Wismut GmbH – Schlema

Schacht 371 Wismut

Von Geomartin - Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=5171087

Anlage

 

Name der Lagerstätte:

Erzfeld Schneeberg - Schlema - Alberoda (Objekt 02 / Objekt 03 / Objekt 09)

Bundesland:

Sachsen

Betreiber:

Wismut GmbH, vorher SAG/SDAG Wismut

MitarbeiterInnen:

Bergbaubetrieb Aue April 1989: 5.700

Genehmigungs- und Aufsichtsbehörde:

Sächsisches Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie (LfULG)

Erkundung:

Seit dem 14. Jahrhundert wurden in Schneeberg Rohstoffe gefördert: Eisen, Zinn, Silber, Kobalterze, Nickel, Wismut. Das Uran war damals nutzloses Abfallprodukt. Seit Anfang des 19. Jahrhunderts wurden die anfallenden Uranerze zur Farbenherstellung, später zu medizinischen Zwecken, für die Lebensmittelindustrie und als Leuchtmittel verwendet.

Im September 1945 begann die geologische Gruppe des Innenministeriums der UdSSR das Revier Schneeberg - Schlema - Alberoda nach Uranvorkommen zu erkunden. [1]

Uranabbau:

Am 04.06.1946 wurde die Uranerzgewinnung in Schneeberg aufgenommen. Das russische Militär beschlagnahmte die Bergwerksanlagen und erklärt das Schneeberger Revier zur militärischen Sperrzone. Die Anlagen wurden 1947 in sowjetisches Eigentum überführt. Der Uranabbau wurde nach und nach auf das gesamte Erzfeld Schneeberg - Schlema - Alberoda ausgeweitet.

Diverse Bergwerke wurden bereits in den 50er und 60er Jahren wegen Erschöpfung des Urans aufgegeben und wieder an die Kommunen zurück gegeben u.a.:

  • 1956: Objekt 03 - Schneeberger Revier, v.a. Uranförderung aus den historischen Schneefelder Revier, Objekt 03 bestand aus 2 Stollen und 16 Hauptschächte. [1]
  • 1960: Objekt 02 - Lagerstätte Oberschlema, allein dieses Objekt hatte 5 Stollen, 29 Schächte und 20 Blindschächte auf 26 Sohlen. [2]

Bergbaubetrieb Aue: Objekt 09 Niederschlema-Aue-Alberoda bestehend aus 9 Stollen, 21 Schächte, 30 Blindschächte auf 60 Sohlen und 22 km2 war der größte Bergbaubetrieb der SDAG Wismut. 1968 wurde daraus im Zuge einer Umstrukturierung  der Bergbaubetrieb Aue bis 1990. [3]

Förderung:

Gesamtproduktion Schneeberg - Schlema - Alberoda: 80.000 t Uran [4]

Bergwerk/Fläche:

Ausgangslage 1990: [5]

  • 60 Tagesschächte
  • Grube bis 2.000 m Teufe, 41 Mio. m³ Grubenhohlraum
  • 21 Halden
  • 370 ha Gesamtfläche

"Infolge der Bergarbeiten waren 42 Halden aufgeschüttet worden, die eine Aufstandsfläche von 311 Hektar einnahmen. Davon verblieben 21 Halden mit einem Gesamtvolumen von ca. 47 Millionen Kubikmetern in der Sanierungsverantwortung der Wismut GmbH" [4]

Zu Beginn wurden die Bergemassen unmittelbar an den jeweiligen Schächten auf die Flächen zwischen den Häusern von Schneeberg und Oberschlema abgekippt. Die Flächen waren jedoch bald zu klein, der Abraum wurde per Bahn und LkW zu Halden außerhalb der Ortschaften transportiert. Ab den 50er Jahren durften Halden nur nach Genehmigung durch die Bergbehörde des Bezirkes Karl-Marx-Stadt angelegt werden. [3]

Die aus der Zeit des Altbergbaues stammenden Halden wurden nach Uran durchsucht. Von insgesamt 286 untersuchten Halden wurden 18 in die detaillierte Erkundung übernommen, 4 Halden auf der Erzsuche komplett abgetragen.

Verbringung des Uranerzes:

Die Aufbereitung des Erzes erfolgte anfangs im Blaufarbenwerk Oberschlema, ab der zweiten Hälfte der 50er Jahre in der radiometrischen Sortieranlage am Schacht 371 und in der zentralen Uranaufbereitung Crossen[4]

Stilllegung

 

Betriebsende:

1990

Sanierung: 

 Grubengebäude:  

  • Entsorgung von Schadstoffen, Sicherung der Oberfläche vor plötzlichen Absenkungen.
  • Bis Ende 2014: Verfüllung von 55 Schächten mit 239.300 m3 Grubenhohlraum abgeschlossen. [4]
  • 2019 noch offene Tagesschächte: Schacht 15 IIb, am Rande des Kurparks, Schacht 382 inmitten des Golfareals, Schacht 208. [6]
  • Flutung der Grube ab 1991 bis auf einen Resthohlraum von 560.000 m3, der als Pufferspeicher für die Grubenwässer genutzt wird. [4]
  • 11.09.2018: Inbetriebnahme des Südumbruchs, einem ca. 1,2 km langer Umgehungsstollen, mit dem die Grubenwasser aus dem Markus-Semmler-Stolln (Verbindung zwischen den Gruben Schneeberg und Schlema-Alberoda) in den Schlemabach abgeleitet werden. [2] Die Arbeiten dauerten aufgrund geologischer Schwierigkeiten und zulaufenden Wassers länger als geplant.

Wasserbehandlungsanlage Schlema-Alberode: [7]

  • 1998: für 15 Mio Euro gebaut (zwei etwa baugleiche Straßen)
  • Inbetriebnahme 1999 und 2001 
  • Gesamtkapazität ca. 1.150 m³/h
  • Abtrennung von Uran, Radium, Arsen und Eisen soweit, dass das Wasser ausschließend in die Zwickauer Mulde eingeleitet werden darf 
  • Rückstände werden immobilisiert und auf der Halde 371/I eingelagert
  • Während An- und Abfahrprozessen zur Inbetrieb- und Außerbetriebnahme von Teilanlagen, während Bauarbeiten und Reparaturen kann kein Wasser behandelt werden. Es wird direkt in die Grube zurückverstürzt. 2019: 48.000 m² Flutungswasser. [6]
  • Gesamtbetriebszeit ca. 30 Jahre. Die Behandlung des Grubenwassers kann erst dann eingestellt werden, wenn die Schadstoffkonzentration eine direkte Einleitung in die Zwickauer Mulde erlaubt.

Absetzbecken Borbachtal: [8]

  • Sanierung des Borbachdamms
  • Verlegung des Borbachs
  • Verfüllung der Mulde
  • Abdeckung des Absetzbeckens 

Abgetragene Halden: [4]

Objektname Halden-volumen Abschluss Kernsanierung
Halde Schacht 250 1.040.000 m² 1992
Halde Blaufarbenwerk / Schacht 13 30.000 m² 2001
Halde Großschurf 1 / Betriesbfläche Holzplatz 250 30.000 m² 1999

Die Halde 250, die sich inmitten der Ortslage Schlema befand und das Ortsbild über Jahrzehnte bestimmte, wurde ebenso wie die beiden anderen Halden komplett abgetragen und zum Auffüllen des Deformationsgebietes in Oberschlema umgelagert. Auf diesem befindet sich jetzt der Kurpark.

In-situ-verwahrte Halden: [4]

Objektname Halden-volumen Abschluss Kernsanierung
Halde Schacht 208W 60.000 m³ 1995
Halde Schacht 8 50.000 m³ 1998
Halde Schacht 38alt/ Lichtloch 9 560.000 m³ 2002
Damm Absetzbecken Borbachtal 1.230.000 m³ 2002
Halde Schacht 13b 450.000 m³ 2002
Halde 312 1.230.000 m³ 2006
Hammerberghalde 2.400.000 m³ 2006
Halde Schacht 38 neu / 208 4.900.000 m³ 2007
Halde Betriebsfläche Schacht 373 110.000 m³ 2007
Halde Schacht 366 / Betriebsfläche 186/366/383 7.480.000 m³ 2008
Halde Schacht 372 100.000 m³ 2008
Halde 382 West 3.250.000 m³ 2010
Halde Schacht 66/207 4.060.000 m³ 2014
Halde Schacht 382 4.210.000 m³ 2014
Halde / Betriebsfläche Schacht 12/259/309 1.920.000 m³ 2018
Halde Schacht 310 540.000 m³ 2021
Halde Schacht 371/I 9.390.000 m³ 2025
Halde Schacht 371/II 3.720.000 m³ 2025

Das Haldengebiet in Oberschlema wurde bereits ab Mitte der 1960er Jahre erstmalig „saniert“, das in Niederschlema ab Anfang der 70er Jahre. Diverse Halden wurden planiert und begrünt, entsprachen aber nicht den Strahlenschutz-Anforderungen. Seit 1990: Verwahrung am Standort mittels standsicherer Profilierung, Abdeckung  und Begrünung

Im Zuge der Sanierung wurde eine neue Halde neben der Halde 382 und dem Absetzbecken Borbachtal angelegt, auf die das Überschussmaterial aus der Profilierung abgelagert wird. 

2018 wurde die Radonkonzentration am Fuße der Hammerberghalde durch den Einbau eines Dämmriegels und einer Radondrainage verringert. [9]

Übertägige Sanierung: 

  • Abbruch und Demontage der übertägigen Anlage und Gebäude
  • Sanierung der kontaminierten Flächen.
  • Deformgebiet Schlema: Ein Gebiet von ca. 15 ha glich einer mit Kratern übersäten Mondlandschaft. Insgesamt wurden ca. 1,1 Mio m³ Material aus der Halde 250 eingebracht. Die rund 800 tagesnahen Gruben wurden mit ca. 42.000 m³ Beton verfüllt. Ab 1997 wurden auf ca. 6 ha ein Kurpark errichtet. Seit November 2004 ist Schlema wieder Bad Schlema. [10]

Ende der Sanierung:

Geplant ist, die Sanierung des Haldenkomplexes Schacht 371 bis 2025 (einschließlich fünf Jahre Nachsanierung). [4]

Dem schließen sich Langzeitaufgaben wie die Wasserbehandlung und Umweltüberwachung an.

Halden in Größe von ca. 288 ha werden in ihrer Nutzung dauerhaft eingeschränkt sein. [11]

Besondere Gefahren:

Schneeberger Krankheit: Im 18. und 19. Jahrhundert fielen die Krankheitsfälle an Bergsucht (chronische Lungenkrankheiten) im Schneeberger Revier durch besonders eigentümliche Krankheitsverläufe auf. Seit Ende des 19. Jahrhundert wusste man, dass es sich um Lungenkrebs durch Einatmen von Radon und seiner Zerfallsprodukte handelt.

Radonbelastung: Die Haldenfußbereiche liegen direkt an Wohnhäusern. Dies führt insbesondere in heißen Sommermonaten zu erhöhter Radonkonzentration in der Luft. An einem großen Teil der abgedeckten Halden am Standort wurden Radonkonzentrationen < 80 Bq/m³ festgestellt. Es existieren jedoch einige lokale Haldenbereiche, an denen in den vergangenen Jahren ein Anstieg der Radonfreisetzung und damit auch der Radonkonzentrationen in der Umgebung zu beobachten war. Die maximale Radonkonzentration, die im Rahmen der Umweltüberwachung auf einem Wohngrundstück am Standort Schlema-Alberoda festgestellt wurde, lag im Jahr 2012 bei etwa 170 Bq/m³. [12] Durch das Erzeugen eines Unterdrucks am Fuße der Hammerberghalde soll das Eindringen von Radon aus den Grubenbauen in die Häuser Bad Schlemas verhindert werden. [6]

Bergschadensgebiet: Durch intensiven und oberflächennahen Bergbau gibt es viele Bergschadensfälle und drohen weiterhin Beben und Bodenabsenkungen. In 2012 wurden 22 seismische Ereignisse gemessen.

2014/2015: Zum Jahreswechsel kam es zu einem ca. 6 m² großen Tagesbruch am Schacht 38. Die Sanierung dauerte bis 2019, Kosten 2 Mio. Euro. [7]

Abfälle

 

Halden - Nutzung als Endlager: [4]

18 Halden mit einem Volumen von 45,7 Mio m³:

  1. Halde 309:

Bergematerial aus der Auffahrung der Südumgehung des Markus-Semmler-Stollns

  1. Halde 366:

Bis 1995 radioaktiver Schrott und kontaminierter Bauschutt aus dem Abriss der über- und untertägigen Anlagen

  1. Halde 371:
  • Ab 1995 radioaktiver Schrott und kontaminierter Bauschutt aus dem Abriss der über- und untertägigen Anlagen
  • Radioaktive und Arsen-belastete Rückstände aus der Wasserreinigungsanlage Schlema
  • Radioaktive Rückstände aus der Wasserreinigungsanlage Pöhla

Absetzbecken Borbachtal: [10]

  • Rückstände aus der Uranerzaufbereitung im Blaufarbenwerk Oberschlema
  • Sedimente aus Grubenwässern
  • Auf einer Fläche von 3,5 ha lagern ca. 250.000 m3 kontaminierter Schlamm

Dauerhafte Lagerung untertage:

Radioaktiver Schrott und kontaminierter Bauschutt aus dem Abriss der über- und untertägigen Anlagen wird in die Bergwerke gebracht. 2019 waren dies z.B. 18,5 t radioaktiv kontaminiertes Material, das im Bereich des Stollens 35 auf der 30-m-Sohle im Querschlag 6 / Gang Spicken eingebracht wurde. [6]

Verbringung von Abfällen:

  1. Zwickauer Mulde: vorbehandeltes Flutungswasser (über 20°C warm) und behandeltes Sickerwasser aus Halde 371
  2. Baumaterial: Ab Mitte der 60er Jahre wurde das Haldenmaterial zur Schottergewinnung abgetragen, in der DDR verkauft und z.B. zum Bau des Rostocker Überseehafens verwendet.

Adressen

 

Betreiber:

Wismut GmbH
Jagdschänkenstraße 29, 09117 Chemnitz
Tel.:0371 8120-0, Fax: 0371 81 20-584
info(at)wismut.de, www.wismut.de

Behörden:

Sächsisches Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie
Postfach 540137, 01311 Dresden
Tel.: 0351 2612-5300, Fax: 0351 2612-5399
poststelle.lfulg(at)smul.sachsen.de, www.smul.sachsen.de/lfulg/

Quellen

[1] wikipedia.de: Wismut Objekt 03, abgerufen am 27.11.2020

[2] wikipedia.de: Wismut Objekt 02, abgerufen am 27.11.2020

[3] wikipedia.de: Wismut Objekt 09, abgerufen am 27.11.2020

[4] Bundesministerium für Wirtschaft und Energie: Wismut: Bergbausanierung - Landschaften gestalten und erhalten, Juli 2015 

[5] Dialog - Mitarbeiterzeitschirft der Wismut GmbH, Nr. 90: Sonderausgabe 25 Jahre Wismut GmbH, 6/2016

[6] Wismut GmbH: Umweltbericht 2019

[7] wismut.de: Die Wasserbehandlungsanlage Schlema-Aue

[8] wismut.de: Sanierung im unteren Borbachtal, abgerufen am 27.11.2020

[9] Wismut GmbH: Umweltbericht 2018

[10] wismut: Das Deformgebiet Schlema, abgerufen am 27.11.2020

[11] Deutscher Bundestag, Antwort der Bundesregierung auf die Kleine Anfrage der Abgeordneten Ralph Lenkert, Dr. Barabara Höll, Christine Buchholz, weiterer Abgeordneter und der Fraktion DIE LINKE: "Stand der Sanierungsarbeiten bei der Wismut GmbH, Kosten Einnahmen, Umweltbelastung und sonstige Schäden", Drucksache 17/6237, 21.06.2011

[12] Wismut GmbH: Umweltbericht 2012