Zwischenlager Nord 8

Foto: Felix Koenig, Wikipedia

Anlage

 

Name der Anlage:

ZLN – Zwischenlager Nord (auch Zwischenlager Lubmin)

Bundesland:

Mecklenburg-Vorpommern

Betreiber:

Entsorgungswerk für Nuklearanlagen GmbH (EWN)

Eigentümer:

Bundesrepublik Deutschland (Bundesminsterium für Finanzen)

Genehmigungsbehörde:

Für Halle 8: Bundesamt für die Sicherheit der nuklearen Entsorgung (BASE)

Am 23.06.2016 beschloss der Deutsche Bundestag eine Umstrukturierung der Behörden. Das neu gegründete BfE (heute BASE) löste das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) als Genehmigungsbehörde für die Zwischenlagerung von Kernbrennstoffen ab. [1]

Aufsichtsbehörde: Ministerium für Inneres und Europa Mecklenburg-Vorpommern (IM)

Umgebungs-überwachung:

Landesamt für Umwelt, Naturschutz und Geologie (LUNG)

Bauweise:

Ein Gebäude für alle Arten radioaktiver Abfälle: Halle 8 für Kernbrennstoffe, Hallen 1-7 für schwach- und mittelradioaktive Abfälle

Außenwände 70 cm, Innenwände 30 cm, Dach ca. 55 cm stark [2]

Inbetriebnahme:

10.12.1999: Einlagerung des ersten Castor-Behälters

Kosten:

Gesamtkosten ZLN: Errichtung 240 Mio. € aus dem Bundeshaushalt [3]

Genehmigung: [4]

Genehmigung nach § 6 AtG vom 05.11.1999; Ursprünglich erlaubte die Genehmigung nur die Einlagerung von Brennelementen aus den stillgelegten Atomkraftwerken Greifswald und Rheinsberg. Mit der 6. Änderungsgenehmigung entfiel diese Beschränkung.

  • 80 Stellplätze
  • max. 585 t SM
  • max. 7,5 x 1018 Bq Aktivität
  • max. 3,5 MW Wärmeleistung

Änderungen und Ergänzungen: [4]

1. Änderungsgenehmigung vom 14.03.2001:

  • einen Transport- und Lagerbehälter CASTOR® 440/84 mvK mit Sonderbrennelementen aus Rheinsberg und sonstigen radioaktiven Stoffen
  • sechs vor Erteilung der Aufbewahrungsgenehmigung bereits im KKR sowie im KGR beladene Transport- und Lagerbehälter CASTOR® 440/84

2. Änderungsgenehmigung vom 07.03.2003: Änderung Verfahren zur Behältertrocknung.

3. Änderungsgenehmigung vom 19.02.2005: durch 6. ÄG erloschen

4. Änderungsgenehmigung vom 17.02.2006:

  • ergänztes Inventar in Transport- und Lagerbehältern CASTOR® 440/84
  • Kernbrennstoffe in drei Transport- und Lagerbehältern CASTOR® KRB-MOX
  • Lagerung von 10 leeren Transport- und Lagerbehältern mit Innenkontaminationen

5. Änderungsgenehmigung vom 17.12.2008: Änderung der Sicherungseinrichtungen

6. Änderungsgenehmigung vom 24.02.2009: Erweiterung der Einlagerung, HAW-Glaskokillen aus der Wiederaufarbeitungsanlage Karlsruhe, in fünf CASTOR® HAW 20/28 CG SN 16

7. Änderungsgenehmigung vom 30.04.2010: Erweiterung der Einlagerung

  • unbestrahlte Brennelemente aus dem KNK II Karlsruhe
  • bestrahlte und unbestrahlte Brennelemente des Forschungsschiffes „Otto Hahn“ in vier CASTOR® KNK

Alle Änderungsgenehmigungen wurden ohne Öffentlichkeitsbeteiligung durch das BfS erteilt.

Am 20.07.2015 hat die EWN ihren Antrag auf baulichen Schutz des ZLN gegen Einwirkung Dritter (SEWD) zurück gezogen, weil die Nachrüstung nicht möglich ist. Stattdessen hat die EWN am 29.05.2019 beantragt, am Standort ein neues Zwischenlager für hochradioaktive Abfälle zu errichten, das Ersatztransportbehälterlager ESTRAL.

Besondere Gefahren:

Bis zur Inbetriebnahme des ESTRAL stehen die Castoren ohne ausreichenden Terrorschutz in der Halle 8.

Meldepflichtige Ereignisse:

2 (Stand 31.12.2016) [5]

Stilllegung

 

Befristung Halle 8:

Die Einlagerung wird mit der Inbetriebnahme des neuen Lagers enden. Per Genehmigung ist der Betrieb bis 31.10.2039 befristet. [7]

Abfälle

 

Inventar: [6] und [3]

Kernbrennstoffe und kernbrennstoffhaltige Abfälle

  • 61 Behälter CASTOR® 440/84 aus dem AKW Greifswald und dem AKW Rheinsberg mit Kernbrennstoffen in Form von bestrahlten Brennelementen, Regelelement-Brennstoffteilen, umschlossenen plutoniumhaltigen Quellen, uranhaltigen Ionisationskammern,
    kernbrennstoffhaltigen Abfällen, sowie sonstigen radioaktiven Stoffen in Form von Absorberelementen, Abschirmelementen und Havarieschutz-Absorbern, Clusterstützrohren und Havarieschutzstreuteilen
  • 3 Behälter CASTOR® KRB-MOX mit Regelelementbrennstoffteilen und Sonderbrennelementen, die in ihrer Geometrie und Integrität gestört sind aus dem AKW Greifswald
  • 1 Behälter CASTOR® 440/84mvK mit Sonderbrennelementen (geometrisch gestörte, unvollständige, defekte und defektfreie Brennelemente und Regelelement-Brennstoffteile sowie Clusterkassetten und Experimentalkassetten) einschließlich eines Sonderbrennelementes mit "bestrahlten Uranproben fest", unbestrahlten UO2-Pellets und umschlossenen plutoniumhaltigen Quellen sowie sonstigen radioaktiven Stoffen in Form eines Absorberelementes und eines Cluster-Stützrohres sowie Havarieschutzrohren und von Steuer- und Schutzstangen aus dem AKW Rheinsberg
  • 4 Behälter CASTOR® KNK mit bestrahlten Brennstäben und Brennstababschnitten aus der kompakten natriumgekühlten Kernreaktoranlage (KNK) des Forschungszentrums Karlsruhe, die im französischen Cadarache lagerten, bestrahlten und unbestrahlten Brennstäben des Forschungszentrums Karlsruhe aus Nuklearexperimenten, die im belgischen Mol lagerten, bestrahlten und unbestrahlten Brennstäben, Brennstab- und Hüllrohrabschnitten sowie Pellets und Pelletbruchstücken aus dem Betrieb des Forschungsschiffes "Otto Hahn", die im Forschungszentrum Geesthacht lagerten
  • 5 Behälter CASTOR® HAW 20/28 CG mit 140 Glaskokillen aus der Wiederaufarbeitungsanlage Karlsruhe

Gesamt: 5.048 Brennelemente, 2.413 Brennstäbe aus dem Schnellen Brüter KNK und 140 Glaskokillen (583,5 tSM) [7]

Transporte

Derzeit keine weitere Einlagerung geplant

Gleisanschluss:

Vorhanden

Adressen

 

Betreiber:

EWN - Entsorgungswerk für Nukelaranlagen GmbH, Latzower Straße 1, 17509 Rubenow, Tel: 038354 / 4-0, Fax: 038354 / 22458, poststelle@ewn-gmbh.de, www.ewn-gmbh.de

Behörden:

Bundesamt für die Sicherheit der nuklearen Entsorgung (BASE)
Wegelystraße 8, 10623 Berlin
Telefon +49 (0)3018 767676 5000
www.base.bund.de, info@base.bund.de

Ministerium für Inneres und Europa Mecklenburg-Vorpommern, 19048 Schwerin, Tel.: 0385 / 588-0, Fax: 0385 / 588-2972, poststelle@im.mv-regierung.de, www.regierung-mv.de/Landesregierung/im

Landesamt für Umwelt, Naturschutz und Geologie (LUNG), PF 13 38, 18263 Güstrow, poststelle@lung.mv-regierung.de, www.lung.mv-regierung.de

Quellen

[1] Deutscher Bundestag, Beschlussempfehlung und Bericht des Ausschusses für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit zu dem Gesetzentwurf der Fraktionen CDU/CSU, SPD, Die LINKE und Bündnis 90/Die Grünen Drucksache 18/8704: "Entwurf eines Gesetzes zur Änderung des Standortauswahlgesetzes", Drucksache 18/8913, 22.06.2016

[2] ewn-gmbh.de: Ein Gebäude -Zwei Lager

[3] ewn-gmbh.de: ZLN - Transportbehälterlager (Halle 8)

[4] bfe.de: Zwischenlager Nord bei Lubmin (Rubenow)

[5] bfe.bund.de: Anlagen zur Kernbrennstoffver- und -entsorgung in Deutschland: Meldepflichtige Ereignisse seit Inbetriebnahme

[6] www.gns.de: Behälter - Referenzen

[7] Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit: „Verzeichnis radioaktiver Abfälle – Bestand zum 31. Dezember 2017 und Prognose“, August 2018