AKW Würgassen

Foto: Puschel62, Wikipedia

Anlage

 

Name der Anlage:

KWW – Kernkraftwerk Würgassen

Bundesland:

Nordrhein-Westfalen

Betreiber:

PreussenElektra GmbH

Eigentümer:

PreussenElektra GmbH(100%)

MitarbeiterInnen:

13 [1] 

Reaktortyp:

Siedewasserreaktor, 1. Generation

Leistung, elektrisch:

670 MW brutto, 640 MW netto

Baubeginn:

1967

Inbetriebnahme:

Kommerzieller Leistungsbetrieb ab 11.11.1975

Entsorgungsvorsorge-nachweis:

„Bis Ende des Jahres 1978 wurden die schwach- und mittelradioaktiven Abfälle aus dem KKW in das Salzbergwerk Asse II gebracht. Nachdem die versuchsweise Endlagerung im Salzbergwerk Asse eingestellt wurde, hat die Preussenelektra die radioaktiven Abfälle zunächst in den dafür vorgesehenen Lagern innerhalb des Kernkraftwerks gelagert.“
(19. Erg. zum Bescheid 7/9 09.02.1981) [2] 

Genehmigungs- und Aufsichtsbehörde:

Ministerium für Wirtschaft, Energie, Industrie, Mittelstand und Handwerk Nordrhein-Westfalen (MWEIMH)

Umgebungs-überwachung:

Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz (LANUV)

Besondere Gefahren:

Das AKW Würgassen war nicht gegen Flugzeugabstürze gesichert. 1966 und 1968 Absturz je eines Hubschraubers und 1978 und 1982 Absturz je eines britischen Kampfflugzeuges Phantom in der Nähe des AKW. [3] 

1992 wird erstmals bekannt, dass Haarrisse im Kühlrohrsystem aufgetreten sind. Im Zuge der Jahresrevision 1994 werden weitere Haarrisse im Kernmantel am Reaktorkern entdeckt, was letztlich zur endgültigen Stilllegung geführt hat. [4]

Meldepflichtige Ereignisse:

282 (Stand 31.01.2020) [5] 

Stilllegung

 

Außerbetriebnahme:

26.08.1994 wegen Haarrissen im Kernmantel am Reaktorkern. Die Aufsichtsbehörde forderte den Austausch des Stahlzylinders. Daraufhin erklärte E.ON, das AKW aus Kostengründen stillzulegen. [6] 

Stilllegung:

14. April 1997

Genehmigungen:

14.04.1997: Phase 1 - Abbau erster Anlagenteile im Maschinenhaus, Reaktorgebäude und UNS-Gebäude

06.01.1998: Phase 2 – Demontage von Komponenten des Frischdampf- und Speisewassersystems im Reaktorgebäude sowie der Notkühlsysteme

14.07.1999: Phase 3 - Zerlegung von „beweglichen“ Einbauten des Reaktordruckgefäßes im Brennelementlagerbecken, Freimessarbeiten im UNS-Gebäude

06.09.2002: Phasen 4 und 5 - Abbau von Reaktordruckgefäß, Biologischer Schild, Infrastruktur im Kontrollbereich, das UNS-Gebäude wird Zwischenlager [7]

Rückbau:

29.08.2014. Nach 17 Jahren Rückbau (ursprünglich geplant 12 Jahre) wurde das AKW Würgassen freigemessen. E.ON erklärte damit den Rückbau des AKW für beendet. Eine „Grüne Wiese“ ist dabei nicht entstanden. Tatsächlich bleibt das 60 m hohe Kraftwerksgebäude bestehen und wird als Zwischenlager für schwach- und mittelradioaktive Abfälle weiter betrieben. [8]

Meldepflichtige Ereignisse während des Rückbaus:

04.07.1996: Fehlerhaftes Verhalten eines Transformators
26.10.1998: Kontamination des Zusatzwassersystems
06.05.2006: Ausfall der Krananlage der Konzentrataufbereitung
04.09.2007: Beschädigung von Kran-Steuerkabeln
04.10.2007: Befunde an zwei Leistungsschaltern
31.10.2007: Nichtschließen eines brandschutztechnischen Hubschotts
15.12.2009: Funktionsstörung im Hubtor des Zwischenlagers [9] 

Kosten:

Der Rückbau kostete 1,2 Mrd. € und wurde vom Betreiber bezahlt [8]

(zum Vergleich: Baukosten ca. 250 Mio. €)

Abfälle

 

Brennelemente:

30.06.1996: letzter Abtransport bestrahlter Brennelemente

09.11.1996: letzter Abtransport frischer Brennelemente, die an die General Electric verkauft wurden. [7]

Insgesamt sind 346 t SM angefallen [10] 

Rückbauabfälle:

Nicht-nuklearer Teil 168.600 t

Nuklearer Teil 255.000 t:

  • rund 220.000 t Gebäudemassen zum Abriss,
  • rund 7.400 t, die in KONRAD endgelagert werden müssen,
  • rund 8.200 t, die durch Rezyklierung wiederverwendet wurden
  • rund 6.100 t, die zweckgerichtet freigegeben wurden (Deponierung oder thermische Verwertung),
  • rund 13.300 t, die uneingeschränkt freigegeben wurden [11]

Konditionierung:

Die Abfälle wurden zur Dekontamination ins Forschungszentrum Karlsruhe oder Jülich, zum Hochdruckverpressen und Betonieren zur Gesellschaft für Nuklear-Service (GNS), zum Einschmelzen zur Firma Siempelkamp und zum Verbrennen nach Studsvik (Schweden) gebracht. [12] 

Behandlung des Verdampferkonzentrats aus dem AKW Würgassen im AKW Stade in der mobilen Trocknungsanlage FAVORIT IV der GNS, da die Einrichtung in Würgassen demontiert wurde. Zwischenlagerung im Fasslager Gorleben [13] 

2004: Aufbau einer eigenen Konditionierungsstraße in Würgassen, u.a. zur Hochdruckverpressung [7]

Zwischenlager AKW Würgassen:

Im Zuge des Rückbaus wurde das leergeräumte UNS-Gebäude (Gebäude für das „unabhängige Nachkühlsystem“) und das Transportbehälterlager (jetzt Transportbereitstellungshalle) in ein Abfall-Zwischenlager umgewidmet.

Verbringung der Abfälle:

  1. Wiederaufarbeitung: alle Brennelemente der gesamten Betriebszeit, 1.989 Brennelemente  (346 t SM) wurden in die Wiederaufarbeitung nach La Hague und Sellafield verbracht. [10]
  2. ASSE II: 4.239 Gebinde [14] 
  3. Morsleben: 2.510 m3; 1998 werden an einem Fass aus Würgassen 7,45 Bq/cm² gemessen. Der zulässige Grenzwert liegt bei 5 Bq/cm² [15] 
  4. Fasslager Gorleben
  • 200-l-Fässer: 23
  • 280-l-Fässer: 88
  • 400-l-Fässer: 1
  • Container Typ IV: 16
  • Container Typ V: 8
  • Container Typ VI: 30 [16]
    Am 02.11.1985 wurde ein Fass aus Würgassen zurückgewiesen, da die Strahlung zu hoch war. [17]   
  1. Ahaus: 70 Abfallgebinde mit Mischabfällen, Ionenaustauschharzen, Filterhilfsmitteln, Metallen, Bauschutt und festen anorganischen Abfällen [18]
  1. Zentraldeponie Cröbern (Sachsen):  2012 – 2015 1.000 t/Jahr vertraglich vereinbart. [19] 2015 erklärte der Deponiebetreiber, nur noch den Altvertrag zu erfüllen und trotz Anfragen 2016 keine freigemessenen Abfälle mehr einzulagern. [20]  
  2. Sondermüll-Boden-Verbrennungsanlage Herne: 195 t Pyrolyse von PCB-haltigem, freigemessenem Bauschutt [21]
  3. Mineralstoffdeponie Norgam (Schöningen / Niedersachsen) 1.500 t zur Deponierung [22]
  4. Abfallentsorgungsanlage Beverungen-Wehrden (NRW): 1.600 t [22]
  1. AVG Hamburg: Verbrennung von 199 t [22]
  2. Remondis Industrie Service GmbH (vorher RWE Umwelt Bramsche GmbH) (Bramsche / Niedersachsen): Verbrennung von 7 t [22]

Transporte

 

  • zur Anlage:

Extern konditionierte schwach- und mittelradioaktive Abfälle

  • von der Anlage:

Radioaktive Rohabfälle, konditionierte radioaktive Abfälle

  • Gleisanschluss:

Vorhanden

Adressen

 

Betreiber:

PreussenElektra GmbH
Zum Kernkraftwerk 25, 37688 Beverungen
Tel.: 05273 38-2436
Zentrale: Tresckowstraße 5, 30457 Hannover
info@preussenelektra.de, www.preussenelektra.de
   

Behörden:

Ministerium für Wirtschaft, Innovation, Digitalisierung und Energie des Landes NRW (MWIDE)
Berger Allee 25, 40213 Düsseldorf
Tel.: 0211 61772-0, Fax: 0211 61772-777
poststelle(at)mwide.nrw.de, www.wirtschaft.nrw

 

Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz Nordrhein-Westfalen (LANUV)
Leibnizstr. 10, 45659 Recklinghausen
Tel.: 02361 305-0, Fax: 02361 305-3215
poststelle(at)lanuv.nrw.de, www.lanuv.nrw.de

Kritiker*innen:

Bürgerinitiative gegen atomaren Dreck im Dreiländereck
https://atomfreies-dle.jimdofree.com

 

Quellen

[1] Preussenelektra.de: Kernkraftwerk Würgassen, abgerufen am 29.03.2020

[2] Deutscher Bundestag: Antwort auf die schriftliche Anfrage der Abgeordneten Kotting-Uhl, Drucksache 16/12182 vom 06.03.2012, S. 60 ff.

[3] Deutscher Bundestag: Antwort der Bundesregierung auf die Kleine Anfrage des Abgeordneten Stratmann und der Fraktion Die Grünen „Besondere Sicherheitsrisiken durch den Betrieb des Atomkraftwerks Würgassen (Nordrhein-Westfalen)“, Drucksache 10/3167, 11.04.1985

[4] Ministerium für Wirtschaft, Mittelstand und Technologie: „Bericht an den Ausschuss für Wirtschaft, Mittelstand und Technologie „Kernkraftwerk Würgassen“, 28.10.1994

[5] base.de: Kernkraftwerke in Deutschland: Meldepflichtige Ereignisse seit Inbetriebnahme

[6] „Kernkraftwerk Würgassen wird aus wirtschaftlichen Gründen stilllgelegt“, Udo Leuschner: energie-chronik, Juni 1995

[7] E.ON Kernkraft: Kernkraftwerk Würgassen - 12 Jahre erfolgreicher Rückbau, 09/2009

[8] Karsten Krogmann: „Erster Rückbau in Deutschland - Die grauen Reste des Atomzeitalters“ nwz online, 23.10.2014

[9] nadir.org: Chronik AKW Würgassen

[10] Wolfgang Neumann: Bestandsaufnahme Atommüll 2013 in: BI Lüchow-Dannenberg „Zur Sache Nr.2“, August 2013, S. 24

[11] PreussenElektra: Themenschwerpunkt Entsorgung der Massen aus dem Rückbau des Kernkraftwerks Würgassen, Stand März 2020

[12] Wikipedia.de: AKW Würgassen (Abgerufen am 19.12.2017)

[13] Niedersächsisches Ministerium für Umwelt und Klimaschutz: „Genehmigungsbescheid für das Kernkraftwerk Stade (KKS) (Bescheid 2/2008): Umgang mit sonstigen radioaktiven Stoffen aus dem Kernkraftwerk Würgassen“, 07.03.2008

[14] Greenpeace: „Tabelle Asse-Inventar“

[15] Deutscher Bundestag: Antwort auf die schriftliche Anfrage der Abgeordneten Kotting-Uhl, Drucksache 16/12182, 06.03.2012, S. 60 ff.

[16] Deutscher Bundestag: Antwort auf die schriftliche Anfrage der Abgeordneten Lötzer, Drucksache 17/14270 vom 28.06.2013, S. 62 ff.

[17] „Zwischenlager weist Faß mit Atommüll zurück“ Braunschweiger Zeitung, 02.11.1985

[18] Landtag Nordrhein-Westfalen, Antwort auf die Kleine Anfrage (Linke): „Nuklearer Abfall aus dem stillgelegten AKW Würgassen“, Drucksache 15/4280, 13.03.2012

[19] Sächsisches Staatsministerium für Umwelt und Landwirtschaft, Antwort auf die Kleine Anfrage (Grüne): „Ablagerungen von radioaktiven Abfällen und radioaktiv strahlendem Bauschutt auf sächsischen Mülldeponien“, 25.09.2014

[20] Uwe Kuhr: „Sachsens Deponien machen für AKW-Schutt dicht“, Freie Presse, 22.06.2015

[21] „Entsorgung PCB-haltigen Bauschutts aus Atomkraftwerk – Firma beruhigt Bürger“, WAZ online, 25.04.2013

[22] BBU: Deponietabelle, Stand September 2018