AKW Gundremmingen B

Foto: publiXviewing

Anlage

 

Name der Anlage:

KRB-II B – Kernkraftwerk Gundremmingen B

Bundesland:

Bayern

Betreiber:

Kernkraftwerk Gundremmingen GmbH (KGG)

Gesellschafter:

RWE Power AG (75%), PreussenElektra GmbH (25%)

MitarbeiterInnen:

Ca. 500 bei der KGG direkt plus Fremdfirmen [1]

Reaktortyp:

Siedewasserreaktor, Baulinie 72

Leistung, elektrisch:

1.344 MW brutto, 1.284 MW netto

Baubeginn:

20.07.1976

Netzsynchronisation:

20.07.1976

Leistungsbetrieb:

16.03.1984

Genehmigungs- und Aufsichtsbehörde:

Bayerisches Staatsministerium für Umwelt und Verbraucherschutz (StMUV)

Besondere Gefahren:

Im Unterschied zu Druckwasserreaktoren gibt es bei Siedewasserreaktoren nur einen Haupt-Kühlkreislauf; so gelangt radioaktiv kontaminiertes Wasser auch ins Maschinenhaus und an die Turbinen.

Die Steuerstäbe, die zur Regelung und Abschaltung des Reaktors dienen, müssen von unten und gegen die Schwerkraft in den Reaktor gedrückt werden.

Das Abklingbecken liegt wie im Block 4 im japanischen AKW Fukushima außerhalb des Containments unter dem Dach. [3] Dies erhöhte die Gefahr der Freisetzung von Radioaktivität bei einem Flugzeugabsturz oder anderen schweren Störfällen.

Meldepflichtige Ereignisse:

124 + 8 in der gemeinsamen Doppelblockanlage (Stand 31.10.2021) [4]

Stilllegung

 

Abschaltung, endgültig:

31.12.2017 (per Atomgesetz)

27.01.2017: Übertragung von 6 TWh vom AKW Biblis B und 2 TWh vom AKW Esenshamm/Unterweser auf Gundremmingen B. Ohne Übertragung der Strommengen hätte das AKW Gundremmingen B im Februar 2017 stillgelegt werden müssen. [5]

Stilllegungsantrag:

11.12.2014: Antrag nach §7 Absatz 3 Atomgesetz auf Abbau von Anlagenteilen des Blocks B des KRB II gestellt. Es wird beantragt, nach Ende der Betriebsgenehmigung am 31.12.2017 Anlagenteile die für den Weiterbetrieb von Block C für die Lagerung und Handhabung der Brennelemente oder den Abbau nicht mehr benötigt werden, abzubauen. Gleichzeitig werden in dem Antrag die Teilschritte Abbau von nicht mehr benötigten Anlagenteilen des Blockes C nach Ende seiner Betriebsgenehmigung am 31.12.2021 sowie der gesamte Rückbau der beiden Blöcke B und C mit beantragt. [6]

Bedingungen:

  • Inbetriebnahme von Schacht KONRAD "Anfang des kommenden Jahrzehnts"
  • Abhängig vom Ausgang der Klagen von RWE vor dem Bundesverfassungsgericht gegen die Stilllegung durch die Atomgesetznovelle vom 06.08.2011
  • RWE behält sich vor zu entscheiden, ob, wie und wann es von einer Stilllegungsgenehmigung auch Gebrauch macht.

24.10.-23.12.2016: Öffentliche Auslegung der Antragsunterlagen. Der Bund Naturschutz fordert, dass die radioaktiv belasteten Anlagen erst demontiert werden dürfen, wenn es ein Endlager für die strahlenbelasteten Kraftwerksbauteile gibt. Ein sogenannter "sicherer Einschluss" müsse geprüft werden. [7]

28.03.2017: Erörterungstermin zum Stilllegungsantrag. Gut 150 Bürger erhoben Einwände. [7]

Der BUND Naturschutz erstellte eine Muster-Stellungnahme zum Abbauantrag. [8]

Genehmigungen:

22.03.2019: Erste Genehmigung nach § 7 Absatz 3 des Atomgesetzes zur Stilllegung und zum Abbau erteilt. [9]

Klagen:

06.12.2016: Urteil des Bundesverfassungsgerichts zur Schadensersatzklage von E.ON wegen der Stilllegung des KRB-II B. Die Stilllegung des AKW durch Änderung des Atomgesetzes begründet keine Enteignung und damit auch keinen Schadensersatz. [10]

Dauer des Rückbaus:

Der Abriss beider Kraftwerksblöcke soll etwa bis 2040 dauern. [11]

Betreiber am 21.03.2019: "Wir haben das Ziel, dass in rund 15 bis 20 Jahren die dann noch stehenden Gebäude aus dem Atomgesetz entlassen werden können; danach werden wir den kompletten Rückbau abschließen." [12]

Rückbau:

Ende Dezember 2019: Bei den rückbauvorbereitenden Maßnahmen, um den notwendigen Platz für einen reibungslosen und sicheren Abbau zu erhalten, werden "im Kraftwerksinneren Raumbereiche freigeräumt und Zugänge geschaffen". Dazu werden Betonwände und Setzsteine, die ursprünglich als Strahlenschutzbarrieren im Einsatz waren, abgebaut und Komponenten abisoliert. [13]

Juli 2019: Schrauben am Turbinengehäuse werden ausgebaut sowie Isolierungen demontiert, um die Komponenten für weitere Abbau-Maßnahmen freizulegen. [13]

September 2018: Seit Anfang des Jahres wurden mehr als 500 Tonnen Betonstrukturen, die als Strahlenabschirmung dienten, aus dem Maschinehaus transportiert, die der uneingeschränkten Freigabe zugeführt wurden. [14]

Kosten:

Der Abriss beider Kraftwerksblöcke soll rund 1,5 Milliarden Euro kosten. [11]

Beitrag zum Entsorgungsfonds:

1.343 Mio. Euro Einzahlung zum 03. Juli 2017 abzüglich im Dezember 2017 ausgezahlte Rückforderung für Entsorgungskosten im ersten Halbjahr 2017: 2,186 Mio. Euro [15]

Hauptkritikpunkte:

Es besteht die Gefahr, dass mit dem Antrag auf Abbau der nicht benötigten Anlagenteile des Blocks B die gesamte Öffentlichkeitsbeteiligung für den Abriss von Block B und C abgehandelt wird.

RWE hatte beantragt, mit dem Rückbau beginnen zu wollen, selbst wenn sich noch Brennelemente im Abklingbecken befinden sollten. Dies ist jedoch mit höherer Strahlenbelastung für das Personal und einem höheren Störfallrisiko verbunden.

Abfälle

 

Brennelemente:

Uran-Brennelemente, Hochabbrand-Uran-Brennelemente, ERU-Brennelemente, MOX-Brennelemente. [16]

Insgesamt sind ca. 1.002 t SM angefallen. [17]

  • Nasslager:

Kapazität für 3.219 Postionen.

Belegung 31.12.2015: 2.324 Brennelemente [18]

März 2018: Alle 784 Brennelemente wurden aus dem Reaktordruckbehälter entladen und in das Abklingbecken gesetzt. [19]

November 2018: Zwei innerbetriebliche Transporte von nur teilweise genutzten Brennelementen (BE) vom abgeschalteten Block B in den Block C. Der weitere Einsatz dieser BE aus Block B in Block C ist möglich, da in beiden Blöcken baugleiche BE genehmigt sind. [20]

Februar 2019: Ein CASTOR-Behälter mit abgebrannten Brennelementen wurde aus dem Block B in das Standortzwischenlager transportiert, zudem weitere Quertransporte mit teilabgebrannten Brennelementen von Block B nach Block C. [21]

  •  Externes Lager:

Gemeinsames Standort-Zwischenlager mit Gundremmingen C

Betriebsabfälle: [22]

Gemeinsame Lagerung der Betriebsabfälle mit Gundremmingen C

Genehmigung nach §7 AtG für 300 m³ konditionierte Abfälle und 1.305 m³ flüssige Abfälle

Bestand Gundremmingen B und C zusammen (Stand 31.12.12): 1.238 m³

  • Reaktorgebäude:

Genehmigung durch die 10. TG am 22.02.1984 an den im technischen Bericht in der jeweils gültigen Fassung angegebenen Lagerorten

  • Externes Lager:

Gundremmingen besitzt kein externes Zwischenlager für schwach- und mittelradioaktive Abfälle. Die Abfälle werden u.a. in das Zwischenlager Mitterteich gebracht.

  • Inventar:

 

Rohabfälle und vorbehandelte Abfälle, Bestand für Blöcke A, B, C (Stand 31.12.2019): [23]

  • Feste Abfälle, anorganisch: 58,1 t
  • Feste Abfälle, organisch: 11,8 t
  • Flüssige Abfälle, anorganisch: 1 t
  • Flüssige Abfälle, organisch: 0,4 t
  • Mischabfälle: 25,9 t
  • Strahlungsquelle: 0,2 t

Konditionierte Abfälle

  • 200-l-Fässer: 430 (160 m³)
  • Sonstiges: 1 (<1 m³)

Abfälle in Endlagergebinden

  • Container Typ IV: 122 (903 m³)
  • Container Typ V: 1 (11 m³)
  • Gussbehälter Typ II: 13 (17 m³)

120 der am Standort lagernden Gebinde wurden bereits an die BGZ übergeben. [24]

Verbringung von Abfällen:

  1. Wiederaufarbeitung: 1.112 Brennelemente (195 t SM) wurden nach Sellafield (GB) und La Hague (F) verbracht. [25]
  2. TBL Ahaus: 3 Behälter mit insgesamt 156 Brennelementen (26,4 t SM) CASTOR® V/52 aus dem AKW Gundremmingen C. Einlagerung März 1998 [25]
  3. Morsleben: Gundremmingen B und C zusammen 456 m³ [2]
  4. Mitterteich: Gundremmingen B und C zusammen  1.457 m³ (Stand 31.12.2012) [25]
  5. Externe Konditionierung: Am 31.12.2012 waren 11 m³ radioaktive Abfälle aus Gundremmingen B und C zusammen in externen Konditionierungsanlagen. [25]

Transporte:

 

zur Anlage:

Extern konditionierte schwach- und mittelradioaktive Abfälle, Strahlenquellen.

von der Anlage:

Radioaktive Rohabfälle, konditionierte radioaktive Abfälle, Strahlenquellen

Gleisanschluss:

Vorhanden

Adressen

 

Betreiber:

Kernkraftwerk Gundremmingen GmbH
Dr.-August-Weckesser-Str. 1, 89355 Gundremmingen
Tel.: 08224 78-1, Fax: 08224 78-2900
kontakt(at)kkw-gundremmingen.de, www.kkw-gundremmingen.de

PreussenElektra GmbH
Treschowstraße, 30457 Hannover
Tel.: 0511 439-03
info(at)preussenelektra.de, www.preussenelektra.de

RWE Power AG
Huyssenallee 2, 45128 Essen
Tel.: 0201 12-01, Fax: 0201 12-24313
www.rwe.com

Behörden:

Bayerisches Staatsministerium für Umwelt und Verbraucherschutz (StMUV)
Rosenavalierplatz 2, 81925 München
Postanschrift: Postfach 810140, 81901 München
Tel.: 089 9124-00, Fax: 089 9124-2266
poststelle(at)stmuv.byern.de, www.stmuv.bayern.de

Bayerisches Landesamt für Umwelt (LfU)
Bürgermeister-Ulrich-Straße 160, 86179 Augsburg
Postanschrift: 86177 Augsburg
Tel.: 0821 9071-0, Fax: 0821 9071-5556
poststelle(at)lfu.bayern.de, www.lfu.bayern.de

Kritiker*innen:

Mahnwache Gundremmingen
Kontakt: Thomas u. Carola Wolf
Hauptstraße 204, 89343 Jettingen-Scheppach
Tel.: 08225 1282
info(at)mahnwache-gundremmingen.de, www.mahnwache-gundremmingen.de

Verein FORUM Gemeinsam gegen das Zwischenlager und für eine verantwortbare Energiepolitik e.V.
Kontakt: Uli Brenner, Dorfstr. 22, 89438 Holzheim
buero(at)atommuell-lager.de, www.atommuell-lager.de

Quellen

[1]  rwe: Kernkraftwerk Gundremmingen, abgerufen am 20.12.2021

[2] Deutscher Bundestag: Antwort auf die schriftliche Anfrage der Abgeordneten Kotting-Uhl, Drucksache 16/12182 vom 06.03.2012, S. 60 ff.

[3] contratom.de: Sicherheitsexperten: Das AKW Gundremmingen ist nicht sicher, 31.07.2013

[4] base.bund.de: Kernkraftwerke in Deutschland: Meldepflichtige Ereignisse seit Inbetriebnahme

[5] base.bund.de: Laufzeiten und Elektrizitätsmengen deutscher Kernkraftwerke, abgerufen am 12.1.2021

[6] RWE: Kernkraftwerk Gundremmingen (KRB II): Antrag nach §7 Abs. 3 Atomgesetz auf Abbau von Anlagenteilen des Blocks B des KRB II, Essen 11.12.2014

[7] swp.de, 21. März 2019: Darum warnen Umweltschützer vor Abriss von Block B

[8] bund-naturschutz.de: AKW Gundremmingen

[9] Bayerisches Staatsministerium für Umwelt und Verbraucherschutz, 21.03.2019: Abbau des Kernkraftwerks Gundremmingen B kann beginnen

[10] Bundesverfassungsgericht: Urteil des 1. Senats vom 06.12.2016, 1 BvR 2821/11

[11] bayernkurier.de, 28.12.2019: Der Letzte macht das Licht aus

[12] Kernkraftwerk Gundremmingen GmbH, 21.03.2019: Genehmigung für Stilllegung und Abbau von Block B erhalten

[13] Kernkraftwerk Gundremmingen: Betriebsbericht Nr. 3 / 2019 vom 08.07.2019

[14] Kernkraftwerk Gundremmingen: Betriebsbericht Nr. 6 / 2018 vom 28. September 2018

[15] Fonds zur Finanzierung der kerntechnischen Entsorgung - Geschäftsbericht zum 31.12.2017

[16] ESK-Stellungnahme: Anforderungen an bestrahlte Brennelemente aus entsorgungstechnischer Sicht, 27.05.2011

[17] Wolfgang Neumann: Bestandsaufnahme Atommüll 2013 in: BI Lüchow-Dannenberg „Zur Sache Nr.2“, August 2013, S. 24

[18] Bayerischer Landtag, Antwort auf die schriftliche Anfrage (SPD): „Anfall und Verbleib radioaktiver Abfälle von kerntechnischen Anlagen in Bayern“ Drucksache 16/16718 vom 19.06.2013

[19] Kernkraftwerk Gundremmingen: Betriebsbericht Nr. 4 / 2018 vom 9. Mai 2018

[20] Kernkraftwerk Gundremmingen: Betriebsbericht Nr. 7 / 2018 vom 13. Dezember 2018

[21] Kernkraftwerk Gundremmingen: Betriebsbericht Nr. 1 / 2019 vom 25. Februar 2019

[22] Deutscher Bundestag: Antwort auf die Kleine Anfrage (Grüne): „Atommüll – Fragen zur Lagerung von schwach- und mittelradioaktiven Abfällen und diesbezüglichen Korrosionsproblemen (verrostete Atommüllfässer)“ Drucksache 17/9592 vom 09.05.2012

[23] Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit: „Verzeichnis radioaktiver Abfälle – Bestand zum 31. Dezember 2019 und Prognose“

[24] Deutscher Bundestag: Antwort der Bundesregierung auf die Kleine Anfrage der Abgeordneten Hubertus Zdebel, Victor Perli, Lorenz Gösta Beutin, weiterer Abgeordneter und der Fraktion DIE LINKE: Kosten und Verteilung schwach- und mittelradioaktiver Abfälle in den Zwischenlager der Bundesgesellschaft für Zwischenlagerung mbH, Drucksache 19/32620, 29.09.2021

[25] Bayerischer Landtag, Antwort auf die schriftliche Anfrage (SPD): „Anfall und Verbleib radioaktiver Abfälle von kerntechnischen Anlagen in Bayern“ Drucksache 16/16718 vom 19.06.2013