 Chemnitz
Tel.: 0371 8120-0, Fax: 0371 81 20-584
info(at)wismut.de, www.wismut.de

Kontakt vor Ort: Postfach 41, 07576 Ronneburg, Tel.: 036602 / 51-3000, Fax: 036602 / 51-3066

Behörden:

Landesamt für Umwelt, Bergbau und Naturschutz Thüringen
Göschwitzer Str. 41, 07745 Jena
Tel.: 0361 57 3942 000, Fax: 0361 57 3942 222
poststelle@tlubn.thueringen.de, www.tlubn.thueringen.de

KritikerInnen:

Kirchlicher Umweltkreis Ronneburg, c/o Frank Lange, franklange44@web.de

Quellen

[1] Seite "Wismut (Unternehmen). In: Wikipedia, Die freie Enzyklopädie. Bearbeitungsstand 24.01.2021, abgerufen am 02.02.2021

[2] Bundesministerium für Wirtschaft und Energie: Wismut: Bergbausanierung - Landschaften gestalten und erhalten, Juli 2015

[3] wismut.de: Wasserbehandlung. Behandlung von 850 Kubikmeter Grubenwasser je STunde (abgerufen am 02.02.2021)

[4] Wismut GmbH: Umweltbericht 2019

[5] Frank Lange: "Die Endabdeckung Deutschlands größter radioaktiver Deponie steht vor der Genehmigung", Strahlentelex Nr. 630 - 631

[6] Wismut.de: Wasserfassungssystem im Gessental komplett 06.11.2017

[7] Deutscher Bundestag: Antwort der Bundesregierung auf die Kleine Anfrage der Abgeordneten Hubertus Zdebel, Dr. Gesine Lötzsch, Lorenz Gösta Beutin, weiterer Abgeordneter und der Fraktion DIE Linke: Oberflächennahe Lagerung radioaktiver Materialien in den Halden und Absetzbecken der Wismut GmbH, Drucksache 19/30852, 21.06.2021