Zwischenlager Nord 1-7

Foto: Felix Koenig, Wikipedia

Anlage

 

Name der Anlage:

ZLN – Zwischenlager Nord (auch Zwischenlager Lubmin)

Bundesland:

Mecklenburg-Vorpommern

Betreiber:

Entsorgungswerk für Nuklearanlagen GmbH (EWN)

Eigentümer:

Bundesrepublik Deutschland (Bundesminsterium für Finanzen)

Genehmigungs- und aufsichtsbehörde:

Für die Hallen 1-7: Ministerium für Inneres und Europa Mecklenburg-Vorpommern (IM)

Umgebungs-überwachung:

Landesamt für Umwelt, Naturschutz und Geologie (LUNG)

Bauweise:

Ein Gebäude für alle Arten radioaktiver Abfälle: Hallen 1-7 für schwach- und mittelradioaktive Abfälle, Halle 8 für Kernbrennstoffe.

Außenwände 70 cm, Innenwände 30 cm, Dach ca. 55 cm stark [1]

Inbetriebnahme: März 1998

Kosten:

Gesamtkosten ZLN: Errichtung 240 Mio. € aus dem Bundeshaushalt [2]

Genehmigung:

20.02.1998: Genehmigung nach §7 StrlSchV für 165.000 m3, max. 4,5 x 1017 Bq.

Ursprünglich erlaubte die Genehmigung nur die Einlagerung von Betriebs- und Stilllegungsabfällen aus den stillgelegten Atomkraftwerken Greifswald und Rheinsberg.

Änderungsgenehmigung vom 11.12.2007: Lagerung radioaktiver Stoffe aus anderen kerntechnischen Anlagen wie Leichtwasserreaktoren. [3]

Ausweitung auf Müll aus Gesamt-Deutschland:

Die EWN GmbH, die für den Abriss der AKW Greifswald und Rheinsberg, des AVR Jülich, sowie der Altlasten in Karlsruhe verantwortlich ist, baut den Standort Lubmin zu einem bundesdeutschen Abfallbehandlungszentrum aus. Sie zerlegt, dekontaminiert und konditioniert seit Jahren Abfälle aus westdeutschen Atomanlagen. Der Versuch, Betreiberin der ASSE II zu werden, scheiterte 2009. [4]

2011 erstellte der Regionale Planungsverband Vorpommern ein Raumordnungsprogramm, wonach im ZLN "vorrangig" ostdeutscher Atommüll gelagert und bearbeitet werden soll. Das mecklenburg-vorpommersche Entwicklungsministerium änderte den Passus in „ausschließlich“ Abfälle aus Greifswald und Rheinsberg. Dagegen klagte die EWN GmbH. Das Oberverwaltungsgericht (OVG) Greifswald entschied am 28.02.2013, dass es sich dabei nur um eine politische Absichtserklärung ohne rechtlich verbindliche Wertung handle. Daher sei die Klage unzulässig, weil die EWN GmbH nicht in ihren Rechten verletzt werde. Sie verlor zwar den Prozess, darf aber ungehindert weiter Abfälle aus anderen Atomanlagen nach Lubmin holen. [5]

Konditionierung:

Als Verarbeitungsstation ist das ZLN so ausgelegt, dass mit Ausnahme von Kernbrennstoffen nahezu alle anfallenden radioaktiven Reststoffe und Abfälle bearbeitet werden können." [2] Zusätzlich befindet sich die Zentrale Aktive Werkstatt (ZAW) und die Zentrale Dekontaminations- und Wasseraufbereitungsanlage am Standort.

 

  • Trocknungsanlage PETRA: Trocknung von radioaktiven Abfällen in 200-l-Fässern, 280-l-Fässern, 400-l-Fässern oder 580-l-Fässern
  • Hochdruck-Hydraulikpresse FAKIR: Hochdruckverpressung von Abfällen in 180-l-Pressfässer bzw. 200-l-Fässer, Volumenreduzierung bis Faktor 10
  • Metallschneideanlage MARS: Verdichtung (Verpressung) und Zerschneiden von Metallteilen, die anschl. eingeschmolzen werden
  • Deko-Wanne: chemische Dekontamination
  • Verdampferanlage: Verarbeitung radioaktiver Flüssigabfälle, Durchsatz 1 m3/h
  • Rotationsdünnschichtverdampferanlage (RDVA): Verarbeitung radioaktiver Flüssigabfälle, Durchsatz 200-250 l/h
  • Bandsäge, Vertikale Längsschnittbandsäge, hydraulische Schere: Zerschneidung von Restabfällen
  • Kabel-Abisolier-Maschine: Kabelisolierungen entfernen, Schälbereich 1,5 bis 90 mm
  • Plasmaschneideanlage: Zerlegung austenitischer (wärme- und korrosionsbeständiger) Stähle
  • Thermische Zerlegekabine
  • Hochdruck-Nassstrahl- und Trocken-Strahl-Anlage: Zerlege-, Schneid- und Dekontaminierungsarbeiten [6]

Stilllegung

Befristung:

Für die Lagerung von schwach- und mittelradioaktiven Abfällen in den Hallen 1-7 sowie für die Konditionierungseinrichtungen gibt es keine Befristung.

19.09.2018: Das Innenministerium verlängert die Zwischenlagerungsgenehmigung für radioaktive Abfälle aus anderen Atomanlagen auf 10 Jahre vor der Behandlung/Konditionierung (vorher 5 Jahre). Nach der Behandlung/Konditionierung dürfen diese Abfälle unverändert 5 Jahre im ZLN gelagert werden. 2011 war ein Antrag der EWN auf unbefristete Lagerung vom IM abgelehnt worden. Die jetzt gültige Regelung ist Ergebnis einer Einigung nach einem Rechtsstreit. [7]

Abfälle

Inventar (Stand 31.12.2017): [8]

Rohabfälle und vorbehandelte Abfälle

  • Feste Abfälle, anorganisch: 3.952,8 t
  • Feste Abfälle, organisch 4,4 t
  • Flüssige Abfälle, anorganisch 3,1 t
  • Mischabfall 5,1 t
  • Strahlungsquellen 1,4 t

Konditionierte Abfälle

  • 200-l-Fässer: 11.020 (2.975 m³)
  • 280-l-Fässer: 34 (13 m³)
  • 400-l-Fässer: 114 (59 m³)
  • 570-l-Fässer: 18 (14 m³)
  • Gussbehälter Typ II: 10 (13 m³)

Abfälle in Endlagergebinden

  • Betonbehälter Typ I: 56 (67 m³)
  • Container Typ IV: 523 (3.739 m³)
  • Gussbehälter Typ II: 3 (4 m³)

In den Hallen 1-5 werden v.a. Container, in den Hallen 5 und 6 Großkomponenten gelagert, die abklingen und zerteilt werden sollen.

Die Abfälle aus anderen Anlagen umfassen u.a.:

  • Großkomponenten wie zwei Dampferzeuger, Hauptkühlmittelpumpen, Druckhalter, Hauptkühlmittelleitung und Armaturen aus dem AKW Obrigheim
  • Druckbehälter, Kühlmaschinen und Notstromdiesel aus dem AKW Niederaichbach [9]

Verbringung von Abfällen:

Morsleben: 1 m3 [10]

Transporte

 

  • zur Anlage:

Konditionierte Abfälle von den AKW Greifswald und Rheinsberg, Radioaktive Rohabfälle und Großkomponenten von anderen Anlagen zur Konditionierung und Lagerung

  • von der Anlage:

Konditionierte Abfälle

  • Gleisanschluss:

Vorhanden

Adressen

 

Betreiber:

EWN - Entsorgungswerk für Nukelaranlagen GmbH, Latzower Straße 1, 17509 Rubenow, Tel: 038354 / 4-0, Fax: 038354 / 22458, poststelle@ewn-gmbh.de, www.ewn-gmbh.de

Behörden:

Ministerium für Inneres und Europa Mecklenburg-Vorpommern, 19048 Schwerin, Tel.: 0385 / 588-0, Fax: 0385 / 588-2972, poststelle@im.mv-regierung.de, www.regierung-mv.de/Landesregierung/im

Landesamt für Umwelt, Naturschutz und Geologie (LUNG), PF 13 38, 18263 Güstrow, poststelle@lung.mv-regierung.de, www.lung.mv-regierung.de

Quellen

[1] EWN: Ein Gebäude - zwei Lager

[2] ewn-gmbh.de: Zwischenlager Nord (ZLN) - Abfalllager

[3] Bundesamt für Strahlenschutz: "Statusbericht zur Kernenergienutzung in der Bundesrepublik Deutschland 2012" vom Juli 2013

[4] „Abschaltung der Atombehörde, Teil II“, Der Tagesspiegel, 27.01.2012

[5] „Gericht weist EWN-Klage gegen Einlagerungsverbot in Lubmin zurück“, Die Welt vom 28.02.2013

[6] Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit: „Gemeinsames Übereinkommen über die Sicherheit und Behandlung abgebrannter Brennelemente und über die Sicherheit der Behandlung radioaktiver Abfälle – Bericht der Bundesrepublik Deutschland für die vierte Überprüfungskonferenz im Mai 2012“, S.280f.

[7] IM-MV: Zwischenlager Nord: Innenministerium genehmigt längere Zwischenlagerung von Reststoffen/Abfällen aus anderen kerntechnischen Anlagen, Pressemitteilung 19.09.2018

[8] Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit: „Verzeichnis radioaktiver Abfälle – Bestand zum 31. Dezember 2017 und Prognose“, August 2018

[9] Deutscher Bundestag: Antwort auf die Kleine Anfrage (Grüne): Atommüll-Zwischenlager Nord, Drucksache 17/4009, 29.11.2010

[10] Deutscher Bundestag: Antwort auf die schriftliche Anfrage der Abgeordneten Lötzer, Drucksache 17/14270 vom 28.06.2013, S. 62 ff.