Forschungszentrum Geesthacht

 

Anlage

 

Name des Zentrums:

Helmholtz-Zentrum Geesthacht – Zentrum für Materialforschung und Küstenforschung GmbH (HZG)

Vormals GKSS – Forschungszentrum Geesthacht GmbH (bis 31.10.2010)

Gegründet 1956 als GKSS – Gesellschaft für Kernenergieverwertung in Schiffbau und Schifffahrt GmbH (bis 1979)

Bundesland:

Schleswig-Holstein

Gesellschafter:

90% Bund, 10% teilen sich Schleswig-Holstein, Niedersachsen, Hamburg, Brandenburg

Forschungs_
schwerpunkte:

Schlüsseltechnologien, Meeres-, Küsten- und Polarforschung, regenerative Medizin, Struktur der Materie-Forschung mit Photonen, Neutronen und Ionen.

Nukleare Forschungsaktivitäten ausgelagert, z.B. an den FRM-II in Garching

MitarbeiterInnen:

860 (Geesthacht und Teltow)

Genehmigungs- und Aufsichtsbehörde:

Ministerium für Energiewende, Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume (MELUR)

Umgebungs-
überwachung:

LUFA-ITL GmbH Kiel und Helmholtz-Zentrum München

Informelle Beteiligungs-maßnahmen:

Das HZG hat zur Vorbereitung des Stilllegungsantrages eine Begleitgruppe eingerichtet. Mitglieder sind Geesthachter Bürgerinnen und Bürger, KommunalpolitikerInnen, die Elterninitiative Geesthacht sowie Vertreterinnen und Vertreter von Umweltorganisationen.

Nach der jetzt erfolgten Einreichung des Stilllegungsantrages bei der atomrechtlichen Aufsichtsbehörde in Kiel werden von Seiten der Behörde externe Gutachter hinzugezogen und ebenfalls die Öffentlichkeit beteiligt. Dieser Prozess wird voraussichtlich zwei bis drei Jahre dauern. Die vom HZG freiwillig initiierte Veranstaltungsreihe „HZG im Dialog“ wird auch nach der Antragseinreichung und trotz der formellen Öffentlichkeitsbeteiligung durch die Behörden fortgeführt.

Forschungsreaktor FRG 1

 

Reaktortyp:

Schwimmbadreaktor

Leistung, thermisch:

5 MW

Zweck:

Materialforschung mit Strahlrohrexperimenten sowie Isotopenproduktion und Durchführung von Neutronenaktivierungsanalysen

Inbetriebnahme:

23.10.1958

Meldepflichtige Ereignisse:

41 (Stand 30.06.2013)

Abschaltung:

28.06.2010

Stilllegung:

Antrag nach §7 Abs. 3 AtG auf vollständigen Rückbau, gestellt am 21.03.2013

Rückbau:

Laut Forschungszentrum Geesthacht geplant bis 2030

Kosten:

Kosten für den Rückbau: FRG-1 und FRG-2 zusammen 73 Mio. € - 90% Bund, 10% Länder

(Baukosten FRG-1 und FRG-2 zusammen ca. 3,15 Mio. € - 90% Bund, 10% Länder)

Experimentier-einrichtungen:

Die Experimentiereinrichtungen wurden bzw. werden in Container zur TU Delft (NL) und zum Petersburg Nuclear Physics Institute (RUS) transportiert.

Forschungsreaktor FRG 2

 

Reaktortyp:

Schwimmbadreaktor

Leistung, thermisch:

15 MW

Zweck:

Bestrahlungsversuche für die Weiterentwicklung von Kernkraftwerkskomponenten und die Reaktorsicherheit

Inbetriebnahme:

15.03.1963

Abschaltung:

01.06.1993

Stilllegung:

Genehmigung zur Außerbetriebnahme und zum Teilabbau vom 17.01.1995

Antrag nach §7 Abs. 3 AtG auf vollständigen Rückbau, gestellt am 21.03.2013; der restliche Rückbau ist nur zusammen mit FRG-1 möglich, da beide Reaktoren ein gemeinsames Reaktorbecken haben.

Rückbau:

Laut Forschungszentrum Geesthacht geplant bis 2030

Kosten:

Kosten für den Rückbau: FRG-1 und FRG-2 zusammen 73 Mio. € - 90% Bund, 10% Länder

(Baukosten FRG-1 und FRG-2 zusammen ca. 3,15 Mio. € - 90% Bund, 10% Länder)

Heißes Labor

 

Genehmigung:

Genehmigung nach §9 AtG

Stilllegung:

Antrag nach §7 Abs. 3 AtG auf vollständigen Rückbau, gestellt am 21.03.2013

NS Otto Hahn

 

Reaktortyp:

Atomar-betriebenes Forschungsschiff mit Druckwasserreaktor

Leistung, thermisch:

38 MW

Stapellauf:

14.06.1964

Stilllegung:

1979: spätere Umrüstung auf Dieselantrieb

ANEX

 

Reaktortyp:

Kritische Anordnung

Leistung, thermisch

100 Watt

Inbetriebnahme:

Mai 1964

Außerbetriebnahme:

05.02.1975

Rückbau:

Januar 1980: Aus dem Geltungsbereich des Atomgesetzes entlassen

Konditionierungsanlage

Vakuumtrocknungsanlage für 200-l- bis 400-l-Fässer

Abfälle

 

Brennelemente:

Keine Brennelemente mehr vor Ort

Bereitstellungshalle:

Genehmigt nach §7 StrlSchV für max. 678 Gebinde mit konditionierten Abfällen

375 Gebinde eingelagert, 300 kommen aus der Konditionierung zurück, 3 Plätze frei (Stand 01.10.2012)

HAKONA:

Halle für Komponentennachuntersuchung (HAKONA)

Genehmigt nach §3 StrlSchV (alt) für max. 580 Gebinde mit konditionierten Abfällen

384 Gebinde eingelagert, 150 kommen aus der Konditionierung zurück, 46 Plätze frei (Stand 01.10.2012)

Lagerung des Reaktordruckbehälters der NS Otto-Hahn im eigens dafür hergestellten Betonschacht

Neue Versuchshalle:

Umwidmung der neuen Versuchshalle als Transportbereitstellungshalle für vorhandene und Stilllegungsabfälle beantragt

Prognostiziertes Volumen an gesamten radioaktiven Abfällen:

1.600 m³ gesamt:

740 m³ sind bereits vorhanden

760 m3 schwachradioaktive Abfälle aus dem Abriss der Reaktoren

100 m3 mittelradioaktive Abfälle aus dem Abriss der Reaktoren

Ca. 54.700 t Material (Bauschutt, Metalle, Kunststoffe, etc.) sollen freigemessen werden.

Landessammelstelle:

Genehmigung nach §3 StrlSchV (alt), für max. 336 Gebinde

Landessammelstelle der vier norddeutschen Küstenländer Schleswig-Holstein, Niedersachsen, Hamburg und Bremen. Das niedersächsische Kontingent ist seit einigen Jahren ausgeschöpft.

275 Gebinde vorhanden, 61 Plätze frei (Stand 1.10.2012)

2000-2002 wurden Altabfälle im Rahmen von Sicherungsmaßnahmen vakuumgetrocknet und in 105 200-l-Edelstahlfässer und 27 korrosionsgeschützte Stahlfässer umgepackt. Diese Gebinde entsprechen den „vorläufigen“ Annahmebedingungen für Schacht KONRAD aus dem Jahr 1995.

In den 77 Abfallgebinden, die die Fa. Amersham Buchler (Nachfolger: Eckert & Ziegler Nuclitec) vor 1980 geliefert hatte, wurde im Jahr 2000 stark strahlendes Material gefunden, u.a. Cäsium 137 in flüssiger Form. Die Fässer sollten ursprünglich in das Endlager ASSE II verbracht werden.

Verbringung der Abfälle:

  1. Wiederaufarbeitung:
  • FRG-1 zur Wiederaufarbeitung nach Dounreay (Schottland)
  • FRG-2 zur Wiederaufarbeitung nach Dounreay (Schottland) sowie zum Department of Energy (USA); letzter Transport 24.07.2012
  • NS Otto Hahn: 2,89 t SM in der WAK Karlsruhe, Sommer 2010 Abtransport von 52 Brennstäben nach Cadarache (F), Dezember 2010: Überführung des behandelten Materials in 4 CASTOR® KNK zum Zwischenlager Nord in Lubmin

In Dounreay lagern zementierte Abfälle zur Rücklieferung.

  1. ASSE II: 1976 – 1978
  • 19 Transporte mit 1.893 Gebinden schwachaktiver Abfälle
  • 9 Transporte mit 21 Gebinden mittelradioaktiver Abfälle

06.04.1970: GSF an Oberbergamt „… Soweit wir unterrichtet sind, sind in der Sammelstelle (Geesthacht) große Mengen Radium-Abfälle der Fa. Buchler gelagert, die bereits vor mehreren Jahren eine erhebliche Kontamination hervorgerufen haben. Wir glauben nicht, dass die Asse der geeignete Lagerort für diese radioaktiven Abfälle sein wird…“ (siehe auch das Kapitel zu Leese).

 

  1. Morsleben: 75 m³

Transporte

 

·   zur Anlage:

Extern konditionierte schwach- und mittelradioaktive Abfälle

·   von der Anlage:

Radioaktive Rohabfälle, konditionierte radioaktive Abfälle

·  Gleisanschluss:

Nicht vorhanden

Besonderheit:

Es steht seit vielen Jahren der Verdacht im Raum, dass bei der GKSS auch geheime Experimente für die Entwicklung von Atomwaffen durchgeführt worden sind. Zu den Gründern des Forschungszentrums gehören Kurt Diebner und Erich Bagge, die bereits im Nationalsozialismus an der Entwicklung der Atombombe gearbeitet haben. Bundeskanzler Adenauer machte gemeinsam mit seinem Bundesminister für Atomfragen Franz-Josef Strauß keinen Hehl aus seinem Wunsch, Atomwaffen zu besitzen.

Am 12. September 1986 soll es einen Unfall gegeben haben, bei dem Mikrokügelchen mit hochangereichertem Uran freigesetzt worden sind. Die Unterlagen zu dem Brand wurden bei einem Feuer in der Feuerwehrzentrale am 1.9.1991 alle vernichtet. In der Umgebung wurden später sogenannte PAC-Kügelchen gefunden, die laut kritischen WissenschaftlerInnen Kernbrennstoff enthalten.

Sollte dieser Verdacht begründet sein, hat dies Auswirkungen auf das Radioaktivitätsinventar der Anlage sowie der ASSE II. Behörden und GKSS weisen solche Vorwürfe zurück.

Quellen