AKW Lingen

Foto: ChNPP, Wikipedia

Anlage

 

Name der Anlage:

KWL - Kernkraftwerk Lingen

Bundesland

Niedersachsen

Betreiber

Kernkraftwerk Lingen GmbH

Gesellschafter:

RWE Power AG (gehörte früher der VEW AG)

MitarbeiterInnen:

50 [1]

Reaktortyp:

Siedewasserreaktor der ersten Generation

Leistung, elektrisch:

268 MW brutto, 183 MW netto

Baubeginn:

01.10.1964

Leistungsbetrieb:

Kommerzieller Leistungsbetrieb ab 01.10.1968

Genehmigungs- und Aufsichtsbehörde:

Ministerium für Umwelt, Energie und Klimaschutz Niedersachsen (NMU)

Umgebungs-überwachung:

Niedersächsische Landesbetriebe für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN)

Meldepflichtige Ereignisse:

31 (Stand 30.06.2017) [2]

Stilllegung

 

Außerbetriebnahme:

05.01.1977 (nach schwerem Maschinenschaden)

1979 entschied der Betreiber, den Nuklearteil stillzulegen und die Dampfturbine mit einer Hochtemperatur-Gasturbine weiter zu nutzen. [3]

Genehmigung:

November 1985: Genehmigung zur Stilllegung und Herbeiführung und Betrieb des „sicheren“ Einschlusses

14.11.1997: Genehmigung für Lockerung des „sicheren“ Einschlusses zur Konditionierung von Betriebsabfällen für deren Verbringung ins ERA Morsleben und für Freigabekampagnen. Die Verbringung nach Morsleben scheiterte an der Beendigung der Einlagerung 1998. [4]

„Sicherer“ Einschluss:

Seit 30.03.1988

Meldepflichtige Ereignisse im Einschluss:

  • 01/01: teilweiser Ausfall der Brandmeldeanlage durch Überspannung infolge Blitzeinschlag
  • 01/03: Ausfall der Brandmeldeanlage
  • 01/04: Nichtöffnen von Brandschutzklappen
  • 01/06: Leckage an der mobilen Anlage zur Entnahme, Vermischung, Abfüllung und Konditionierung von Harzen und Filterhilfsmitteln (MAVAK)
  • 01/07: Kontamination durch Überlauf eines Abwassersammelbehälters im Hilfsanlagengebäude [5]

Rückbau:

Der Antrag zur Fortführung des „sicheren“ Einschlusses vom 21.12.2004 wurde im Dezember 2007, nachdem das Bundesverwaltungsgericht die Rechtskräftigkeit der Genehmigung für Schacht KONRAD festgestellt hatte, zurückgezogen. Stattdessen wurde am 15.12.2008 ein Antrag zum vollständigen Rückbau gestellt. [4]

13.12.2012 – 12.02.2013 Öffentliche Auslegung der Unterlagen, 18.12.2012 positive Stellungnahme der EU-Kommission, 04.09.2014 Erörterungstermin

21.12.2015: Genehmigung für das 1. Teilprojekt des Abbaus [6]

Abfälle

 

Brennelemente:

1983: Letzter Abtransport bestrahlter Brennelemente, insgesamt sind 585 Brennelemente (66 t SM) angefallen [7]

Betriebs- und Stilllegungsabfälle:

Genehmigung der Zwischenlagerung nach § 7 AtG für 170 m³

  • Inventar (31.12.2014):  [8]

 

Rohabfälle und vorbehandelte Abfälle

  • Feste Abfälle, anorganisch: 127,5 t
  • Mischabfall: 19,3 t

Konditionierte Abfälle

  • 200-l-Fässer: 579 (156 m³)
  • 280-l-Fässer: 26 (10 m³)

Abfälle in „Endlagergebinden“

  • Zylindrische Gussbehälter: 142 (185 m³)

Ältestes gelagertes Gebinde aus 1978: 30 VBA (Behälter mit verlorener Betonabschirmung).

Abtransporte nach Bedarf zur externen Lagerung / Bearbeitung vorgesehen. [9]

  • Luftführung und Klimatisierung

 

Es besteht eine gerichtete Luftführung im Lagerungsbereich, Mess- und Filtereinrichtungen für die Entlüftung und eine Klimatisierung zur Verhinderung der Taupunktunterschreitung. [9]
  • Inspektionen:

 

Gemäß innerbetrieblicher Anweisung routinemäßige vierteljährliche Sichtprüfung. Repräsentative Sichtprüfung alle 5 Jahre. Bisher keine Befunde festgestellt. [9]

  • Prognostiziertes Abriss-Volumen:

     

Gesamtmasse des AKW 62.000 t, davon ca. 58.000 t Beton und 3.700 t Metall. Der Betreiber geht davon aus, weniger als 3.100 t als radioaktive Abfälle behandeln zu müssen. Der Rest soll freigegeben werden. [5]

Rückbauabfälle:
Die Rückbauabfälle werden in Gebäuden im AKW Lingen gelagert. Die Genehmigung für das Zwischenlager im AKW Lingen wurde mit dem Genehmigungsbescheid für den 1. Teilabschnitt des Rückbaus erteilt. [6] 

Verbringung von Abfällen:

  1. Wiederaufarbeitung: Alle Brennelemente der gesamten Betriebszeit, 585 Brennelemente (66 t SM), wurden zur Wiederaufarbeitung nach Sellafield (GB) gebracht. [10]
  2. ASSE II: Ca. 350 t in 1.285 Gebinden [11]
  3. Ems-Jade-Mischwerk Lingen: Bislang freigegebene Betonstrukturteile [5]
  4. Mülldeponie Venneberg: Deponierung der freigegebenen Aktivkohle [5]
  5. Fa. Siempelkamp: Bislang freigegebene Metallschrotte zum Einschmelzen und Wiederverwerten [5]
  6. Mülldeponie Dörpen: Der eingeschränkt freigegebene Bauschutt aus dem Abriss soll auf der Mülldeponie Dörpen gelagert werden. Laut Neuer Osnabrücker Zeitung habe der Landkreis die Annahme von 100 t/Jahr zugesagt. [12]

Transporte

 

  • zur Anlage:

Extern konditionierte schwach- und mittelradioaktive Abfälle

  • von der Anlage:

Radioaktive Rohabfälle, konditionierte radioaktive Abfälle, später ggf. Großkomponenten

  • Gleisanschluss:

Nicht vorhanden

Besonderheit:

1989/90 wurde auf dem Kraftwerksgelände Molkepulver aus Bayern gelagert, das infolge der Katastrophe von Tschernobyl radioaktiv belastet war. Mittels eines Ionenaustauschverfahrens wurde die Belastung mit Caesium-137 von 8.000 Bq/kg auf 100 Bq/kg reduziert und das so behandelte Pulver als Viehfutter verwendet. Der verbleibende radioaktive Abfall wurde nach Morsleben gebracht. [13]

Adressen

Betreiber:
Kernkraftwerk Lingen GmbH, Schüttorfer Straße 100, 49808 Lingen

Behörden:

Niedersächsisches Ministerium für Umwelt, Energie und Klimaschutz (NMU), Archivstraße 2, 30169 Hannover, Tel.: 0511 / 120-0, poststelle(at)mu.niedersachsen.de, www.umwelt.niedersachsen.de

Niedersächsischer Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN), Am Sportplatz 23, 26506 Norden, 04931 / 947-0, pressestelle(at)nlwkn-dir.niedersachsen.de, www.nlwkn.niedersachsen.de

KritikerInnen:

Anti-Atom-Gruppe Osnabrück, www.antiatomgruppe-osnabrueck.de

Anti-Atom-Gruppe Lingen, AntiatomLingen(at)gmx.net

Quellen:

[1] "Unter der Kuppel wartet der Strahlenmüll: Das Atomkraftwerk Lingen soll abgerissen werden - wann ist aber ungewiss", NOZ - Neue Osnabrücker Zeitung, 02.03.2013

[2] bfe.bund.de: Kernkraftwerke in Deutschland: Meldepflichtige Ereignisse seit Inbetriebnahme

[3] Bundesamt für Strahlenschutz: „Statusbericht zur Kernenergienutzung in Deutschland 2013“, August 2014, S. 23

[4] Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit: „Gemeinsames Übereinkommen über die Sicherheit und Behandlung abgebrannter Brennelemente und über die Sicherheit der Behandlung radioaktiver Abfälle – Bericht der Bundesrepublik Deutschland für die fünfte Überprüfungskonferenz im Mai 2015“, S. 106f.

[5] Niedersächsischer Landtag: Antwort auf die Kleine Anfrage (Grüne): „Vollständiger Abriss des stillgelegten Atomkraftwerks Lingen“, Drucksache 16/1454, 28.07.2009

[6] Niedersächsisches Ministerium für Umwelt, Energie und Klimaschutz: Erteilung des Genehmigungsbescheids 1/2015 (Teilprojekt 1) des Kernkraftwerks Lingen (KWL)

[7] „KKL befindet sich im „Sicheren Einschluss““, NOZ – Neue Osnabrücker Zeitung, 14.12.2006

[8] Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit: „Verzeichnis radioaktiver Abfälle – Bestand zum 31. Dezember 2014 und Prognose“

[9] Niedersächsisches Ministerium für Umwelt, Energie und Klimaschutz:“Fragen zur Umsetzung der ESK-Leitlinien für die Zwischenlagerung von radioaktiven Abfällen mit vernachlässigbarer Wärmeentwicklung – Anlage: Übersicht der Lagerstandorte für radioaktive Abfälle in Niedersachsen (Stand 30.01.2015)“

[10] Deutscher Bundestag: Antwort auf die Kleine Anfrage (PDS / Linke Liste): „Entsorgungssituation der bundesdeutschen Atomanlagen“, Drucksache 12/5900, 14.10.1993

[11] Helmholtz-Zentrum München / PG Jülich: „Asse-Inventar – Abschlussbericht“, 31.08.2010

[12] "Schutt von altem Atomkraftwerk Lingen soll nach Dörpen", Neue Osnabrücker Zeitung, 31.03.2015

[13] de.wikipedia.org: Kernkraftwerk Lingen (Abgerufen am 31.08.2017)