Anlage |
|
Name: | BER II – Berliner Experimentier-Reaktor II |
Bundesland: | Berlin |
Betreiber: | Helmholtz-Zentrum Berlin für Materialien und Energie GmbH (HZB) Bis 31.12.2008 Hahn-Meitner-Institut |
Gesellschafter: | 90 % Bund, 10 % Land Berlin |
Reaktortyp: | Schwimmbadreaktor / Materialtestreaktor (MTR) |
Leistung, thermisch: | Ursprünglich 5 MW Von 1985 bis 1989 wurde der Reaktor auf eine Leistung von 10 MW und bessere Experimentiermöglichkeiten ausgebaut und 1991 wieder in Betrieb genommen. [1] |
Zweck: | Herstellung von Neutronen zu Forschungszwecken, Herstellung von Neutronen zu Forschungszwecken für viele Disziplinen (Biologen, Chemiker, Physiker, Medizinphysiker, Materialwissenschaftler und Kunsthistoriker) [2] |
Baubeginn: | 10.10.1970 |
Inbetriebnahme: | 09.12.1973 |
Genehmigungs- und Aufsichtsbehörde: | Berliner Senatsverwaltung für Umwelt, Mobilität, Verbraucher und Klimaschutz Früher: Senat für Wirtschaft |
Kosten: | Bau ca. 62,5 Mio. € |
Besondere Gefahren: | Der BER II wird regelmäßig überflogen. Am 23.01.2013 erklärte das Oberverwaltungsgericht Berlin-Brandenburg die Flugrouten des Flughafens Berlin-Schönefeld für rechtswidrig, da u.a. die möglichen Auswirkungen eines Flugzeugabsturzes auf den BER II nicht betrachtet worden wären. Der BER II ist nicht gegen Flugzeugabstürze ausgelegt. [4] Am 09.06.2011 berichtet das ARD-Magazin Kontraste über erhebliche Sicherheitsmängel im BER II, einen Riss im Kühlsystem und veraltete Bauteile. Betreiber und Aufsichtsbehörde wiesen die Vorwürfe zurück. Es gäbe zwar eine „Undichtigkeit“, diese wäre aber nicht sicherheitsrelevant. Im November 2013 wurde der Reaktor abgeschaltet, offiziell um weitere Experimente vorzubereiten. Am 07.07.2014 wurde bekannt, dass der eigentliche Grund das unerwartet schnelle Wachstum des Risses im Kühlsystem war. [5] Anfang 2015 wurde der Betrieb wieder aufgenommen. |
Meldepflichtige Ereignisse: | 81 (Stand 31.08.2025), darunter diverse Reaktorschnellabschaltungen [6] |
Stilllegung |
|
Außerbetriebnahme: | 25.06.2013: Beschluss des Aufsichtsrats des Helmholtz-Zentrums Berlin, den Betrieb des Forschungsreaktors BER 2 Ende 2019 einzustellen. [7] 11.12.2019: endgültige Abschaltung |
Stilllegungsantrag: | 24.04.2017: Stilllegungsantrag [8] 18.11.2025 - 28.01.2026: Öffentliche Auslegung der Stilllegungsunterlagen [9] Kurzbeschreibung, Sicherheitsbericht |
Informelle Beteiligungs-maßnahmen: | Das HZB hat im Januar 2018 im Rahmen der Öffentlichkeitsbeteiligung eine Begleitgruppe initiiert, die sich regelmäßig alle 2 Monate trifft. Diese Gruppe ist zusammengesetzt aus Bürger*innen aus der Politik, aus Umweltverbänden und sonstigen aus der Zivilgesellschaft. Die Protokolle der Sitzungen werden ins Netz gestellt. [10] |
Dauer des Rückbaus: | Wann die Genehmigungsbehörde über den vorliegenden Antrag abschließend entscheidet, ist noch nicht absehbar. [11] Aktuell geht das HZB davon aus, dass die Genehmigung Ende der 2020erJahre erteilt wird. Der konkrete Abbau kann dann Anfang der 2030er-Jahre beginnen. [12] Derzeit rechnet das HZB mit einer Rückbauzeit von ca. 10 Jahren. [13] |
Kosten des Rückbaus: | Laut HZB 240 Mio. Euro (Stand 2019) [14] |
Abfälle |
|
Brennelemente: | 24 Brennelemente mit jeweils 322 Gramm Uran und sechs Elemente zur Aufnahme der Steuerstäbe mit jeweils 238 Gramm Uran im Einsatz. Die Neutronen werden mit Beryllium-Reflektoren gebündelt. Der vorrangig gewünschte Reaktorkern mit neuartigen UZrH-Brennelementen zum Pulsbetrieb wie bei TRIGA-Reaktoren mit der Option des Dauerbetriebs als Innovation wurde bei der Erprobung nach dem Tausch des ersten MTR-Kerns wegen unerwarteter hoher und nicht behebbarer Spaltprodukt-Emissionen wieder ausgebaut und durch einen MTR-Kern ersetzt. [1] 1991 – 1997: Einsatz von hochangereicherten Brennelementen. Von August 1997 bis Februar 2000 wurde der Reaktor graduell von hochangereichertem Uran auf schwachangereichertes (19,75%) Uran umgestellt. [1] Pro Jahr sind etwa 13 bestrahlte Brennelemente angefallen. [15] |
Absetz- und Umsetzbecken: | Im Absetzbecken wurden bestrahlte Brennelemente und Brennelemente, die gerade nicht gebraucht werden, gelagert. Im Umsetzbecken werden die bestrahlten Brennelemente bis zu ihrem Abstransport gelagert und in Transportbehälter umgeladen. [16] Das mit vollentsalztem Wasser gefüllte Umsetzbecken besteht aus 2 ineinander montierten nach oben offenen zylindrischen Behältern, deren Zwischenraum mit Wasser gefüllt ist. Das Umsetzbecken ist mit einem abnehmbaren Betondeckel versehen. Es dient zur Lagerung und zum Abklingen von bestrahlten Brennelementen. Die Zerfallswärme, die durch die Brennelemente in das Wasser eingebracht wird, wird an die Umgebung abgegeben. [17] Im Absetzbecken können 72, im Umsetzbecken 80 Brennelemente gelagert werden. [15] 31.12.2023: 66 bestrahlte Brennelemente (101,6 kg SM) [18] Frühestens 2023 werden die Brennelemente in Transport- und Lagerbehälter verladen Die Brennelemente sollen in das Zwischenlager Ahaus transportiert werden. Dafür steht noch kein Zeitpunkt fest. [19] |
Rückbauabfälle - Massen: | Gesamte Rückbaumassen 3.948 t: [13]
Beryllium: Bisher ist nicht abschließend geklärt worden, ob Beryllium die Endlagerungsbedingungen in das geplante Atommülllager Schacht Konrad erfüllen kann. Aufgrund der wasserrechtlichen Bestimmungen ist für das Endlager Konrad die maximal einlagerbare Masse an Beryllium auf 24,5 kg begrenzt. Im BER II sind demgegenüber 1.758,8 kg Beryllium vorhanden. Zudem sind die hohen Tritium-Inventare in bestrahltem Beryllium in Bezug auf die Einhaltung der Garantiewerte für metallische Abfälle in Konrad kritisch. Mögliche Techniken zur Konditionierung von Berylliu8m sind noch nicht erprobt. [20] |
Pufferlagerung: | Versuchshalle Bereich NLH II sowie temporäre Bereitstellungs- und Pufferflächen: Pufferlagerung radioaktiver Abfälle bis zur Abgabe an die ZRA oder in das neu zu errichtende Zwischenlager Versuchshalle,, Bereich NLH I: freigabefähige Reststoffe [13] |
Zwischenlager des HZB: | Separater Genehmigungsantrag, auf dem HZB-Betriebsgelände ein Zwischenlager für die radioaktiven Reststoffe und Abfälle aus dem Abbau des BER II zu errichten und zu betreiben. [13] |
Verbringung von Abfällen:
|
|
Transporte |
|
Von der Anlage | Brennelemente, schwach- und mittelradioaktive Abfälle |
Gleisanschluss: | Nicht vorhanden |
Adressen | |
Betreiber: | Helmholtz Zentrum Berlin für Materialien und Energie |
Behörden: | Berliner Senatsverwaltung für Umwelt, Mobilität, Verbraucher und Klimaschutz Am Köllnischen Park 3, 10179 Berlin |
KritikerInnen: | Anti-Atom-Bündnis in Berlin und Potsdam Anti Atom Berlin, www.antiatomberlin.de |
Quellen[1] wikipedia.de: Berliner Experimentier-Reaktor, abgerufen am 22.06.2021 [2] Helmholtz-Zentrum Berlin: Häufig gestellte Fragen zur Sicherheit des Forschungsreaktors BER II, abgerufen 29.11.2022 [5] „Reaktor ist nicht ganz dicht“, taz 07.07.2014 [6] base.bund.de: Forschungsreaktoren in Deutschland: Meldepflichtige Ereignisse seit Inbetriebnahme [7] helmholtz-berlin.de: Am 11. Dezember endet der Betrieb des Forschungsreaktors BER II, 11.12.2019 [9] UVP-Verbund: Stilllegung und Abbau des Forschungsreaktors BER II in Berlin-Wannsee, abgerufen am 19.11.2025 [10] helmholtz-berlin.de: Informationen und Dokumente zum Dialogverfahren, abgerufen am 22.06.2021 [11] Senatsverwaltung für Mobilität, Verkehr, Klimaschutz und Umwelt Berlin: Stilllegung und Abbau des Forschungsreaktors BER II, abgerufen 19.11.2025 [12] Helmholtz-Zentrum Berlin: Der Berliner Experimentierreaktor II Ein Forschungsreaktor im Rückbau, März 2025 [14] maz-online.de: Strahlendes Erbe - Berlins Forschungsreaktor wird abgeschaltet, 10.12.2019 [16] Anti-Atom-Bündnis Berlin Potsdam: Wissenssammlung zum Forschungsreaktor BER II Wannsee, 05.09.2016 [18] BMU: Verzeichnis radioaktiver Abfälle, Bestand zum 31. Dezember 2023 und Prognose, Dezember 2024 [19] morgenpost.de, 07.04.2019: Forschungsreaktor in Wannsee: BER II wird im Dezember stillgelegt | |
Forschungsreaktor Berlin II
Quelle: antiatomberlin.de