WAK Karlsruhe

Quelle. Rentnerblog

Anlage

                                      

Name der Anlage:

WAK – Wiederaufarbeitungsanlage Karlsruhe

Bundesland:

Baden-Württemberg

Betreiber:

Kerntechnische Entsorgung Karlsruhe GmbH (KTE) [1]

2017: Umfirmierung der WAK GmbH zur KTE
2006 - 2017: Wiederaufarbeitungsanlage Karlsruhe Rückbau und Entsorgungs-GmbH (WAK GmbH)

2006: Wiederaufarbeitungsanlage Karlsruhe Rückbau und Entsorgungs-GmbH (WAK GmbH)

1979 bis 2006: Wiederaufarbeitungsanlage Karlsruhe Betriebsgesellschaft mbH (WAKB mbH)

1979 Übernahme der GWK durch die DWK

1964 bis 1979: Gesellschaft zur Wiederaufarbeitung von Kernbrennstoffen mbH (GWK)

1964: Gründung der GWK durch Bayer, Hoechst und Gelsenberg

Gesellschafter:

Entsorgungswerk für Nuklearanlagen (EWN) GmbH

Die privatwirtschaftlich geführte EWN GmbH ist zu 100% im Besitz des Bundesministeriums für Finanzen.

Mitarbeiter*innen: KTE gesamt 650 [1]

Leistung:

35 t bei 200 Betriebsstunden / Jahr, Anreicherung bis 3% U-235 Äquivalent. Insgesamt wurden 206,93 t bestrahlte Brennstoffe aufgearbeitet und über 1 t Plutonium abgetrennt. [2]

Baubeginn:

1967

Inbetriebnahme:

07.09.1971

Wiederaufarbeitung:

Gesamt 206,93 t SM [3]

Herkunft der Brennelemente:

Genehmigungs- und Aufsichtsbehörde:

Ministerium für Umwelt, Klima und Energiewirtschaft Baden-Württemberg (UM)

Umgebungs-überwachung:

Landesanstalt für Umwelt, Messungen und Naturschutz Baden-Württemberg (LUBW)

Meldepflichtige Ereignisse:

1.023 während der Betriebszeit
insgesamt 1.051 (Stand 31.12.2018)[4]

2018: 9 Ereignisse
2017: 10 Ereignisse
2016: 6 Ereignisse
2015: 3 Ereignisse
2014: 3 Ereignisse

Stilllegung

 

Außerbetriebnahme:

1990

Genehmigungen:

1. Stilllegungsgenehmigung vom März 1993

Bisher wurden 26 Stilllegungsgenehmigungen erteilt, die letzte am 06.07.2018.

Rückbau:

Beginn 1996. Geplant bis 2023. Inzwischen ist von Ende der 2020er Jahre die Rede. 2013 wurden die Rückbautätigkeiten aus Kostengründen zurückgefahren.[5]

2013: Testbetrieb im Lagergebäude LAVA zum Ausbau von Zellen mit kontaminierten HAWC-Prozesskomponenten. Beginn der eigentlichen Demontagen im Sommer 2015.

2015: Vorbereitungen für den Rückbau des ersten von vier großen Lagertanks beginnen. Dafür musste eine 1,80 m dicke Wand fernhantiert aufgesägt werden. Der ausgesägte, 30t schwere Block wurde mit einem Spezialgerät gezogen und im vorgelagerten Raum in transportgerechte Stücke zerlegt.

2018: Der erste der vier großen Lagertanks ist komplett zerlegt und ausgebaut. Die Vorbereitungen zur Demontage des nächsten Tanks laufen.

Kosten:

Laut Kostenschätzung vom Dezember 2007 liegen die WAK-Gesamtprojektkosten bei rund 2,63 Mrd. Euro, davon rund 2,2 Mrd. Euro für Verglasung und Rückbau. Der Anteil der Industrie an den Gesamtprojektkosten beträgt inklusive der erwirtschafteten Zinsen 1,005 Mrd. Euro (=38,21 Prozent). [3]

April 2015: Der Bundesrechnungshof veröffentlicht einen Bericht, wonach der Finanzbedarf für den Rückbau der WAK (inkl. VEK) auf inzwischen 4,2 Milliarden Euro angestiegen sei. [14]

2016: Gesamtausgaben des Bundes für die Stilllegung der WAK: 1,24 Milliarden Euro. [15]

2019: Gesamtausgaben des Bundes für die Stilllegung der WAK: 1,54 Milliarden Euro. [16]

Die Rücklagen der DWK und des Bundes von je 500 Mio. € waren Ende 2005 aufgebraucht. Mit der Stilllegungsvereinbarung von 1991 war die finanzielle Beteiligung der Industrie am Rückbau pauschal abgegolten worden. Darüber hinaus wurde eine weitere pauschalierte Kostenbeteiligung für die Konditionierung und Zwischenlagerung der Abfälle, die der Industrie zugeordnet werden können, sowie die Übernahme der dafür anfallenden Endlagerkosten vereinbart. Alle weiteren Kosten werden vom Bund und dem Land Baden-Württemberg getragen. [3]

Die Rückbaukosten für die öffentliche Hand schlüsseln sich auf in 91,8 Prozent Bund und 8,2 Prozent Land. Die Endlagerkosten in 98,25 Prozent Bund und 1,75 Prozent Land. [6]

(Zum Vergleich: Baukosten: ca. 30 Mio. €, vom Bund getragen)

Abfälle

 

Behälter für hochaktives, flüssiges Abfallkonzentrat (HAWC):

Bei der Wiederaufarbeitung fielen 70 m³ (später reduziert auf 60 m³) hochradioaktive Flüssigkeit mit 7,7 x 1017 Bq an, die in Edelstahltanks „HAWC-Behälter“ ständig zirkulieren und auf 25° C herunter gekühlt werden mussten.

Diese HAWC-Lagerbehälter befinden sich im „LAVA“- und im „HWL“-Gebäude in dickwandigen Betonzellen. Im Dezember 2010 wurde die Demontage der HAWC-Lagerbehälter genehmigt. Die „HAWC“-Behälter wurden im Rahmen des Verglasungsprozesses entleert und gespült. Sie müssen nach ihrer Leerung aufgrund der hohen Strahlung fernhantiert demontiert werden. In einem der Reservebehälter, der 15 Jahre in Betrieb war, befinden sich trotz mehrmaligem Spülen 100 kg feste HAWC-Rückstände.[7] 2017 wurde im Rahmen der bereits 2010 erteilten 22. Stilllegungsgenehmigung mit der fernhantierten Bergung der Rückstände begonnen.[17]

Rückbauabfälle: Einschließlich Rückbau VEK: mehr als 21.000 m³ (endkonditioniertes Vorkommen) an schwach- und mittelradioaktiven Abfällen.[8]

Verglasungseinrichtung Karlsruhe (VEK):

1999-2005 wurde ausschließlich für die Verglasung der WAK-Abfälle die Verglasungsanlage Karlsruhe (VEK) gebaut, in der bis November 2010 die Flüssigabfälle verglast wurden. 

Anlage zur Lagerung und Verdampfung hochaktiver Abfallflüssigkeiten (LAVA) und Haupt-Waste-Lager (HWL):

Im LAVA- und HWL-Gebäude befinden sich jeweils zwei HAWC-Lagerbehälter, die aufgrund ihrer hohen Dosisleistung fernhantiert demontiert werden müssen. Für diese fernhantierte Demontage wurde eigens ein neues Zugangsgebäude errichtet.

Die fernhantierte Demontage der Sammelbehälter für mittelradioaktive Abfälle, die sich ebenfalls im HWL-Gebäude befanden, wurde mit der 20. Stilllegungsgenehmigung vom 31.01.2006 gestattet und bis 2011 abgebaut. [7]

Meldepflichtige Ereignisse:

1985: Brand in einem Abfallfass der Zelle I [9]

Verbringung von Abfällen:

  1. Hanau: Das aufgearbeitete Plutonium wurde zur Weiterverarbeitung an die Siemens Brennelementwerke Hanau abgegeben. Daraus wurden Schnellbrüter-Brennelemente für den SNR 300 (Erstbeladung des Reaktorkerns) und den Versuchsreaktor KNK II sowie MOX-Brennelemente für Atomkraftwerke gefertigt.[10]
  2. Zwischenlager Nord: 5 CASTOR® HAW 20/28 seit Februar 2011.[11]
  3. ASSE II: 9.885 Gebinde; Betriebsabfälle der WAK. Die Gebinde aus der Wiederaufarbeitung, die den Anlieferern der Brennelemente zuzuordnen sind, sind bei den jeweiligen Atomkraftwerken aufgelistet.[12]
  4. Morsleben: 45 m³ [13]
  5. KTE Betriebsteil Entsorgung: Die weiteren Betriebs- und Abrissabfälle der KTE werden im Betriebsteil Entsorgung auf dem Gelände des KIT Campus Nord gelagert.
  6. Deponie "Am Froschgraben" in Schwieberdingen (Kreis Ludwigslust): Zwischen 2007 bis 2014 knapp 324 Tonnen freigemessener Bauschutt aus dem Abriss der WAK [18]

Transporte

  • zur Anlage

keine

  •  von der Anlage

Rohabfälle zu KTE - Betriebsteil Entsorgung

  • Gleisanschluss:

vorhanden

Adressen

Betreiber:

Kerntechnische Entsorgung Karlsruhe GmbH (KTE), Hermann-von-Helmholtz-Platz 1, 76344 Eggenstein-Leopoldshafen, Postanschrift: Postfach 1263, 76339 Eggenstein-Leopoldshafen, Tel.: 07247 / 88-0, Fax: 7247 4755, kontakt(at)kte-karlsruhe.de www.kte-karlsruhe.de

Behörden:

Ministerium für Umwelt, Klima und Energiewirtschaft Baden-Württemberg, Kernerplatz 9, 70182 Stuttgart, Postfach 103439
70029 Stuttgart, Tel.:0711 / 126-0, Fax: 0711 / 126-2881, poststelle(at)um.bwl.de www.um.baden-wuerttemberg.de

LUBW Landesanstalt für Umwelt, Messungen und Naturschutz Baden-Württemberg, Postfach 10 01 63, 76231 Karlsruhe, Tel.: 0721 / 5600-0, Fax: 0721 / 5600-1456, poststelle@lubw.bwl.de  www.lubw.baden-wuerttemberg.de

Kritiker*innen:

Anti-Atom-Initiative Karlsruhe, info(at)anti-atom-ini-karlsruhe.de, www.philippsburg-abschalten.de/anti-atom-ini-karlsruhe

A.T.O.M. AG, www.antiatomkarlsruhe.blogsport.de

BUND OV Karlsruhe, Waldhornstraße 25, 76131 Karlsruhe, Tel.: 0721-358582, Fax: 0721-358587, bund.karlsruhe(at)bund.net karlsruhe.bund.net

Interessengemeinschaft Deponien Froschgraben Schwieberdingen und Burghof Horrheim, c/o Martin Theurer und Dr. Dierk Christian Vogt, Peter-von-Koblenz-Str. 45, 71701 Schwieberdingen, mail(at)froschgraben-freigemessen.de, www.froschgraben-freigemessen.de

Quellen

[1] kte-karlsruhe.de: Über uns

[2] wikipedia.org: Wiederaufarbeitungsanlage Karlsruhe (abgerufen am 17.03.2017)

[3] Deutscher Bundestag: Antwort auf die Kleine Anfrage (Grüne): „Atommüll – Wiederaufarbeitungsanlage Karlsruhe und Zwischenlager Nord“, Drucksache 17/4702, 07.02.2011

[4] bfe.bund.de: Anlagen zur Kernbrennstoffver- und -entsorgung in Deutschland: Meldepflichtige Ereignissse seit der Inbetriebnahme

[5] Ministerium für Umwelt, Klima und Energiewirtschaft Baden-Württemberg: „Kernenergieüberwachung und Strahlenschutz in Baden-Württemberg – Tätigkeitsbericht 2013“

[6] Landtag Baden-Württemberg: Antrag und Stellungnahme „Weitere Finanzierung und Fortschritt des Rückbaus der Wiederaufarbeitungsanlage Karlsruhe (WAK)“, Drucksache 14/2222, 16.01.2008

[7] Bundesamt für Strahlenschutz: "Statusbericht zur Kernenergienutzung in der Bundesrepublik Deutschland 2012"

[8] Ministerium für Umwelt, Klima und Energiewirtschaft Baden-Württemberg: Bericht über die Entsorgung von radioaktiven Abfällen und abgebrannten Brennelementen auf Baden-Württemberg, April 2017

[9] Deutscher Bundestag: Antwort auf die Kleine Anfrage (Grüne): „Atommüll – Fragen zur Lagerung von schwach- und mittelradioaktiven Abfällen und diesbezüglichen Korrosionsproblemen (verrostete Atommüllfässer)“ Drucksache 17/9592, 09.05.2012

[10] Bundesumweltministerium: "Hanau vor dem Ende seiner Atomgeschichte – Informationen zur endgültigen Räumung des Plutoniumbunkers"

[11] bfe.bund.de: Zwischenlager Nord bei Lubmin

[12] Greenpeace: „Tabelle Asse-Inventar“

[13] Deutscher Bundestag: Antwort auf die schriftliche Anfrage der Abgeordneten Lötzer, Drucksache 17/14270, 28.06.2013, S. 62 ff.

[14] Bericht an den Haushaltsausschuss des Deutschen Bundestages nach § 88 Abs. 2 BHO über die übergreifenden Aspekte der Planung, Steuerung und Kontrolle bei Stilllegung und Rückbau nuklearer Versuchsanlagen (April 2015)

[15] Bundeshaushalt 2016 - Einzelplan 30

[16] Bundeshaushalt 2019 - Einzelplan 30

[17] Statusbericht zur Kernenergienutzung in der Bundesrepublik Deutschland 2017

[18] Stuttgarter Zeitung: Gutachten über Deponien im Landkreis - Falsche Angabe zur Strahlenbelastung löst Ärger aus (09. Januar 2019)