ZESAM Munster

Anlage

 

Name der Anlage:

Zentrale Sammelstelle für radioaktive Abfälle der Bundeswehr (ZESAM)

Bundesland:

Niedersachsen

Betreiber:

Bundeswehr: Wehrwissenschaftliches Institut für Schutztechnologie – ABC Schutz (WIS)

Sitz:

Munster

MitarbeiterInnen:

ca. 220 [1] 

Genehmigungs- und Aufsichtsbehörden:

Bundesministerium für Verteidigung

Bundesamt für Ausrüstung, Informationstechnik und Nutzung der Bundeswehr (BAAINBw)

Der Umgang mit radioaktiven Stoffen bei der Bundeswehr ist der zivilen Aufsicht und damit der öffentlichen Kontrolle entzogen. [2]

Genehmigung:

Nicht öffentlich

Aufgaben des WIS: [1]

  • Betrieb der zentralen Sammelstelle für radioaktive Abfälle aus dem Bereich der Bundeswehr
  • Management bei der Projektierung, Einführung und Nutzung von Wehrmaterial im ABC- und Brandschutz
  • Integrierte Nachweisführung (ABC- Brandschutz und Wasseraufbereitung)
  • Bearbeitung und selbständige Durchführung von F & T-Vorhaben im ABC-, Brand- und EME-Schutz
  • Betrieb der Gefahrstoffmessstelle Nord
  • Betrieb des Referenzlabors für das Chemie-Waffen-Übereinkommen (CWÜ)
  • Vertretung des Rüstungsbereiches in Fragen des ABC- und Brandschutzes in nationalen und internationalen Gremien
  • Ausbildung und Schulung der Teilstreitkräfte (TSK) (Einsatzunterstützung) in Sonderfragen des ABC-Schutzes
  • Unterstützung der Bundeswehr in Fragen des Umweltschutzes, des Strahlenschutzes und der Arbeitssicherheit.

Einrichtungen: [3]

  • A-Detektionslabor mit Messsystemen zum Aufspüren, Detektieren und Identifizieren von radioaktivem Material
  • Gamma-, Röntgen- und Neutronenlabor zur Kalibrierung von Messsystemen
  • Radiografie mit moderner Speicherfolientechnik
  • Neutronengenerator (14 MeV) zur Aktivierung von Kontaminations-Übungs-Stoffen und zur Neutronenaktivierungsanalyse
  • Freifeld-Schlauchquellensystem zur Fallout-Schutzfaktormessung und Bestimmung des Freifeld-Kalibrierfaktors
  • Radiologische physikalische Messsysteme zur zerstörungsfreien Untersuchung nach dem Chemie-Waffen-Übereinkommen (CWÜ)
  • 6 MV Gammablitzanlage (GBA) und Co-60-Bestrahlungseinrichtung (BSA 2000)
  • Neutronengenerator zum Testen von einzelnen Bauelementen
  • Nutzung der Forschungsneutronenquelle FRM II der TU München
  • Pyrotechnischer Freifeld-Hitzeblitzsimulator für Systemtests
  • 2 Laborsimulatoren mit Hochleistungs-Xenon-Lampen für Materialuntersuchungen
  • Optische Messsysteme, Temperaturmesssysteme, Strahlungsmessung, Videoaufzeichnung
  • Finite Elemente Code: NX NASTRAN for FEMAP®
  • Dekontaminationshalle für Versuche im Großmaßstab und für die Unterstützung der Ausbildung der ABC-Abwehrtruppe
  • Radiochemisches Technikum zur Durchführung von Kontaminations-/Dekontaminations-Untersuchungen, auch im Einsatzmaßstab, mit kurzlebigen offenen radioaktiven Stoffen unter optimalen Sicherheits- und Strahlenschutzbedingungen, Radionuklidlaboratorien nach DIN 25425
  • Darüber hinaus gibt es weitere Einrichtungen für biologische und chemische Kampfstoffe

Besondere Gefahren:

Radioaktive Leuchtfarbe: Während die Verwendung von Radium-226 in der Konsumgüterindustrie in den 1960er Jahren eingestellt wurde, wurde Radium-226 trotz anderslautender Verordnung weiterhin eingesetzt, mit entsprechenden Spätfolgen bei den Bundeswehrangehörigen. [4] 

Radar: 2015 erließ das Bayerische Landessozialgerichts ein rechtskräftiges Urteil, dass die Bundeswehr die Krebserkrankung eines Radarmechanikers als Folge seiner Belastung durch Röntgenstrahlung und radioaktiver Leuchtfarbe anerkennen muss. Immer wieder hatten frühere Radarmechaniker nach einer Krebserkrankung versucht, Entschädigung zu bekommen. Knapp 3000 Fälle seien von der Bundeswehrverwaltung bisher bearbeitet worden. [5] 

Darüber hinaus gibt es keine öffentlich zugänglichen Informationen über besondere Vorkommnisse bei der Bundeswehr. Auch die Auseinandersetzung um die beiden genannten Fälle war für die Opfer sehr langwierig. Die andauernde Verwendung offener radioaktiver Leuchtfarbe und der Zusammenhang zwischen der Strahlenexposition und den Krankheiten wird von der Bundeswehr konsequent geleugnet.

Stilllegung

 

Befristung:

Unbefristete Genehmigung [6]

Abfälle

 

Sammelstellen:

Die Bundeswehr hat Sammelstellen für radioaktive Abfälle bei den Wehrbereichskommandos und kann bei Bedarf Zwischensammelstellen einrichten. Die Abfälle werden dann zur Zentralen Sammelstelle für radioaktive Abfälle der Bundeswehr (ZESAM) nach Munster gebracht. Dort werden sie dekontaminiert und freigegeben oder konditioniert und als Abfälle bis zu einer späteren Endlagerung zwischengelagert.

Inventar (Stand 31.12.2014): [6]

Rohabfälle und vorbehandelte Abfälle

  • Feste Abfälle, anorganisch: 180,0 t
  • Feste Abfälle, organisch: 0,6 t
  • Strahlungsquellen: 0,2 t

Bekannte Ereignisse:

Es gibt keine Informationen über Störfälle

Verbringung von Abfällen:

  1. ASSE II: 236 Behälter mit festen und verfestigten Abfällen. [7] Lieferscheinen zufolge handelte es sich bei den Abfällen unter anderem um radioaktives Verdampferkonzentrat, kontaminiertes Papier sowie kontaminierte Rohre und Plastikteile. Das BfS nannte darüber hinaus Leuchtfarben, Armaturen und Kompasse mit radiumhaltigen Leuchtziffern, die von der Bundeswehr in das Bergwerk geschafft worden seien. [8]
  2. Morsleben: 80 m³ [9]

Transporte

 

  • zur Anlage:

Rohabfälle aus dem Bereich der Bundeswehr

  • von der Anlage:

Freigegebene Abfälle

Adressen

 

Behörden:

Bundesministerium der Verteidigung, Fontainengraben 150, 53123 Bonn, Postanschrift: Postfach 1328, 53003 Bonn, Tel: 0228 / 9924-00, www.bmvg.de

Betreiber:

Wehrwissenschaftliches Institut für Schutztechnologien - ABC-Schutz (WIS), Humboldtstraße 100, 29633 Munster, Tel.: 05192 / 136-201, Fax: 05192 / 136-355, www.baainbw.de

Quellen:

[1] www.baainbw.de: Portrait des WIS

[2] Reaktorsicherheits-Handbuch: Dienstvorschrift des Bundesministeriums der Finanzen Radioaktive Stoffe SV 02 12-5 vom 27. März 2015

[3] Wehrwissenschaftliches Institut für Schutztechnologie – ABC Schutz: “Forschen – Prüfen – Beraten Für die Sicherheit unserer Soldaten”, Dezember 2015

[4] „Militär: Hundertfaches Risiko“, Der Spiegel, 04.10.2004

[5] „Sozialgericht: Bundeswehr muss Krebs bei Radarmechnaiker als Berufserkrankung anerkennen“, spiegel-online, 07.05.2015

[6] Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit: „Verzeichnis radioaktiver Abfälle – Bestand zum 31. Dezember 2014 und Prognose“ vom August 2015

[7] Greenpeace: Tabelle ASEE-Inventar

[8] “Strahlender Bundeswehrabfall - Radioaktives Krypton in der Asse”, die Tageszeitung 04.04.2012

[9] Deutscher Bundestag: Antwort auf die schriftliche Anfrage der Abgeordneten Lötzer, Drucksache 17/14270 vom 28.06.2013, S. 62 ff.