AKW Greifswald 1-5

Foto: Harald909, Wikipedia

Anlage

 

Name der Anlage:

KGR 1 Greifswald 1

KGR 2 Greifswald 2

KGR 3 Greifswald 3

KGR 4 Greifswald 4

KGR 5 Greifswald 5

Bundesland:

Mecklenburg-Vorpommern

Betreiber:

EWN Entsorgungswerk für Nuklearanlagen GmbH (Am 02.02.2017 haben sich die Energiewerke Nord in Entsorgungswerk für Nuklearanlagen umbenannt) [1]

Vor 1990: VE Kombinat Kernkraftwerke Bruno Leuschner

Gesellschafter:

100% Bund

MitarbeiterInnen:

758 am Standort Lubmin [2]

Reaktortyp:

5 Druckwasserreaktoren Typ WWER 440

Leistung:

jeder Block: 440 MW brutto, 408 MW netto

Baubeginn:

Block 1 und 2: 01.03.1970

Block 3 und 4: 01.04.1972

Block 5 und 6: 01.12.1976

Block 7 und 8: 01.12.1978

Leistungsbetrieb:

Kommerzieller Leistungsbetrieb ab:

Block 1: 12.07.1974

Block 2: 16.04.1975

Block 3: 01.05.1978

Block 4: 01.11.1979

Block 5: 01.11.1989 (Probebetrieb)

Block 6 wurde fertiggestellt, ist aber nicht in Betrieb gegangen.

Der Bau der Blöcke 7 und 8 wurde abgebrochen.

Genehmigungs- und
Aufsichtsbehörde:

Ministerium für Inneres und Europa Mecklenburg-Vorpommern (IM)

Umgebungs-
überwachung:

Landesamt für Umwelt, Naturschutz und Geologie (LUNG)

Besondere Gefahren:

Konstruktionsfehler, mangelhafter Strahlenschutz, fehlendes Containment und schwere Störfälle bis hin zum Beinahe-GAU prägen die Geschichte des AKW. 1974 barsten in Block 1 etliche Brennelemente; mehrfach brannte es; ins Reaktorgebäude regnete es teilweise hinein, weil die Decke undicht war. Immer wieder wurden Wände und Böden bei solchen und anderen Zwischenfällen radioaktiv belastet. [3] ; [4]

Meldepflichtige
Ereignisse:

Seit 03.10.1990: 91 (Stand 30.04.2020) [5]

Stilllegung

 

Außerbetriebnahme:

Block 1: 14.02.1990

Block 2: 14.02.1990

Block 3: 28.02.1990

Block 4: 22.07.1990

Block 5: 24.11.1989 (Ende des Probebetriebs)

Rückbau:

Seit 1995; waren anfangs 20 Jahre veranschlagt worden, dauert es nach derzeitiger Planung bis mindestens 2028 bevor der konventionelle Abriss der Anlagen beginnen kann. [2]

Oktober 2012: "Antrag auf Langzeitverwahrung nicht mehr genutzter, innen kontaminierter Gebäude". Die Energiewerke Nord wollen die Gebäude aus Kostengründen nur noch bis zu einem gewissen Grenzwert dekontaminieren und 50 Jahre stehen lassen bis die Strahlung so weit abgeklungen ist, dass sie konventionell abgerissen oder anderweitig genutzt werden können. [6]

2013: Der letzte der 30 Dampferzeuger wird in das Zwischenlager Nord (ZLN) transportiert. [2]

September 2016: EWN rückt von der Langzeitverwahrung wieder ab und beginnt, die Schornsteine abzureißen. [7]

Kosten:

Anstatt der ursprünglich veranschlagten 4,2 Mrd. Euro wird der gesamte Rückbau nach derzeitigen Schätzungen 6,6 Mrd. Euro kosten. Die Kosten werden zu 100% von der öffentlichen Hand (Bund) getragen. [8]

Abfälle

 

Brennelemente:

In der Anlage bei Abschaltung: 5.037 abgebrannte Brennelemente (1.011 in den Reaktoren 1-5, 1.628 in den Abklingbecken 1-5 und 2.398 im Zwischenlager)

Am Standort: 860 unbestrahlte Brennelemente [8]

Zwischenlager für abgebrannte Brennelemente (ZAB):

Nasslager für abgebrannte Brennelemente; Baubeginn 1982, Erste Einlagerung am 19.12.1985,
Bis 2006 geräumt, der Abriss ist erfolgt.

Zentrale Aktive Werkstatt ZAW:

Konditionierungseinrichtungen in der ehemaligen Reparaturwerkstatt für kontaminierte Anlagenteile:

Prognostiziertes
Abfallvolumen:

Gesamt ca. 1,8 Mio. t

  • Ca. 1,2 Mio. t „radiologisch restrisikofreies Material“
  • Ca. 500.000 t freizumessende Reststoffe
  • Ca. 100.000 t radioaktive Abfälle

Lagerung am Standort
(Stand 31.12.2017):
[9]

Rohabfälle und vorbehandelte Abfälle

  • Feste Abfälle, anorganisch: 168,7 t
  • Feste Abfälle, organisch 46,4 t
  • Flüssige Abfälle, anorganisch 334,5 t
  • Flüssige Abfälle, organisch 0,9 t
  • Mischabfälle 226,1 t

Konditionierte Abfälle

  • 200-l-Fässer: 174 (47 m³)

Verbringung von
Abfällen:

 
  1. UdSSR: laut Staatsvertrag wurden bis Anfang der 80er Jahre 233 t SM zur Wiederaufarbeitung in die UdSSR verbracht. [8]
  2. Ungarn: 235 teilabgebrannte Brennelemente wurden 1995 an das ungarische Atomkraftwerk Paks gegen die Zusicherung, sie nicht mehr als Abfälle zurücknehmen zu müssen, abgegeben. [8]
  3. Tschechische Republik: 589 unbestrahlte Brennelemente wurden 1992 an die CSFR (Tschechische und Slowakische föderative Republik) bzw. 1993 an die Tschechische Republik verkauft. [10]
  4. USA: 271 unbestrahlte Brennelemente wurden 1995 in die USA verkauft. [10]
  5. Zwischenlager Nord Hallen 1-7 und 8:
  • 56 CASTOR® 440/84, 3 CASTOR® KRB-MOX, abgeschlossen 15.06.2006 [11]
  • Großkomponenten: Dampferzeuger, Reaktordruckbehälter, Reaktordruckgefäße, Sprinklerkühler, etc. [11]
  • weitere Betriebs- und Abrissabfälle als Rohabfälle oder konditionierte Abfälle
     
  1. Morsleben
  • Bis 1991: 9.201 m³ und 57 Strahlenquellen [11]
  • 1994 – 1998: 3.347 m³ [12]
     
  1. Deponie Ihlenberg (Schönberg): 1996 – 2009: 14.530 t Abfälle [13]
  1. Freigabe: Bis Juni 2010: ca. 162.000 t an Betonverwerter, ca. 47.000 t Metalle an Schrotthändler. [2]

Transporte

 

  • von der Anlage:

Radioaktive Rohabfälle, konditionierte radioaktive Abfälle

  • Gleisanschluss:

Vorhanden

Adressen

 

Betreiber:

EWN - Entsorgungswerk für Nukelaranlagen GmbH, Latzower Straße 1, 17509 Rubenow, Tel: 038354 / 4-0 Fax: 038354 / 22458 poststelle@ewn-gmbh.de, www.ewn-gmbh.de

Behörden:

Ministerium für Inneres und Europa Mecklenburg-Vorpommern, 19048 Schwerin, Tel.: 0385 / 588-0, Fax: 0385 / 588-2972, poststelle@im.mv-regierung.de, www.regierung-mv.de/Landesregierung/im

Landesamt für Umwelt, Naturschutz und Geologie (LUNG), PF 13 38, 18263 Güstrow, poststelle@lung.mv-regierung.de, www.lung.mv-regierung.de

   

Quellen

[1] Entsorgungswerk für Nuklearanlagen GmbH: Neuer Name, bewährte Qualität, Pressemitteilung 10.02.2017

[2] "Rückbau des KKW dauert noch Jahre", ostsee-zeitung.de, 02.11.2018

[3] „Zeitbombe Greifswald“, Der Spiegel Spezial: „162 Tage Deutsche Geschichte“ 01.02.1990

[4] „Alles tot“, Der Spiegel 4/1990

[5] base.bund.de: Kernkraftwerke in Deutschland: Meldepflichtige Ereignisse seit Inbetriebnahme

[6] AKW Lubmin: Energiefirma plant Billig-Entsorgung für Kernkraftwerk" spiegel-online, 24.04.2012

[7] "AKW-Abriss Lubmin: Schornstein wird demontiert", NDR, 22.09.2016

[8] ewn-gmbh.de: Rückbau des Kernkraftwerkes Greifswald

[9] Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit: „Verzeichnis radioaktiver Abfälle – Bestand zum 31. Dezember 2017 und Prognose“, August 2018

[10] EWN: Entsorgung des Kernbrennstoffes

[11] Deutscher Bundestag, Antwort auf die Kleine Anfrage (Grüne): "Atommüll – Zwischenlager Nord", Drucksache 17/4009 vom 29.11.2010

[12] Deutscher Bundestag, Antwort auf die Kleine Anfrage (Grüne): "Endlager Morsleben – Bis 1991eingelagerte Abfälle", Drucksache 17/1387 vom 14.04.2010

[13] Deutscher Bundestag: Antwort auf die schriftliche Anfrage der Abgeordneten Kotting-Uhl, Drucksache 16/12182 vom 06.03.2012, S. 60 ff.

[14] "Große Mengen Atommüll vorgeblich freigemessen und wie gewöhnlicher Müll auf Deponie abgelagert", strahlentelex 570-572/2010