AKW Ohu 1 / Isar 1

Foto: H.A. / Wikimedia

Anlage

 

Name der Anlage:

KKI 1– Kernkraftwerk Isar 1

Bundesland:

Bayern

Betreiber:

PreussenElektra GmbH.
Am 01.07.2016 wurden die deutschen Atomenergieaktivitäten der E.ON in die neue Gesellschaft (mit altem Namen) PreussenElektra GmbH ausgegliedert. [1]

Eigentümer:

E.ON Kernkraftwerk GmbH

MitarbeiterInnen:

ca. 500 plus zusätzliche zahlreiche Mitarbeiter von Fremdfirmen für beide Blöcke [2]

Reaktortyp:

Siedewasserreaktor, Baulinie 69

Leistung, elektrisch:

912 MW brutto, 878 MW netto

Baubeginn:

01.05.1972

Entsorgungsvorsorge-nachweis:

„Für künftige Einlagerungen in der Grube Asse II wurden die erforderlichen Verwaltungsverfahren, ebenso wie für das Endlager Gorleben eingeleitet. Daneben laufen Untersuchungen zur Prüfung der Eignung und der Nutzungsmöglichkeiten der früheren Eisenerzgrube Konrad für die Einlagerung von schwachradioaktiven Abfällen und von aktivierten bzw. kontaminierten Bauteilen aus kerntechnischen Anlagen soweit sie Abfälle darstellen.“ (8. TEG vom 31.08.1981) [3]

Leistungsbetrieb:

Kommerzieller Leistungsbetrieb ab 21.03.1979

Genehmigungs- und Aufsichtsbehörde:

Bayerisches Staatsministerium für Umwelt und Verbraucherschutz (StMUV)

Umgebungs-
überwachung:

Bayerisches Landesamt für Umwelt (LfU)

Unabhängige Messstellen:

  • Universität Regensburg, Zentrales Radionuklidlaboratorium - UmweltRadioAktivität-Laboratorium (URA)
  • Helmholtz-Zentrum München - Deutsches Forschungszentrum für Gesundheit und Umwelt (HMGU)
  • Materialprüfungsamt Nordrhein-Westfalen (MPA NRW), Dortmund [4]

Besondere Gefahren:

Am 30. März 1988 wäre es durch dem Absturz eines französischen Kampfflugzeugs (Mirage) in nur zwei Kilometer Entfernung vom AKW beinahe zu einer Katastrophe gekommen. In diesem seinerzeit häufig für Kampfübungen genutzten Luftraum galt der Kühlturm der Atomanlage als beliebte Wendemarke. [5]

Meldepflichtige Ereignisse:

288 (Stand 30.04.2020) [6]

Stilllegung

 

Außerbetriebnahme:

18.03.2011 (laut Moratorium der Bundesregierung)

Abschaltung, endgültig:

06.08.2011 (per Atomgesetz)

Stilllegungsantrag:

Antrag nach §7 Abs.3 auf vollständigen Rückbau, gestellt 04.05.2012 [7]

Bedingungen:

  • Inbetriebnahme von Schacht KONRAD deutlich nach 2018
  • Ausgang der Verfassungsklage gegen die Stilllegung
Genehmigungen:

 

17.01.2017: 1. Stilllegungs und Abbaugenehmigung [8]

Klagen:

06.12.2016: Urteil des Bundesverfassungsgerichts zur Schadensersatzklage von E.ON wegen der Stilllegung des AKW Ohu 1/Isar 1. Die Stilllegung des AKW durch Änderung des Atomgesetzes begründet keine Enteignung und damit auch keinen Anspruch auf Schadensersatz. [9]

20.12.2018: Urteil des Bayerischen Verwaltungsgerichtshofs zur Klage des Bundes für Umwelt und Naturschutz Bayerns (BUND) gegen konkrete Punkte der Stilllegungsgenehmigung. Die Klage wird abgewiesen, eine Revision vor dem Bundesverwaltungsgericht zugelassen, da das Gericht eine höchstrichterliche Klärung juristischer Sachverhalte für notwendig hält. Eine Begründung des Urteils steht noch aus. [10] Klagepunkte waren u.a.: 

  • das Verhältnis von Betriebsgenehmigung und Stilllegungsgenehmigung,
  • der Rückbaubeginn obwohl sich Brennelemente in der Anlage befinden,
  • die fehlende Bestimmtheit der Genehmigung und die damit verbundene umfassende Verlagerung von Genehmigungsnotwendigkeiten in die Aufsicht
  • die Höhe der Ableitungswerte,
  • die Freigaberegelungen. 

Der BUND kündigte an, in Revision vor das Bundesverwaltungsgericht zu ziehen. [11] 

Dauer des Rückbaus:

Nach Schätzung des Betreibers 15 Jahre. [12]

März 2020: AKW-Betreiber Preussen-Elektra geht davon aus, dass der nukleare Rückbau des ersten Reaktors Isar 1 bis Ende 2032 beendet werden kann. Der konventionelle Abriss der Anlage soll dann später gemeinsam mit dem Abriss des zweiten Kraftwerksblocks von Isar 2. [12a]

Kosten:

Nach Schätzung des Betreibers 1 Mrd. Euro. [12]

Beitrag zum Entsorgungsfonds: 927 Mio. Euro Einzahlung zum 03. Juli 2017
abzüglich im Dezember 2017 ausgezahlte Rückforderung für Entsorgungskosten im ersten Halbjahr 2017: 2,971 Mio. Euro [12b]

Hauptkritikpunkte:

E.ON hatte beantragt, mit dem Rückbau beginnen zu können, selbst wenn sich noch Brennelemente im Abklingbecken befinden sollten. Dies ist jedoch mit höherer Strahlenbelastung für das Personal und einem höheren Störfallrisiko verbunden.

E.ON hat keine Abwägung zwischen „sofortigem“ Abriss und „sicherem“ Einschluss getroffen, obwohl es Wechselwirkungen mit dem noch in Betrieb befindlichen Block 2 geben könnte und sowieso bis mindestens Mitte der 40er Jahre der Atommüll vor Ort lagern wird.

E.ON will die überwiegende Menge der radioaktiven Abfälle freimessen und damit unkontrolliert auf Hausmülldeponien lagern oder in den Wirtschaftskreislauf geben. [13]

Abfälle

 

Brennelemente:

Uran-Brennelemente, Uran-Hochabbrand-Brennelemente; Ohu 1 hatte keine Genehmigung für den Einsatz von MOX-Brennelementen.

Insgesamt sind 4.072 Brennelemente (723 t SM) angefallen. [14]

136 Brennelemente haben wegen der ungeplanten Stilllegung einen deutlich niedrigeren Abbrand. [15]

Es gibt 44 Sonderbrennstäbe, für die Zulassungen zur Verladung in CASTOR-Behälter erst noch beantragt oder erteilt werden müssen. [16]

  • Nasslager:

"Letztes Brennelement hat Atomkraftwerk Isar 1 verlassen", verkündet Preussen-Elektra auf einer Pressekonferenz am 8. Juli 2020. [16a]

Ende 2019: Eigentlich sollten bis Weihnachten 2019 alle Brennelemente aus den Nasslager in das Zwischenlager BELLA überführt werden. Wegen defekter Brennelemente ("Edelgas-Leckagen") konnte die Beladung von drei der ingesamt 34 Castor-Behälter "erst im ersten Halbjahr 2020" stattfinden. Die "Brennelementefreiheit" werde nunmehr bis zum Beginn des zweiten Halbjahrs 2020 hergestellt sein. [16b]

Stand 31.12.2015: Alle 1.734 Brennelemente wurden aus dem Reaktor entfernt und befinden sich im Nasslager. [17] Das Nasslager liegt wie im Block 4 im AKW Fukushima außerhalb des Containments unter dem Dach.

  • Externes Lager:

Gemeinsames Standort-Zwischenlager für Ohu 1 und Ohu 2

Betriebsabfälle: [18]

Genehmigung nach §3 StrlSchV (alt) vom 01.10.1982 für ein Volumen von 4.000 m³: Großkomponentenlager, Komponentenlager, Zellenlager, Stauraum, Öllager, Ölsammeltanks, Fasslager, Lagerung in Kavernen. Bei Zustimmung des Strahlenschutzbeauftragten dürfen weitere  Abfalllagerflächen im Kontrollbereich eingerichtet werden.

  • Inventar Ohu / Isar 1 und 2 (31.12.2017):
    [19]

Rohabfälle und vorbehandelte Abfälle

  • Feste Abfälle, anorganisch: 82,6 t
  • Feste Abfälle, organisch: 23,1 t
  • Flüssige Abfälle, anorganisch: 1,0 t
  • Mischabfälle: 2,0 t

Konditionierte Abfälle

  • 200-l-Fässer: 211 (57 m³)
  • 280-l-Fässer: 89 (34 m³)
  • 400-l-Fässer: 60 (31 m³)
  • 570-l-Fässer: 11 (8 m³)

Abfälle in Endlagergebinden

  • Betonbehälter Typ II: 3 (4 m³)
  • Gussbehälter Typ I: 2 (1 m³)
  • Gussbehälter Typ II: 333 (433 m³)
  • Meldepflichtige Ereignisse:
    [18]
  • 19.03.1986: Gasbildung in Gussfässern mit Crud aus Brennelement-Reinigung
  • 20.03.1987: Veränderung der Geometrie von endkonditionierten 200-l-Fässern mit hochdruckverpressten Abfällen
  • 29.05.1989: Undichtigkeiten im Mantelbereich von 400-l-Fässern mit betonierten Abfällen
  • 30.09.2011: Schwelbrand von Reststoffen in einem Abfallgebinde innerhalb der Trocknungsanlage

Abrissabfälle -  Prognostiziertes Volumen:

E.ON prognostiziert ein Gesamtvolumen von 224.000 t Abfälle, davon nicht dekontaminierbaren oder nicht freizumessenden Abfällen von ca. 3.400 t. [20]

Konditionierung der Abrissabfälle:

Zur Behandlung der Abfälle wird ein Zentrum zur Bearbeitung von Reststoffen und Abfällen (ZEBRA) im Maschinenhaus und in weiteren Räumen des Kontrollbereiches des KKI 1 eingerichtet. Das ZEBRA soll auch für den Abbau von Block 2 genutzt werden. Zur Pufferlagerung sollen weitere Anlagenbereiche zur Verfügung gestellt werden. [20]

Zwischenlagerung der Abrissabfälle:

Ursprünglich sollten die Abrissabfälle nach Mitterteich oder andere Zwischenlager abtransportiert werden. [20] Am 12.04.2018 hat PreussenElektra doch einen Antrag auf Errichtung und Betrieb eines Zwischenlagers (Bereitstellungshalle) am Standort (KKI-BeHa) gestellt. Am 24.07.2018 hat das Bayerische Landesamt für Umwelt entschieden, dass für das Zwischenlager keine Umweltverträglichkeitsprüfung notwendig sei. [21]

Beantragtes Inventar: Volumen 8.000 m³, Aktivitätsinventar 2 x 1017 Bq [22] 

Verbringung von Abfällen:

  1. Wiederaufarbeitung: 1.870 Brennelemente (339 t SM) wurden nach La Hague (F) verbracht. [14]
  2. Morsleben: 800 m³ [3]
  3. Mitterteich: 1.938 m³ (Stand 31.12.2012) [14]
  4. Fasslager Gorleben: 18 Container Typ IV [23]
  5. Externe Konditionierung: Am 31.12.2012 waren 193 m³ radioaktive Abfälle aus Ohu 1 in externen Konditionierungsanlagen. [14]

Transporte

 

  • zur Anlage:

Extern konditionierte schwach- und mittelradioaktive Abfälle, Strahlenquellen

  • von der Anlage:

Radioaktive Rohabfälle, konditionierte radioaktive Abfälle, Strahlenquellen, später ggf. Großkomponenten

  • Gleisanschluss:

Vorhanden

Adressen

Betreiber:

PreussenElektra GmbH, Treschowstraße, 30457 Hannover, Tel.: 0511/ 439-03, info(at)preussenelektra.de, www.preussenelektra.de

Behörden:

Bayerisches Staatsministerium für Umwelt und Verbraucherschutz (StMUV), Rosenavalierplatz 2, 81925 München, Postanschrift: Postfach 810140, 81901 München, Tel.: 089 / 9124-00, Fax: 089 / 9124-2266, poststelle(at)stmuv.byern.de, www.stmuv.bayern.de

Bayerisches Landesamt für Umwelt (LfU), Bürgermeister-Ulrich-Straße 160, 86179 Augsburg, Postanschrift: 86177 Augsburg, Tel.: 0821 / 9071-0, Fax: 0821 / 9071-5556, poststelle(at)lfu.bayern.de, www.lfu.bayern.de

Kritiker*innen:

Bündnis für Atomausstieg Landshut, c/o Armin Reiseck, Landshuter Straße 41, 84109 Wörthg a.d. Isar, armin.reiseck(at)gmx.de

Bündnis für Atomausstieg Regensburg, Haaggasse 16, 93047 Regensburg, buefa-regensburg(at)googlemail.com, www.buefa-regensburg.de

BUND Naturschutz Bayern, Landesfachgeschäftsstelle, Bauernfeindstraße 23, 90471 Nürnberg, Tel.: 0911 / 8187826, Fax: 90471 Nürnberg, herbert.barthel@bund-naturschutz.de, www.bund-naturschutz.de

Quellen

[1] www.preussenelektra.de: Historie

[2] www.preussenelektra.de: Kernkraftwerk Isar 1 & 2

[3] Deutscher Bundestag: Antwort auf die schriftliche Anfrage der Abgeordneten Kotting-Uhl, Drucksache 16/12182 vom 06.03.2012, S. 60 ff.

[4] www.lfu.bayern.de: Welche Anlagen werden überwacht

[5] "Abschied von der "alten Kiste"", merkur-online vom 15.03.2011

[6] base.bund.de: Kernkraftwerke in Deutschland: Meldepflichtige Ereignisse seit Inbetriebnahme

[7] E.ON Kernkraft: "Kernkraftwerk Isar 1 (KKI 1): Antrag nach § 7 (3) AtG zur Stilllegung und zum Abbau der Anlage (KKI-1-GEN-2012-01)" vom 04.05.2012

[8] Bayerisches Staatsministerium für Umwelt und Verbraucherschutz: Erste Genehmigung nach § 7 Absatz 3 des Atomgesetzes zur Stillegung und zum Abbau des Kernkraftwerks Isar 1, 17.01.2017

[9] Bundesverfassungsgericht: Urteil des 1. Senats vom 06.12.2016, 1 BvR 2821/11

[10] "Klage gegen Rückbau des Atomkraftwerks Isar 1 abgewiesen", Passauer Neue Presse online, 21.12.2018

[11] "Der Bund Naturschutz bedauert die Abweisung seiner Klage und begrüßt die Zulassung der Revision", Presseerklärung des Bund Naturschutz, 21.12.2018

[12] "Atomkraftwerk Isar 1 - Aufwändiger Abriss" Deutschlandfunk vom 30.07.2014

[12a] deutschlandfunkkultur.de, 2.3.2020: AKW Isar 2 bei Landshut: Abschalten, rückbauen – und dann?

[12b] Fonds zur Finanzierung der kerntechnischen Entsorgung - Geschäftsbericht zum 31.12.2017

[13] "Abbau von Atomkraftwerk genehmigt - Isar 1 verschwindet", heise.de, 24.01.2017 (abgerufen am 03.05.2017)

[14] Bayerischer Landtag, Antwort auf die schriftliche Anfrage (SPD): „Anfall und Verbleib radioaktiver Abfälle von kerntechnischen Anlagen in Bayern“ Drucksache 16/16718 vom 19.06.2013

[15] ESK-Stellungnahme: Anforderungen an bestrahlte Brennelemente aus entsorgungstechnischer Sicht, 27.05.2011

[16] Deutscher Bundestag: Antwort auf die kleine Anfrage (Grüne): „Kernbrennstofffreiheit und Rückbau der 2011 endgültig abgeschalteten Atomkraftwerke“ Drucksache 18/2427 vom 29.08.2014

[16a] br.de, 8.7.2020: Letztes Brennelement hat Atomkraftwerk Isar 1 verlassen

[16b] 21.11.19, idowa.de: Entladung von Isar 1 verzögert sich

[17] Deutscher Bundestag: Antwort auf die kleine Anfrage (Grüne): "Kernbrennstofffreiheit und Rückbau der acht im Jahr 2011 endgültig abgeschalteten Atomkraftwerke sowie der Atomkraftwerke Grafenrheinfeld und Gundremmingen B", Drucksache 18/9977, 14.10.2016

[18] Deutscher Bundestag: Antwort auf die Kleine Anfrage (Grüne): „Atommüll – Fragen zur Lagerung von schwach- und mittelradioaktiven Abfällen und diesbezüglichen Korrosionsproblemen (verrostete Atommüllfässer)“, Drucksache 17/9592 vom 09.05.2012

[19] Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit: „Verzeichnis radioaktiver Abfälle – Bestand zum 31. Dezember 2017 und Prognose“, August 2018

[20] E.ON: "Sicherheitsbericht für den Restbetrieb und Abbau des Kernkraftwerks Isar 1", Kurzbeschreibung vom Februar 2014

[21] Bayerisches Landesamt für Umwelt: Bekanntgabe, 24.07.2018

[22] Deutscher Bundestag: Antwort auf die kleine Anfrage (Grüne): "Kernbrennstofffreiheit und Rückbau deutscher Atomkraftwerke", Drucksache 19/6177, 29.11.2018 

[23] Deutscher Bundestag: Antwort auf die schriftliche Anfrage der Abgeordneten Lötzer, Drucksache 17/14270 vom 28.06.2013, S. 62 ff.