Siempelkamp Schmelzanlage

Quelle: www.siempelkamp.com

Anlage

 

Name:

Siempelkamp Ingenieur und  Service GmbH, bis 2015 Siempelkamp Nukleartechnik GmbH (SNT)

Bundesland:

Nordrhein-Westfalen

Eigentümer:

Siempelkamp GmbH & Co KG

Standort:

Die Produktionsanlagen von Siempelkamp sind nur durch eine Bahntrasse von der angrenzenden Wohnbebauung getrennt. [1]

MitarbeiterInnen:

38 in der Nukelartechnik am Standort Krefeld [2]

Genehmigungs- und Aufsichtsbehörde:

Bezirksregierung Düsseldorf

Genehmigungen: [3]

Oktober 1989 nach § 7 StrlSchV: Umgang mit radioaktiven Stoffen bis zu 200 Bq/g spezifische Aktivität

März 2008: Erweiterung auf 1.000 Bq/g; für die Betastrahler Fe-55, Ni-63, C-14 und H-3 sind zusätzlich in Summe 1.000 Bq/g erlaubt. Der Anteil an Kernbrennstoffen ist auf 15g/100kg begrenzt.

CARLA-Schmelzanlage: [3]

1989: Inbetriebnahme von CARLA = Centrale Anlage zum Recyclieren leichtaktiver Abfälle

  • Thermische und mechanische Zerlegung von Komponenten bis zur Größe eines 40-Fuß-Containers (2.50 m x 2.50 m x 12 m). Zerlegung größerer Teile möglich
  • Vordekontaminierung in einer Strahlkabine zur Erzielung höherer Freigabequoten
  • Granulieren von Flüssigeisen
  • Verwertung von Eisengranulat bei der Herstellung von Behältern aus Schwerbeton und zur Verfüllung von Hohlräumen in „Endlager“-Gebinden
  • Verarbeitung von Eisen, Buntmetall und verzinktem Material
  • Verwertung von Schmelzprodukten zur Herstellung von Gussbehältern für schwach- und mittelradioaktive Abfälle
  • Freimessungen

GERTA-Schmelzanlage: [4]

Januar 1998: Inbetriebnahme von GERTA = Grosstechnische Einrichtung zum Recyclieren toxischer Abfälle - Schmelzanlage für Metalle, die chemisch kontaminiert sind (z.B. Asbest, PCB, Quecksilber) und die mit Radionukliden natürlichen Ursprungs (NORM) verunreinigt sind (z.B. aus Düngemittelindustrie, Wolframindustrie) Jahresschmelzkapazität 2.000 t

Umgang mit radioaktiven Stoffen bis zu 200 Bq/g spezifische Aktivität

COMAS-Kernschmelzversuche: [5]

1993-1999 wurden im Auftrag des Bundesministeriums für Forschung und Technologie (BMFT) Kernschmelzversuche für die Erprobung des Sicherheitskonzepts für den Europäischen Druckwasserreaktor (EPR), genehmigt nach §3 StrlSchv (alt) durchgeführt.

Besondere Gefahren:

Die Produktionsanlagen von Siempelkamp grenzen direkt an die Wohnbebauung an.

Die Freigabe führt zu einer unkontrollierten Verbreitung radioaktiver Stoffe in Dingen des täglichen Umgangs sowie zur Konzentration strahlender Materialien auf Hausmülldeponien.

Störfälle:

30.05.2011: Brand in der Schmelzanlage GERTA, nach Angaben von  Siempelkamp ohne Einbezug radioaktiven Materials. [6]

31.10.2014: Explosion eine Kolbens beim Enschmelzen strahlender Teile eines Baggers. Durch die Druckwelle wurde eine Bleiglasfront nach außen gedrückt und das Dach der Halle beschädigt. Strahlende Partikel verteilten sich in der Halle. Von der Bezriksregierung wurden max. 120 Nanosievert gemessen, das 2-3fache des dortigen Normalwerts. [7]

Stilllegung

 

Befristung:

?

Abfälle

 

Abfälle aus GERTA:

Im Staub dominieren als Radionuklide Pb-210 und Po-210. Die anderen Radionuklide der Uran- und Thoriumzerfallsketten gehen in die Schlacke über.

Schlacke bis 10 Bq/g Ra-226, Stäube: unter 70 Bq/g Pb-210 spezifische Aktivität

Abfälle aus CARLA: [3]

Von 25.000 t Schmelzmenge wurden 9.000 t freigegeben, jährlich werden etwa 300 t – 600 t Gießlinge freigegeben.

Siempelkamp bietet zusammen mit einem anderen Genehmigungsinhaber eine externe Abklinglagerung zur Ermöglichung einer späteren Freimessung an. Dafür steht ein Areal für max. 1000 t CARLA-Gießlinge zur Verfügung.

14.500 t wurden bei der Herstellung von Abschirmungen und Behältern verwendet.

1.500 t verblieben als radioaktive Abfälle. Die etwa 5% radioaktiven Abfälle verteilen sich auf 3% Schlacke, 0,8 % Ofenausbruch, 0,7 % Staub und 0,5% Kehricht. 

Inventar (31.12.2014): [8]

Rohabfälle und vorbehandelte Abfälle

  • Feste Abfälle, anorganisch: 2.147,8 t
  • Feste Abfälle, organisch: 1,1 t
  • Mischabfälle: 5,8 t

Konditionierte Abfälle

  • 200-l-Fässer: 270 (73 m³)

Verbringung der Abfälle:

  1. Untertagedeponie Heilbronn: [9]
  • 257 t Rückstände aus dem Schmelzbetrieb CARLA im Juni 2003 (abgeschlossen)
  • 415 t quecksilberbelastete Filterstäube aus dem Schmelzrecyclingprozess; November 2000 – Dezember 2011
  • Die radioaktiven Abfälle aus den Kernschmelzversuchen versuchte SNT vergeblich auf der Sondermülldeponie Gahlen in Scharmbeck/Hünxe zu deponieren. Im Juni 2003 landeten 82 Fässer mit 19 t schwach radioaktiver Abfälle in der Untertagedeponie Salzbergwerk Heilbronn.

Die entstehenden Schlacken und Stäube werden als radioaktiver Abfall an die Metallanlieferer zurück gegeben. Die Schlacke aus GERTA wird z.T. wird aufbereitet und als Deponiestraßenbaumaterial verwendet.

Transporte

 

  • zur Anlage:

Schwachradioaktive metallische Abfälle

  • von der Anlage:

Schwachradioaktive metallische Abfälle

  • Gleisanschluss:

Vorhanden

Adressen

 

Betreiber:

G. Siempelkamp GmbH & Co. KG, Siempelkampstr. 75, 47803 Krefeld, Tel.: 02151 / 9230, Fax: 02151 / 92-5604,  www.siempelkamp.com

Behörden:

Bezirksregierung Düsseldorf, Postfach 300865, 40408 Düsseldorf, Tel.: 0211 / 475-0, poststelle(at)bezreg-duesseldorf.nrw.de, www.brd.nrw.de

Quellen

[1] entwicklung-siempelkamp-krefeld.de: Lage

[2] „Siempelkamp rüstet um für die Energiewende“, RP-online, 08.05.2015

[3] Quade, Ulrich; Luth, Thomas: „Recycling metallischer Reststoffe – 20 Jahre Betrieb der Schmelzanlage CARLA durch Siempelkamp Nukleartechnik GmbH, Sonderdruck aus atw Jahrgang LIV (2009), Heft 10 Oktober

[4] Informationsblatt von Siempelkamp zur GERTA-Schmelzanlage

[5] lrst.rwth-aachen.de: EU-COMAS - Investigations on Corium on Material Surfaces

[6] „Der Brand am 30. Mai“, RP-online, 08.08.2011

[7] „Siempelkamp will besser informieren“, Stadt-spiegel-krefeld, 18.11.2014

[8] Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit: „Verzeichnis radioaktiver Abfälle – Bestand zum 31. Dezember 2014 und Prognose“, August 2015

[9] Stadt Heilbronn: Antwort auf die Anfrage vom12.08.2011 – Lagerung von schwachradioaktivem Abfall im Salzbergwerk Heilbronn, Heilbronn 25.10.2011