AKW Krümmel

Foto: Quartl, Wikipedia

Anlage

 

Name der Anlage:

KKK – Kernkraftwerk Krümmel

Bundesland:

Schleswig-Holstein

Betreiber:

Kernkraftwerk Krümmel GmbH und Co oHG

Gesellschafter:

Vattenfall Europe Nuclear Energy GmbH (50%), E.ON Kernkraft GmbH (50%)

MitarbeiterInnen:

Eigenpersonal, Nuclear Expert Center (NHH) ca. 40, Fremdpersonal ca. 200 [1]

Reaktortyp:

Siedewasserreaktor, Baulinie 69

Leistung, elektrisch:

1.402 MW brutto, 1.346 MW netto

Baubeginn:

5. April 1974

Entsorgungsvorsorge-nachweis:

„Die Einlagerung schwachaktiver Abfälle wird schon seit einiger Zeit (in der ASSE II, Anm. d. Verf.) durchgeführt, das Einbringen mittelaktiver Abfälle ist ausgiebig erprobt und kann nunmehr routinemäßig vorgenommen werden. Die Arbeiten zur Einlagerung hochaktiver Abfälle werden in absehbarer Zeit erfolgreich abgeschlossen werden können.“ (Vorbescheid zur Standortwahl 07.09.1972) [2]

Leistungsbetrieb:

Kommerzieller Leistungsbetrieb ab 28.03.1984

Genehmigungs- und Aufsichtsbehörde:

Ministerium für Energiewende, Landwirtschaft, Umwelt, Natur und Digitalisiserung (MELUND).

Umgebungs-überwachung:

Helmholtz-Zentrum GKSS-Forschungszentrum Geesthacht GmbH

Informelle Beteiligungs-maßnahmen:

Vattenfall führt ein Mal pro Jahr ein Treffen mit den Bürgermeistern der umliegenden Gemeinden durch.

07.01.2016: Gründung des KKK-Dialog-Forums. Treffen: drei Mal im Jahr, Teilnehmende: Vertreter eingeladener Institutionen [3]

Besondere Gefahr:

In der Elbmarsch ist seit 1986 eine besonders auffällige Häufung von Leukämieerkrankungen zu verzeichnen. Bis heute ist ungeklärt, ob das AKW Krümmel, das Forschungszentrum Geesthacht oder beide Anlagen dafür verantwortlich sind. [4]

Meldepflichtige Ereignisse:

345 (Stand 30.06.2018) [5]

Stilllegung

 

Außerbetriebnahme:

4. Juli 2009 (nach mehreren Störfällen)

Abschaltung, endgültig:

06. August 2011 (seit Reaktorschnellabschaltung am 4. Juli 2009 abgeschaltet)

Stilllegungsantrag:

24.08.2015 Antrag auf Stilllegung und Rückbau [6], 29.09.2017 Präzisierung des Antrags [7]

27.07.-24.09.2018: Öffentliche Auslegung der Stilllegungsunterlagen.
Sicherheitsbericht [8], Kurzbeschreibung [9], Umweltverträglichkeitsuntersuchung [10]

Bis zum 24.09.2018 können Einwendungen gegen die konkreten Stilllegungspläne erhoben werden. Mustereinwendungen des Lüneburger Aktionsbündnis gegen Atom (LAgAtom) [11] 

Klage:

06.12.2016: Weil Vattenfall aufgrund der vorzeitigen Stilllegung des AKW Krümmel sein im Energiekonsens vom 30.06.2000 zugestandenes Stromkontingent nicht in den eigenen Anlagen verstromen kann, spricht das Bundesverfassungsgericht dem Konzern Anspruch auf Kompensation zu. [12]

Vattenfall klagt wegen der Stilllegung der AKW Krümmel und Brunsbüttel vor dem Internationalen Zentrum zur Beilegung von Investitionsstreitigkeiten (ICSID) in Washington. [13]

Abfälle

 

Brennelemente:

Uran-Brennelemente, Hochabbrand-Uran-Brennelemente; keine Genehmigung für MOX-Einsatz

Insgesamt sind 689 t SM angefallen. 104 Brennelemente haben wegen der ungeplanten Stilllegung einen deutlich niedrigeren Abbrand. [14]

  • Trockenlager:

60 unbestrahlte, nicht kontaminierte Brennelemente, die zur Brennelementfabrik ANF Lingen abtransportiert werden sollen. 

12 unbestrahlte aber kontaminierte Brennelemente. Sie können nicht zurück zur ANF Lingen und sollen in die USA gebracht werden. Dazu ist keine Zustimmung der Aufsichtsbehörde notwendig. [15]

  • Abklingbecken:

Kapazität für 1.690 Brennelemente

Alle bestrahlten Brennelemente wurden aus dem Reaktor entfernt. "Laut Vattenfall befinden sich im Brennelementelagerbecken noch 78 Sonderbrennstäbe sowie ein Brennelement, das wiederum in 76 dieser Sonderbrennstäbe zerlegt werden müsse. Um diese Brennstäbe in Castoren unterzubringen, würden sogenannte Köcher benötigt, für die es noch keine Zulassung gebe. Deshalb rechnet der Kraftwerksbetreiber nicht vor 2019 damit, das Lagerbecken endgültig geleert zu haben." [15]

Das Abklingbecken liegt wie im Block 4 im AKW Fukushima außerhalb des Containments unter dem Dach.

  • Externes Lager:

Alle anderen bestrahlten Brennelemente wurden in das Standort-Zwischenlager Krümmel verbracht.

Betriebsabfälle: [16]

Genehmigung nach §7 AtG für ein Volumen von 1.340 m3

Kavernen
Nicht begehbare Räume im Keller bzw. Untergeschoss der „heißen Werkstatt“ des Feststofflagers, die nur eine Öffnung in der Decke haben. Betriebsgenehmigung vom 14.09.1983, Änderungsgenehmigung vom 14.04.2004

  • Große Kaverne C 01.01: mit Betonriegeln abgedeckte, nicht begehbare Lagerstätte; 590 m³, entspricht etwa 180 Stück 200-l-Fässer
  • Kleine Kaverne C 01.05: mit Betonriegeln abgedeckte, nicht begehbare Lagerstätte; 560 m³, 200 m³, entspricht etwa 60 Stück 200-l-Fässer 

Weitere Lager

  • Fasslager C: mit Betonriegeln abgedeckte, zu Inspektionszwecken nicht begehbare Lagerstätte; 1.235 Stück 200-l-Fässer
  • Lager für leicht aktive Teile C 01.06: begehbare und belüftete Räume; 120 m³, entspricht etwa 60 Stück 200-l-Fässer
  • ND-Presse, Pufferlager für Gebinde zur Verpressung C 01.11: begehbare und belüftete Räume; 80 m³, entspricht etwa 160 Stück 200-l-Fässer

Lagergebäude W4 an der Westseite des Maschinenraums:

  • Behandlung von volumenbeanspruchenden brennbaren und nicht brennbaren Mischabfällen, von Altöl und metallischen Reststoffen genehmigt durch Nachtragsgenehmigung vom 24.04.1989 und 07.05.1991
  • Öl-Lager W 42.03: begehbare und belüftete Räume; 27 m³, entspricht etwa 60 Stück 200-l-Fässer
  • W 42.06: begehbare und belüftete Räume; 5 m³, entspricht etwa 10 Stück 200-l-Fässer
  • Breitstellung Behälter W 42.09: begehbare und belüftete Räume; 100 m³, entspricht etwa 200 Stück 200-l-Fässer
  • W 42.10: begehbare und belüftete Räume; 120 m³, entspricht etwa 120 Stück 200-l-Fässer
  • Inventar (31.12.2015): [16]

 

Gebäude C 01.01

  • keine

Gebäude C 01.02

  • 55 Fässer

Fasslager C 01.05

  • 1.065 Fässer [Auskunft MELUND, Oktober 2017]

ND-Presse

  • 48 Gebinde

W 42.10

  • 79 Gebinde

andere Lagerstätten

  • keine
Das älteste Gebinde wurde 1986 befüllt und befindet sich seitdem im Fasslager.
Luftführung und Klimatisierung: Die Lagerräume sind Bestandteile des nuklearen Lüftungssystems des AKW
Inspektionen: Die Kavernen und das Fasslager werden unter Zuhilfenahme von Videotechnik visuell inspiziert. Die restlichen Räume bei der Handhabung der Gebinde. Nur für das Fasslager gibt es eine weitere "wiederkehrende Prüfung" im Jahr 2022.
Bekannte Ereignisse:  

Verbringung von Abfällen:

  1. Wiederaufarbeitung: 324 t SM, 503 Brennelemente wurden nach Sellafield (GB) und 1.344 Brennelemente La Hague (F) verbracht [17]
  2. Fasslager Gorleben (Stand 31.12.2012): [18]
  • 200-l-Fässer: 20
  • 280-l-Fässer: 5
  • 400-l-Fässer: 2
  • Gussbehälter Typ II: 4
  • Container Typ III: 3
  • Container Typ IV: 2
  • Container Typ V: 4
  • Container Typ VI: 35

Am 14.09.2005 wurde Im Abfalllager Gorleben bei der Annahme von Behältern aus dem AKW Krümmel festgestellt, dass bei fünf von acht Behältern Kontaminationsgrenzwerte für die Beförderung radioaktiver Stoffe auf der Straße überschritten wurden. 

  1. Zwischenlager Ahaus: 142 m³
  2. TBH2 Brunsbüttel: 243 m³
  3. Morsleben: 592 m3 [19]

Transporte

 

  • zur Anlage:

Extern konditionierte schwach- und mittelradioaktive Abfälle, Strahlenquellen

  • von der Anlage:

Radioaktive Rohabfälle, konditionierte radioaktive Abfälle, Strahlenquellen, später ggfs. Großkomponenten

  • Gleisanschluss:

Vorhanden

Adressen

 

Betreiber:

PreussenElektra GmbH, Treschowstraße, 30457 Hannover, Tel.: 0511/ 439-03, info(at)preussenelektra.de, www.preussenelektra.de

Vattenfall Europe Nuclear Energy GmbH, Überseering 12, 22297 Hamburg, Tel.: 0800 255 11 55, Fax 030 267 119 24 200, www.vattenfall.de

Behörden:

 

Ministerium für Energiewende, Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume (MELUND) Schleswig-Holstein, Tel.: 0431 988-0,Fax: 0431 988-7239, www.schleswig-holstein.de

KritikerInnen:

BUND Ortsgruppe Geesthacht, c/o Bettina Boll, Bergstraße 38, 21502 Geesthacht, bboll(at)gmx.de

Bürgerinitiative gegen Leukämie in der Elbmarsch, Kontakt: Sabine Brosowski, August-Bebel-Straße 50, 04275 Leipzig, Tel. 0341-46268045, s-brosowski(at)gmx.de, elbmarsch.org

BürgerInnen-Initiative (BI) Kiel gegen Atomanlagen, Friedenswerkstatt Kiel, Exerzierplatz 19, 24103 Kiel, www.bi-kiel.blogspot.de

Quellen

[1] perspektive-kruemmel.de: Vortrag KKK-Dialog-Forum: Personalorganisation, 12.01.2017

[2] Deutscher Bundestag: Antwort auf die schriftliche Anfrage der Abgeordneten Kotting-Uhl, Drucksache 16/12182 vom 06.03.2012, S. 60 ff.

[3] perspektive-kruemmel.de: Perspektive Krümmel: Bürgerinformationen

[4] wikipedia.org: Leukämiecluster Elbmarsch (abgerufen am 28.11.2017)

[5] bfe.de: Kernkraftwerke in Deutschland: Meldepflichtige Ereignisse seit Inbetriebnahme

[6] Kernkraftwerk Krümmel GmbH & Co OHG: Antrag nach § 7 Absatz 3 AtG auf Stilllegung und Abbau Kernkraftwerk Krümmel, 24.08.2015

[7] Kernkraftwerk Krümmel GmbH & Co OHG: Antrag nach § 7 Absatz 3 AtG auf Stilllegung und Abbau, Hier: Präzisierung des Antrags, 29.09.2017

[8] Vattenfall Europe Nuclear Energy: Stilllegung und Abbau Kernkraftwerk Krümmel - Sicherheitsbericht, Mai 2018 

[9] Vattenfall Europe Nuclear Energy: Kurzbeschreibung für die Stilllegung und den Abbau des Kernkraftwerks Krümmel, Mai 2018

[10] Elbberg Stadtplanung: Kernkraftwerk Krümmel - Vorhaben zur Stilllegung und Abbau Kernkraftwerk Krümmel - Umweltverträglichkeitsuntersuchung, Juni 2018

[11] lagatom.de: Rückbau AKW Krümmel - Mustereinwendung bei LAgAtom

[12] Bundesverfassungsgericht: Urteil des ersten Senats vom 6. Dezember 2016, 1 BvR 2821/11, 1 BvR 321/12, 1 BvR 1456/12

[13] tagesschau.de: Vattenfall gegen Deutschland, 22.10.2016

[14] ESK-Stellungnahme: Anforderungen an bestrahlte Brennelemente aus entsorgungstechnischer Sicht, 27.05.2011

[15] "Brennstäbe sollen in die USA", Lauenburgische Landeszeitung / Bergedorfer Zeitung, 27.11.2017

[16] "Vermeidung von Korrosionsschäden an Fässern für nicht wärmeentwickelnde radioaktive Abfälle in Schleswig-Holstein einschließlich Lagerstättenkataster", Bericht der Arbeitsgruppe "Vermeidung von Schäden bei der Lagerung von Atomabfällen" bei der schleswig-holsteinischen Atomaufsicht, 23.02.2015

[17] Wolfgang Neumann: Bestandsaufnahme Atommüll 2013 in: BI Lüchow-Dannenberg „Zur Sache Nr. 2“, August 2013, S. 24

[18] Deutscher Bundestag: Antwort auf die schriftliche Anfrage der Abgeordneten Lötzer, Drucksache 17/14270, 28.06.2013, S. 62 ff.

[19] Deutscher Bundestag: Antwort auf die schriftliche Anfrage der Abgeordneten Kotting-Uhl, Drucksache 16/12182, 06.03.2012, S. 60 ff.