THTR Hamm-Uentrop

Foto: Rainer Knäpper, Free Art License (http://artlibre.org/?page_id=65)

Anlage

 

Name der Anlage:

THTR-300 – Thorium-Hochtemperaturreaktor Hamm-Uentrop

Bundesland:

Nordrhein-Westfalen

Betreiber:

Hochtemperatur-Kernkraftwerk GmbH (HKG)

Gesellschafter:

RWE Power AG (31 %), Gemeinschaftskraftwerk Weser GmbH & Co. OHG
(E.ON Kernkraft GmbH, Stadtwerke Bielefeld GmbH) (26 %), Mark E AG (26 %), Gemeinschaftswerk Hattingen GmbH (WSW Wuppertaler Stadtwerke GmbH, RWE Power AG) (12 %), Stadtwerke Aachen AG (5 %)

MitarbeiterInnen:

2

Reaktortyp:

Heliumgekühlter Hochtemperaturreaktor, Kugelhaufenreaktor mit 675.000 tennisballgroßen Brennstoffkugeln

Leistung, elektrisch:

308 MW brutto, 296 MW netto

Baubeginn:

01.05.1971

Leistungsbetrieb:

Kommerzieller Leistungsbetrieb ab 01.06.1987 (Testbetrieb seit 13.09.1983)

Genehmigungs- und Aufsichtsbehörde:

Ministerium für Wirtschaft, Energie, Industrie, Mittelstand und Handwerk Nordrhein-Westfalen (MWEIMH)

Umgebungsüberwachung:

Landesinstitut für Arbeitsgestaltung des Landes NRW (LIA)

Meldepflichtige Ereignisse:

125 (in nur 423 Tagen Volllastbetriebsdauer, Stand 30.06.2013)

Vermutlich schwerster Störfall am 04.05.1986: Bei einer manuellen Beschickung des Reaktors mit 41 Brennelementkugeln verklemmte die Anlage. Ergebnis waren
41 zerbrochene Brennelementkugeln und eine offene Gasschleuse. Der kontaminierte Staub der zerbrochenen Kugeln und jede Menge kontaminiertes Helium gelangten über den Abluftkamin in die Umgebungsluft. Gleichzeitig war ein wichtiges Mess-instrument abgeschaltet, so dass nachher niemand sagen konnte wie viel Strahlung wirklich freigesetzt wurde.  Der Betreiber meldete den Unfall nicht und ging davon aus, die Radioaktivität aus Tschernobyl würde die Freisetzung kaschieren.

Besondere Gefahr:

Im Frühjahr 2012 entdeckte eine elfjährige Schülerin im Rahmen von "Jugend forscht"  zahlreiche Kleinstkügelchen, sog. PAC-Kügelchen, im Umkreis des THTR (s. auch Geesthacht). Bis heute ist umstritten, ob es sich um radioaktive Kügelchen aus dem THTR handelt.

Stilllegung

 

Außerbetriebnahme:

September 1988: Abschaltung wegen gebrochener Haltebolzen in der Heißgasleitung

Stilllegung:

November 1988: „vorsorgliches Stilllegungsbegehren“. Der Reaktor war extrem störfallanfällig und arbeitete hochdefizitär.

Auch nach seiner Stilllegung kam es im THTR zu einem lang andauernden Störfall mit einer Freisetzung von Radioaktivität. Der Strahlenschutzbericht der NRW-Landesregierung meldete am 8. Februar 1993: “Das in einem Raum der Gasreinigungsanlage vorgefundene Restwasser … hat eine Tritium-Aktivitätskonzentration von 1,5 Millionen Becquerel pro Liter.“ In dem etwa 4 m tieferen „Keller“ des THTR war - nach dem Untersuchungsbericht des NRW-Wirtschaftsministeriums - das Grundwasser bis zu einer Höhe von 40 cm aufgestiegen. Insgesamt 7.000 Liter verseuchtes Wasser seien verschwunden.

„Sicherer“ Einschluss:

Seit Oktober 1997

Rückbau:

Nach derzeitiger Genehmigung dauert der „sichere“ Einschluss bis 2027. Aufgrund der radiologischen Situation ist der Rückbau erst nach 2030 geplant.

Kosten:

13.11.1989: Rahmenvertrag zur geordneten Restabwicklung des Projektes THTR 300 zwischen der Bundesrepublik Deutschland, dem Land Nordrhein-Westfalen, den Gesellschaftern der HKG und der HKG

1989-2009: Stilllegung, Einschluss, Endlagervorausleistung ca. 430 Mio. €, davon Bund ca.130 Mio. €, NRW ca.150 Mio. € und Betreibergesellschaft ca. 150 Mio. €. Weitere geschätzte Kosten: „Sicherer“ Einschluss bis 2030, Rückbau, Endlagervorausleistung bis 2080 ca. 675 Mio. €

(Zum Vergleich: Baukosten 2,05 Mrd. €; davon Bund 1,285 Mrd. €,
Land NRW 233 Mio. €, Rest Private)

Abfälle

 

Reaktorbehälter:

Es werden noch ca. 1 bis 1,6 kg Spaltstoff (entsprechen 2.000 bis 3.000 Brennelementen) im entleerten Reaktor vermutet.

Außerdem ist unklar, wo die ca. 18.000 beschädigten Brennelemente, die während des Betriebs anfielen, verblieben sind.

Betriebs- und Stilllegungsabfälle:

Genehmigung nach §7 StrlSchV für die Zwischenlagerung von max. 1.160m3

Prognostiziertes Volumen:

Abfälle mit vernachlässigbarer Wärmeentwicklung ca. 6.000 m3

 

Verbringung von Abfällen:

→ Wiederaufarbeitung: Die nicht verbrauchten, frischen 362.000 THTR-Brennelemente wurden in der schottischen Wiederaufarbeitungsanlage Dounreay aufgearbeitet, das hochangereicherte Uran in Brennelementen für Forschungsreaktoren verarbeitet, das Thorium von der United Kingdom Atomic Energy Authority (UKAEA) übernommen.

→ Morsleben: 348 200-l-Fässer, ca. 130 t bzw. 75 m3

→ TBL Ahaus: 305 Behälter, 6,6 t SM CASTOR® THTR/AVR wurden in das TBL Ahaus gebracht. Die Brennelemente weisen einen kürzeren Abbrand als geplant auf, was zu einem Proliferationsrisiko führt. Einlagerung 1992-1995; an den Behältern traten bereits Korrosionsschäden auf (Siehe TBL Ahaus).

→ Fasslager Gorleben

·   200-l-Fässer: 20

·   400-l-Fässer: 1

·   Betonbehälter Typ II: 2

·   Container Typ III: 1

→ Freigabe: Von den 1.300 t, die bei der Herstellung des „sicheren“ Einschlusses anfielen, wurden ca. 10% wurden nach Morsleben gebracht, 30% verblieben in der Anlage und 60% wurden freigegeben.

Transporte

 

·   zur Anlage:

Derzeit keine

·   von der Anlage:

Derzeit keine

·   Gleisanschluss:

Vorhanden

Quellen