TBL Ahaus

Foto: Wikipedia

Anlage

 

Name der Anlage:

Brennelemente-Zwischenlager Ahaus (BZA)
Vor der Umbenennung durch die BGZ: Transportbehälterlager (TBL) Ahaus
(Wir haben wegen bestehender Verlinkungen den alten Titel des Datenblatts beibehalten)

Bundesland:

Nordrhein-Westfalen

Betreiber:

seit 01.01.2019: BGZ Gesellschaft für Zwischenlagerung mbH

Die BGZ ist eine Ausgründung der Gesellschaft für Nuklearservice (GNS), die zum 01.08.2017 zu 100% in den Besitz des Bundes übergegangen ist.

Bis 31.12.2018: Gesellschaft für Nuklearservice GNS.

Eigentümer der BGZ:

100 % Bundesrepublik Deutschland (Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit)

Bauweise:

WTI/GNS-Konzept: zweischiffiges Gebäude, bestehend aus zwei durch eine Zwischenwand abgetrennte Hallen. Die Wandstärken betragen im Gegensatz zu neueren Hallen teilweise nur 40 – 50 cm. [1]

Antrag:

1978: Antrag nach § 6 AtG für ein Brennelement-Zwischenlager (Nasslager)

1979: Änderungsantrag für ein Brennelement-Transportbehälterlager (Trockenlager) [2] 

Errichtung:

1984 – 1989

Inbetriebnahme:

25.06.1992: Beginn der Einlagerung; CASTOR® THTR/AVR aus dem THTR Hamm-Uentrop

21.07.2010: Beginn der Einlagerung von schwach- und mittelradioaktiven Abfällen, siehe Abfall-Zwischenlager Ahaus AZA [3] 

Genehmigungs-behörde:

Genehmigungsbehörde für Lagerbereich II (HAW): Bundesamt für die Sicherheit der nuklearen Entsorgung (BaSE)

Aufsichtsbehörde:

Ministerium für Wirtschaft, Energie, Industrie, Mittelstand und Handwerk des Landes Nordrhein-Westfalen (MWEIMH)

Genehmigung:
[4]


 

Genehmigung vom 10.04.1987 nach § 6 AtG

Lagerbereich II (östlicher Teil): Lagerung bestrahlter Brennelemente

Neufassung der Aufbewahrungsgenehmigung vom 07.11.1997: Erhöhung der Masse tSM, Erweiterung der Behältertypen 

  • 370 Stellplätze plus 50 Stellplätze für 305 CASTOR® THTR/AVR
  • max. 3.960 t SM
  • max. 2 x 1020 Bq (ursprünglich 7,5 x 1018 Bq)

Änderungen und Ergänzungen: [4] 

1. Änderungsgenehmigung vom 17.05.2000:

  • ERU-Brennelemente 
  • Uran-Brennelemente mit erhöhter Schwermetallmasse und Anfangsanreicherung
  • MOX-Brennelemente (Mischoxid-Brennelemente) mit erhöhter Schwermetallmasse und mit einem erhöhten Gehalt an spaltbarem Plutonium in CASTOR® V/19 SN 06.

2. Änderungsgenehmigung vom 24.04.2001: Änderung Wärmeleistung, technische Annahmebedingungen

3. Änderungsgenehmigung vom 30.03.2004: Zulassung 18 Behälter der Bauart CASTOR® MTR2 mit Brennelementen aus Rossendorf

4. Änderungsgenehmigung vom 04.07.2008: Die Lüftungsöffnungen der gesamten Lagerhalle dürfen bis max. 75 kW Gesamtwärmeleistung geschlossen bleiben

5. Änderungsgenehmigung vom 22.12.2008: Änderung der Sicherungseinrichtungen

6. Änderungsgenehmigung vom 26.05.2010: Änderungen im Zusammenhang mit der Nutzung der Halle I für schwach- und mittelaktiven Müll (Lagerhallenkran, Lagerbehälterüberwachungssystem)

7. Änderungsgenehmigung vom 08.02.2016: Baulicher Schutz gegen Störmaßnahmen oder sonstige Einwirkungen Dritter (SEWD) [5]

8. Änderungsgenehmigung vom 21.07.2016: Aufbewahrung von 152 Transport- und Lagerbehältern der Bauart CASTOR® THTR/AVR mit Kernbrennstoffen in Form von bestrahlten kugelförmigen Brennelementen und Betriebselementen aus dem ehemaligen Betrieb des Versuchsreaktors der Arbeitsgemeinschaft Versuchsreaktor Jülich (AVR-Inventar) [6] 

9. Änderungsgenehmigung vom 01.08.2017: Wechsel der Eigentümerin von der GNS zur BGZ [7]

Aktuell beantragte Änderungen:

  • 2./3.04.2013: Antrag auf Austausch des vorhandenen Lagerhallenkrans
  • 20.12.2006: Antrag auf Aufbewahrung von hochdruckkompaktierten radioaktiven Abfällen in TGC36 für Abfälle aus der Wiederaufarbeitung in La Hague (F). Der Beginn der Transporte aus Frankreich wird derzeit für 2025 erwartet.
  • 30.09.2014: Antrag auf Aufbewahrung der Brennelemente aus dem Forschungsreaktor FRM II, ca. 21 Behälter der neuen Bauart CASTOR® MTR3 im Lagerbereich II.

Besondere Gefahren:

Das Lager entspricht dem WTI-Konzept der süddeutschen Standort-Zwischenlager. Allerdings sind die Wände noch 20 – 35 cm dünner. Beim WTI-Konzept kann ein gezielter Flugzeugangriff zu größeren Schäden mit einem Einsturz von Wänden und Dach führen, das Deckelsystem einzelner Behälter kann direkt getroffen werden. [11]

Die Brennelemente aus dem THTR Hamm-Uentrop weisen einen kürzeren Abbrand als geplant auf, was zu einem Proliferationsrisiko führt. „Das Uraninventar der THTR-Castoren würde für 5 bis 12 relativ einfach zu bauende Atombomben des Hiroshima-Typs ausreichen.“ [12] 

Meldepflichtige Ereignisse:

15 (Stand 31.12.2020) [13]

Kosten:

Baukosten: ca. 50 Mio. €

Ausgleichszahlungen an die Stadt Ahaus für die Zustimmung des Kommunalparlaments:

  • Für den Bau des Zwischenlagers ca. 24,5 Mio. € vom Land NRW
  • Für den nicht realisierten Bau der zweiten Lagerhalle hatte die BZA der Kommune 80 Mio. € in 20 Jahresraten ab Baubeginn versprochen. Die Mehrheit im Rathaus stimmte für den Bau. [14] 

Stilllegung

 

Befristung:

Genehmigung für das TBL befristet bis 31.12.2036

Abfälle

 

Brennelemente: [15]

Im Lagerbereich II, Stand 31.12.2017:

  • Einlagerung 1992-1995: 305 Behälter mit 617.606 Brennelement-Kugeln (7 t SM) CASTOR® THTR/AVR (wegen ihrer Stapelbarkeit auf 50 Stellplätzen) aus dem THTR Hamm-Uentrop
  • Einlagerung März 1998: 2 Behälter CASTOR® V/19 und 1 Behälter CASTOR® V/19 SN 06 (gesamt 29 t SM) aus dem AKW Neckarwestheim 2
  • Einlagerung März 1998: 3 Behälter 156 Brennelemente (26 t SM) CASTOR® V/52 aus dem AKW Gundremmingen C
  • Einlagerung Mai/Juni 2005: 18 Behälter mit 951 Brennelementen (2,3 t SM) CASTOR® MTR2 aus dem Forschungsreaktor Rossendorf, die ursprünglich nach Russland zurück transportiert werden sollten. Das BMU hatte den Rücktransport am 06.12.2010 abgesagt, da eine schadlose Verwertung in Majak (Russland) nicht möglich wäre. [16] Lagerkosten 2005 – 2014 3,5 Mio. €; 2014 – 2036 ca. 5,1 Mio. €; bezahlt vom Freistaat Sachsen. [17] 

Die eingelagerten CASTOR®-Behälter nehmen nur etwas mehr als zehn Prozent der Lagerkapazität in Anspruch. [15]

Geplant:

In das Zwischenlager Ahaus sind noch mehrere Einlagerungen von hochradioaktiven Abfällen geplant.

Überführung der AVR-Brennelemente aus Jülich nach Ahaus: Die Aufbewahrungsgenehmigung ist erteilt, die Transportgenehmigung noch nicht. Bis dato ist nicht abschließend geklärt, ob die Brennelemente nach Ahaus verlegt oder in die USA exportiert werden sollen. [18] Nach einem Eilantrag der Stadt Ahaus vor dem OVG Münster hat das BfE am 19.12.2017 seine eigene Anordnung auf sofortige Vollziehbarkeit der Einlagerungsgenehmigung für die AVR-Brennelemente jedenfalls wieder zurückgezogen. [19]

Ab 2019: Brennelemente aus dem Forschungsreaktor FRM II; die Behälter müssen allerdings erst noch entwickelt werden. [20]

Ab 2025: 150 Behälter mit hochdruckkompaktierten Abfällen (BE-Strukturteile) aus der Wiederaufarbeitung von Brennelementen in La Hague (F). "Derzeit erfolgt eine vollständige Überarbeitung des Behälterkonzepts für hochdruckkompaktierte radioaktive Abfälle („TGC27“). Dadurch verschiebt sich voraussichtlich der Zeitpunkt für den Beginn der Rückführung von Frankreich nach Deutschland auf 2025." [21]  

Bekannte Ereignisse: Korrosionsschäden an den Castor-Behältern: Wegen der geringen Befüllung der Halle kommt es immer wieder zu Taupunktunterschreitungen mit entsprechender Feuchte. [22]

Transporte

 

zur Anlage:

Abgebrannte Brennelemente aus Hoch-Temperatur- und Forschungsreaktoren, wärmeentwickelnde mittelradioaktive Abfälle aus La Hague (F)

Gleisanschluss:

Vorhanden

Adressen

 

Betreiber:

BGZ Gesellschaft für Zwischenlagerung mbH
Frohnhauser Straße 67
45127 Essen
Telefon 0201 2796-0
Webseite: https://bgz.de E-Mail: info@bgz.de

Behörden:

Bundesamt für die Sicherheit der nuklearen Entsorgung (BASE)
Wegelystraße 8, 10623 Berlin
Telefon +49 (0)3018 767676 5000
www.base.bund.de, info@base.bund.de

Bezirksregierung Münster, Domplatz 1-3, 48143 Münster, Tel.: 0251 / 411-0, Fax: 0251 / 411-82525, poststelle@brms.nrw.de, www.bezreg-muenster.de 

Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz Nordrhein-Westfalen (LANUV), Leibnizstr. 10, 45659 Recklinghausen, Tel.: 02361 / 305-0, Fax: 02361 / 305-3215, poststelle(at)lanuv.nrw.de, www.lanuv.nrw.de

KritikerInnen:

BI Kein Atommüll in Ahaus e.V., Bahnhofstr. 27,  48683 Ahaus, Postanschrift: Postfach 1165, 48661 Ahaus, Tel.: 02561 / 961791, mail(at)bi-ahaus.de, www.bi-ahaus.de

SOFA Münster, www.sofa-ms.de

Aktionsbündnis Stop Westcastor, www.westcastor.de

Quellen

[1] bi-ahaus.de: Hintergrundinformationen zur Sicherheit der Zwischenlager für Atommüll, 21.02.2004

[2] GNS: „Das Zwischenlager Ahaus“, 3/2015

[3] gns.de: Ahaus: Verlängerung der Zwischenlagerung von schwach- und mittelradioaktiven Abfällen, 03.12.2014

[4] base.de: Zentrales Zwischenlager Ahaus

[5] Bundesamt für Strahlenschutz: „Regelungsgehalt der Aufbewahrungsgenehmigung vom 07.11.1997 in der Fassung der 7. Änderungsgenehmigung vom 08.02.2016 für das Transportbehälterlager Ahaus“

[6] Bundesamt für Strahlenschutz: „Regelungsgehalt der Aufbewahrungsgenehmigung vom 07.11.1997 in der Fassung der 8. Änderungsgenehmigung vom 21.07.2016 für das Transportbehälterlager Ahaus“

[7] Bundesamt für Strahlenschutz: „Regelungsgehalt der Aufbewahrungsgenehmigung vom 07.11.1997 in der Fassung der 9. Änderungsgenehmigung vom 01.08.2017 für das Transportbehälterlager Ahaus“

[11] Bundesamt für Strahlenschutz „Auswirkungen von gezielten Flugzeugabstürzen auf Zwischenlager für Kernbrennstoffe“, 25.02.2010 (Version auf archive.org)

[12] umweltfairaendern.de: Atomwaffen aus Atommüll? Proliferationsrisiken und der Atommüll aus dem AVR Jülich und dem THTR Hamm-Uentrop, 22.09.2014

[13] base.de: Anlagen zur Kernbrennstoffver- und -entsorgung in Deutschland: Meldepflichtige Ereignisse seit Inbetriebnahme

[14] „Gorlebens friedlicher Zwilling - Wo Castor willkommen ist: Ahaus läßt sich sein Zwischenlager für Atommüll teuer bezahlen“ Die Welt, 26.06.1996

[15] Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit: „Verzeichnis radioaktiver Abfälle – Bestand zum 31. Dezember 2019 und Prognose“, Januar 2021

[16] Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit: „Keine Zustimmung zum Transport bestrahlter Forschungsreaktor-Brennelemente nach Russland“, Pressemitteilung Nr. 190/10 | Berlin, 06.12.2010

[17] „Atombrennstäbe aus Rossendorf kosten Land inzwischen 3,5 Mio. Euro“, dnn.de (Dresdener neueste Nachrichten), 27.12.2014

[18] gns.de: Zwischenlager Ahaus

[19] Deutscher Bundestag, Antwort auf die Kleine Anfrage (Linke): Atommüllexport aus Jülich in die USA, Drucksache 19/1385, 23.03.2018

[20] "Atommüll: Stadt Ahaus feiert Teilerfolg", Westfälische Nachrichten, 14.01.2018

[21] „Castoren sollen 2018 wieder rollen - Atommüll aus Forschungsreaktor soll nach Ahaus“, MünsterlandZeitung.de, 30.09.2014

[22] gns.de: Transport, abgerufen am 03.08.2016

[23] Landtag Nordrhein-Westfalen, Antwort auf die Kleine Anfrage (Linke): „Einlagerung von Brennelementen im Zwischenlager Ahaus“, Drucksache 15/4281, 13.03.2012

[24] Landtag Nordrhein-Westfalen, Antwort auf die Kleine Anfrage (Grüne): „Lack- und Rostschäden an Castorbehältern in Ahaus“, Drucksache 12/4569, 16.12.1999